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Politisches Bewusstsein im digitalen Zeitalter

Stories Politisches Bewusstsein im digitalen Zeitalter Die eigene Stimme finden: Wie Bildung die demokratische Teilhabe prägt Politische Meinungsbildung im digitalen Zeitalter Demokratie braucht Stimme: Zwischen Schweigen und Mitreden im Austausch zweier Welten Digitale Demokratie und Online-Partizipation Eine persönliche Perspektive von Stephanie Meichsner-Eschborn Maja Spickenheuer | FSJlerin Maja Spickenheuer | FSJlerin Eine persönliche Perspektive von Maja Spickenheuer über politisches Bewusstsein im digitalen Zeitalter und darüber, wie frühe Erfahrungen, soziale Medien und persönliche Begegnung das politische Engagement prägen. Politisches Bewusstsein im digitalen Zeitalter Eine persönliche Perspektive von Maja Spickenheuer über politisches Bewusstsein im digitalen Zeitalter und darüber, wie frühe Erfahrungen, soziale Medien und persönliche Begegnung das politische Engagement prägen. Ich bin in einem sehr politischen Haushalt aufgewachsen. Seit ich klein bin, bin ich es gewohnt, dass Diskussionen über Politik geführt wurden, Nachrichten liefen und wir auf Demonstrationen gingen, um für unsere Rechte einzustehen. Ich war, glaube ich, acht Jahre alt, als ich auf meiner ersten Demonstration gegen Pegida war. Meine Eltern brachten mich früh in Kontakt mit Menschen, die das Privileg nicht hatten, in einem finanziell sicheren Umfeld aufzuwachsen und zusätzlich in Deutschland zu leben. Sie zeigten mir Kinderhörspiele über Flucht und Krieg, was mich bis heute prägt. Um 2015 herum nahm meine Familie eine syrische Familie als “Paten” auf. Sie wohnten in einem Hochhaus in unserer Nähe, während ich in einer Altbauwohnung lebte. Wir besuchten uns oft, aßen miteinander und zeigten uns gegenseitig unsere Kulturen. Die Familie sprach kaum Deutsch und hatte nicht die finanziellen Mittel, um grundlegende Dinge wie einen Schulranzen zu kaufen. Wir halfen, wo wir konnten, und trotz des begrenzten Geldes luden sie uns ein, kochten für uns und schenkten mir Schmuck. Diese Erfahrungen ließen mich früh verstehen, wie gut ich’s habe und wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können. Außerdem lernte ich, dass man aktiv werden kann, wenn man mit Entwicklungen unzufrieden ist, wie damals, als mein Vater gegen den Bau der Waldschlösschenbrücke Flyer verteilte und einen Film produzierte, um aus Umweltschutzgründen dagegen zu protestieren. Durch diese frühe Politisierung war Politik für mich immer ein fester Bestandteil meines Lebens und wurde in meiner Jugend immer bedeutender. Ich begann, alleine oder mit Freundinnen und Freunden auf Demonstrationen zu gehen, etwa gegen den Klimawandel oder gegen den Rechtsruck. Ich wähle, unterschreibe Petitionen, nehme an Umfragen teil, besuche Podiumsdiskussionen oder verteile Flyer. Zusätzlich ist mir der direkte Austausch wichtig: ich informiere Menschen in meinem Umfeld über politische Themen, diskutiere mit ihnen und sage etwas, wenn diskriminierende Aussagen fallen. Auch Social Media beeinflusst meine politische Bildung. Anfangs informierte ich mich über TikTok, inzwischen vor allem über Podcasts oder Dokumentationen auf Youtube. Social Media spielt eine zunehmende Rolle für junge Menschen, die politisch aktiver werden. Wie stark der Einfluss sein kann, zeigt die Aktion “Women For Change” in Südafrika: Durch lila Profilbilder wurde Aufmerksamkeit auf die Femizide im Land gelenkt1, sodass sich der Präsident äußern musste2. Auch wenn dadurch das Problem nicht gelöst wurde, zeigt es, dass digitale Sichtbarkeit Veränderungsprozesse anstoßen kann. Social Media hat jedoch auch problematische Seiten, besonders im Hinblick auf Radikalisierung. Man sieht oft nur Inhalte, die das eigene Weltbild bestätigen3. Deshalb ist es wichtig, sich bewusst und aktiv zu informieren, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Quellen zu prüfen. Informationen verbreiten sich online sehr schnell, oft ohne journalistische Überprüfung, wodurch Falschinformationen entstehen können. Gleichzeitig bietet diese Offenheit auch Chancen: Menschen können Inhalte teilen, die in klassischen Medien kaum vorkommen4. Das zeigt sich beispielsweise in Nepal. Dort versuchte die Regierung, durch einen Internet-Shutdown Proteste zu unterdrücken. Das Ziel war es, Kommunikation zu erschweren und die Möglichkeit zu verringern, sich zu organisieren. Dieser Versuch scheiterte jedoch, und die Proteste entwickelten sich weiter, bis schließlich die Regierung stürzte5. Dieses Beispiel zeigt, wie bedeutend Informationszugang ist und wie stark politische Machtverhältnisse davon beeinflusst werden können. Solche Ereignisse machen mir bewusst, welches Privileg es ist, als weiße deutsche Frau aufzuwachsen. Ich müsste mich nicht mit gesellschaftlichen Problemen beschäftigen, da ich finanziell abgesichert bin und von vielen Entwicklungen nicht direkt betroffen wäre. Viele Menschen in meinem Umfeld tun das auch nicht, was ich nachvollziehen kann, denn die Weltlage ist belastend. Besonders in der Generation Z gibt es eine starke Zukunftsunsicherheit, sowohl finanziell als auch aufgrund des Klimawandels und der Frage, wie ein gutes Leben in Zukunft aussehen kann6. Im Vergleich zu früheren Generationen, die mit wirtschaftlicher Stabilität und politischer Sicherheit aufwachsen7, erleben viele junge Menschen heute Unsicherheiten, und manche schützen sich, indem sie sich weniger mit Politik befassen. Auch in meinem Umfeld fällt mir das auf. Bei mir ist das jedoch anders. Ich weiß, dass ich privilegiert bin, weil ich entscheiden kann, ob und wofür ich mich engagiere. Andere Menschen haben diese Wahl nicht. Sie sind gezwungen, sich mit politischen Entwicklungen auseinanderzusetzen, weil diese ihr Leben beeinflussen. Teilweise kann ich dieses Gefühl nachvollziehen, denn auch in Deutschland erleben Frauen Diskriminierungen und Gewalt. Dennoch unterscheidet sich meine Situation von denen vieler Frauen weltweit, wie etwa einer Schwarzen Mutter in den USA, die sowohl von Abtreibungsverbot betroffen ist8 als auch Rassismus erlebt. Ihr Leben unterscheidet sich stark von meinem. Ich bezeichne mich als Feministin, weil meine eigenen Erfahrungen mich geprägt haben. Dabei geht es mir nicht nur um meine eigene Gleichberechtigung, sondern darum, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben sollten. Ein intersektionaler Ansatz ist mir wichtig, weil er anerkennt, dass Menschen je nach Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe oder sozialer Position unterschiedliche Formen der Diskriminierung erleben9. Deshalb bilde ich mich weiter, setze mich mit verschiedenen Lebensrealitäten auseinander und informiere Menschen in meinem Umfeld. In Zukunft möchte ich Politikwissenschaften studieren, um gesellschaftliche Strukturen noch besser zu verstehen. Außerdem möchte ich bei “Demokratie und Courage” mitarbeiten und Schüler*innen demokratische Grundhaltungen näherbringen, um Hass und Hetze entgegenzuwirken. Ich bin überzeugt, dass politische Beteiligung notwendig ist, weil Politik alle betrifft. Die Vorstellung, Politik ginge einem nichts an, ist ein Ausdruck von Privilegien, aber sie ist falsch. Demokratie muss geschützt werden, und dafür braucht es Engagement. Politisches Handeln muss nicht groß sein. Schon kleine Schritte können etwas bewirken: sich informieren, Quellen prüfen, wählen gehen oder im Alltag widersprechen, wenn diskriminierende Aussagen gemacht werden.

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Die eigene Stimme finden: Wie Bildung die demokratische Teilhabe prägt

Elisabetta | Studentin Eine persönliche Perspektive von Elisabetta Stievano darüber, wie Bildung, Lehrkräfte und das soziale Umfeld das politische Bewusstsein und das demokratische Engagement prägen, sowie über die Rolle von kritischem Denken und Medienkompetenz beim Verständnis und der Teilhabe an der heutigen Gesellschaft.   In der Oberstufe begann ich, tiefer über die Welt um mich herum nachzudenken und darüber, wie mein bürgerliches Verhalten sie beeinflussen könnte. Vor allem ab der elften Klasse wurde mir bewusst, dass ich Teil eines politischen Ganzen war, und ich verspürte den Wunsch – der schon immer in mir schlummerte, zum Aufbau einer gerechteren Gesellschaft beizutragen. Besonders dankbar bin ich meiner Geschichts- und Philosophielehrerin aus der Oberstufe. Sie war eine hervorragende Pädagogin und sprach oft über die Philosophen des antiken Griechenlands und das Konzept der Demokratie – ein Wort, das sich aus demos und kratos zusammensetzt und dessen etymologische Bedeutung Macht des Volkes ist. Sie verband philosophische Theorien und historische Ereignisse mit der Gegenwart. Auf diese Weise half sie uns, kritisches Denken zu entwickeln und uns der Gesellschaft, in der wir lebten, sowie ihrer politischen Dimension bewusst zu werden. Wir waren politische Akteure, und das Klassenzimmer war ein Mikrokosmos der Außenwelt. Als mein politisches Bewusstsein wuchs, schloss ich mich Schülergruppen an, die sich mit einer Vielzahl von Themen befassten. Bei unseren Treffen führten wir spannende Diskussionen darüber, wie wir zu Veränderungen beitragen könnten. Später nahm ich weiterhin an Versammlungen und Streiks teil, die ich als wichtige Formen der Demokratie betrachte. Ich glaube, es ist unerlässlich, den Nihilismus, der unsere Gesellschaft unterdrückt, durch solche partizipativen Initiativen zu bekämpfen. In diesem Zusammenhang sind soziale Medien sicherlich wertvolle Werkzeuge, um über globale Ereignisse auf dem Laufenden zu bleiben. Allerdings bergen diese Plattformen auch die Gefahr, ein Gefühl der Realitätsferne zu fördern und uns zu passiven Zuschauern zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Gesundheit einer Demokratie an der Qualität ihres Bildungssystems messen lässt. Platon beispielsweise sprach in „Der Staat“ (375 v. Chr.) über die Risiken des demokratischen Systems. Seiner Ansicht nach könne aus der Entartung der Demokratie selbst eine Tyrannei entstehen. Der griechische Historiker Thukydides wies in „Der Peloponnesische Krieg“ (5. Jahrhundert v. Chr.) darauf hin, dass Perikles faktisch ein Tyrann war, obwohl er formell gewählt worden war. Er war ein Demagoge, der die Bürger der Agorà manipulieren konnte. Die in Athen gewählten Politiker waren Sophisten, Experten der Rhetorik, die es verstanden, in öffentlichen Reden Emotionen zu wecken und die Zustimmung des Publikums zu gewinnen. Heute stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen. In vielen westlichen Demokratien appellieren gewählte Politiker an die Bauchgefühle der Menschen, und infolgedessen hat die extreme Rechte vielerorts an Macht gewonnen. Bildungseinrichtungen spielen in unseren Gesellschaften eine entscheidende Rolle, denn – wie es mir selbst passiert ist – können sie den Horizont der Schüler wirklich erweitern, sie dazu ermutigen, Dinge zu hinterfragen, tiefer zu graben und sich nicht von den Sophisten der heutigen Zeit täuschen zu lassen. [1] Diese neuen Sophisten haben in den sozialen Medien eine moderne Agorà gefunden, wo sie Reden verfassen, die darauf ausgelegt sind, so viele Menschen wie möglich zu fesseln. Oft verhalten sie sich wie Reality-Show-Stars und stellen Performance und Aufmerksamkeit über Substanz oder Wahrheit. Aus meiner Sicht haben Social-Media-Plattformen wie Instagram eine entscheidende Rolle dabei gespielt, mein politisches Bewusstsein zu schärfen, nicht nur aus lokaler, sondern auch aus globaler Perspektive. Tatsächlich nutzen viele Aktivisten diese Plattformen, um über wichtige Themen zu sprechen, aber es ist notwendig, ein gewisses Maß an digitaler Kompetenz zu entwickeln, um zu verstehen, ob die Informationen, die wir dort finden, zuverlässig sind oder im Gegenteil Fake News. Diese Fähigkeit hängt immer vom eigenen Bildungshintergrund ab. Meiner Erfahrung nach war Instagram zum Beispiel sehr nützlich, um über Nachrichten und politische Veränderungen auf dem Laufenden zu bleiben. In diesem Sinne denke ich, dass es Menschen helfen kann, eine breitere Perspektive zu entwickeln. Andererseits kann es auch diejenigen überfordern, denen ein angemessener kultureller oder bildungsbezogener Hintergrund fehlt. Aus diesem Grund sollte etwas unternommen werden, um die Verbreitung von Fake News einzudämmen. Gleichzeitig ist es wichtig, die Freiheit der politischen Meinungsäußerung zu gewährleisten, damit Aktivisten sich zu wichtigen globalen Themen äußern können, insbesondere zu solchen, die von Zeitungen oder den Mainstream-Medien nicht behandelt werden. Man denke zum Beispiel an den Konflikt im Sudan, der kaum erwähnt wird. Wie ich bereits erwähnt habe, spielen Schulen und Familien eine entscheidende Rolle bei der Förderung des politischen Engagements. Doch nicht jeder hat das Glück, in einem Umfeld aufzuwachsen, in dem Dialog und Diskussionen über das gesellschaftliche Leben gefördert werden. Deshalb ist es so wichtig, in das Bildungssystem, die eigentliche Grundlage der Demokratie, zu investieren. Um die entscheidende Rolle besser zu verstehen, die Schulen bei der Entwicklung kritischen Denkens spielen, sollten wir über Cesare Moreno sprechen, einen Lehrer, der eine andere Art von Schule vor Augen hat, eine, die individuelles Wachstum durch die Schaffung eines gemeinsamen sozialen Raums für Lernen und Dialog fördert. Er gründete Maestri di Strada, eine Organisation, die das Konzept von Bildung neu gedacht hat und in den Stadtvierteln von Neapel tätig ist. Aus seiner Sicht dient die Schule einem politischen Zweck, politisch im Sinne von polis, also der Stadt. Laut Moreno sind Schulen heute oft isolierte Räume. Wie auch Christian Raimo in „L’alfabeto della scuola democratica“ hervorhob, durchlaufen sie einen Prozess der Entsozialisierung, bei dem individuelle Bedürfnisse Vorrang vor denen der Gemeinschaft haben. Infolgedessen steht die Agorà, einst ein Ort der Zusammenkunft, nun leer. Moreno glaubt fest an eine Bildungsreform, die die Gefühlswelt der Schüler und ihr soziales Leben als Mittel für sozialen Aufstieg berücksichtigt. Als er in einem Interview gefragt wurde, wie er Lehrer wurde, antwortete Moreno: „Ich habe als Lehrer angefangen, bin aber erst spät dazu gekommen, mit 38. Davor lebte ich auf der Straße, war ein Extremist, gehörte zu Lotta Continua, und dort habe ich die grundlegenden Dinge gelernt. Ich habe verstanden, wie die Gesellschaft funktioniert, wie die Bourgeoisie agiert, wie die Universität funktioniert. Ich habe verstanden, wie die Schule funktioniert, und als ich dort anfing, hatte ich bereits die Vorstellung, dass Klassenzimmer der

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Politische Meinungsbildung im digitalen Zeitalter

Rosalie | Studentin Eine persönliche Perspektive von Rosalie über ihren Weg zur politischen Meinungsbildung – geprägt von familiären Diskussionen, ersten Demonstrationen und der wachsenden Bedeutung digitaler Medien.   Wenn ich an meine ersten Berührungspunkte mit politischen Themen denke, denke ich an die Weihnachtsfeiern meiner Familie. Diese waren häufig von intensiven politischen Diskussionen geprägt, in denen unterschiedliche Generationen mit teils gegensätzlichen Ansätzen aufeinandertrafen. Meine Familie hat mir also ein Bild vermittelt, welches politische Teilhabe als relevant und wichtig einstuft. Dazu gehört auch, informiert zu bleiben, was ich als Kind immer durch die Kindernachrichten bei “logo!” getan habe. Ich war in der 9. Klasse das erste Mal allein mit meinen Freunden auf einer Demonstration gegen den Klimawandel. Für mich war es die erste richtige Entscheidung, mich politisch zu engagieren und für das einzustehen, was ich als wichtig empfand. Mittlerweile gehe ich wählen, unterschreibe Petitionen, gehe zu Demos gegen Rechts und besuche lokale Angebote in meiner Studierendenstadt Passau, wie zum Beispiel den Roten Bericht aus Berlin. Dort berichtet Luke Hoß, ein Student der Universität Passau, welcher seit der letzten Legislaturperiode Abgeordneter ist, was in der letzten Zeit im Bundestag von Relevanz war. Zur Meinungsbildung und um informiert zu bleiben, beziehe ich inzwischen meine Informationen fast ausschließlich online, das heißt vorrangig aus den sozialen Medien, durch Podcasts und aus dem Internet. Die Digitalität heutzutage hat einen gravierenden Vorteil. Sie schafft eine größere Reichweite und kann so die Partizipation an Demokratie erhöhen, im Gegensatz zu den traditionellen Medien wie Zeitung, Radio und Fernsehen. Digitale Inhalte schaffen zudem eine erhöhte Inklusivität und können Informationen barrierefreier gestalten. Allerdings birgt Social Media auch die Gefahr, Desinformationen wesentlich schneller zu verbreiten oder Informationen verkürzt darzustellen. Zugleich können soziale Medien aber auch politische Beteiligung und Initiativen fördern, da Inhalte schneller Aufmerksamkeit erhalten. Soziale Medien haben einen großen Einfluss auf mein Engagement und den Stand meiner Informiertheit, weshalb für mich Medienkompetenz wichtig ist. Besonders in Bezug auf die jüngeren Generationen dient Social Media als wichtige Informationsquelle. In der aktuellen Weltlage fällt es vielen jungen Menschen zunehmend schwer, sich regelmäßig mit Nachrichten zu beschäftigen. Studien wie #UseTheNews zeigen, dass etwa die Hälfte der Jugendlichen Nachrichten zumindest zeitweise meidet1, oft auch, weil sie als belastend oder überfordernd wahrgenommen werden. Die digitale Welt beeinflusst uns heutzutage in allen Lebensbereichen und besonders in Bezug auf Politik sind die sozialen Medien nicht mehr wegzudenken. Im letzten Bundestagswahlkampf konnte man dies gut sehen, bei der AfD oder bei der Linken. Beide Parteien haben einen Großteil ihres Wahlkampfes online betrieben und auf Plattformen wie TikTok und Instagram große Erfolge vor allem bei den jüngeren Generationen erzielen können. Aufgrund von Algorithmen kam es dazu, dass die Sichtbarkeit der Parteien auf TikTok unausgewogen war und insbesondere die AfD und die Linke in den Feeds von Nutzer*innen aufgetreten sind.2 Durch solche Algorithmen kann es schnell vorkommen, dass man sich in einer Echokammer oder Filterblase befindet. Die Verbreitung von Desinformationen wird besonders auf TikTok durch den Algorithmus begünstigt, der Nutzer*innen Inhalte basierend auf ihren Interessen empfiehlt.1 Das wiederholte Anzeigen von ähnlichen Inhalten kann zur Bildung von Echokammern beitragen. Genau aus diesem Grund ist das Stärken der Medienkompetenz von hoher Bedeutung, besonders bei jungen Menschen. Aber auch bei älteren Menschen, die nicht in einer digitalen Welt aufgewachsen sind, kann eine Förderung der Medienkompetenz von Vorteil sein. Ich sehe das zum Beispiel bei meinem Opa, der öfter Videos weiterleitet, ohne vorher über den Inhalt dieser nachzudenken, und so Fehlinformationen verbreitet. Gelegentlich merke ich selbst, dass ich Inhalte von unseriösen Seiten auf Instagram kurzzeitig als echt wahrnehme, bevor ich diese kritisch hinterfrage. Das Fördern der Medienkompetenz ist in der heutigen digitalen Welt wesentlich, um sich als Bürger*in informieren und engagieren zu können. Folglich können Menschen durch das Konsumieren von verschiedenen Medien und durch die Kompetenz, diese einordnen zu können, eine eigene fundierte Meinung entwickeln. Die eigene Urteilsfähigkeit zu stärken, benötigt Zeit und Bildung. Das Bildungssystem, als auch das direkte Umfeld durch Freund*innen und Familie stellen große Einflussfaktoren im Prozess der persönlichen Meinungsbildung dar. Politische Bildung zu fördern, egal in welchem dieser Kontexte, erachte ich als elementar, um demokratische Werte weiterzugeben. In Fächern wie GRW (Gesellschaftskunde, Recht und Wirtschaft) und Geschichte zum Beispiel wurden bei mir in der Schule politische Themen diskutiert und mir somit eine Diskussionskultur nähergebracht. Ich erinnere mich außerdem noch an meine erste Jugendwahl innerhalb des schulischen Kontextes. Das frühe Näherbringen politischer Prozesse spielt eine wichtige Rolle für das spätere politische Interesse und Engagement. Neben Bildungseinrichtungen spielen auch lokale Netzwerke eine große Rolle für gesellschaftliches Engagement. Sie existieren überall und ermöglichen es, sich mit Menschen zu vernetzen, die ähnliche Anliegen haben, sei es politisches, soziales oder anderes gesellschaftliches Engagement. Persönlich habe ich mich bisher vorwiegend in sozialen Projekten engagiert, beispielsweise durch einen Freiwilligendienst im Ausland oder aktuell in meiner Hochschulgruppe Gemeinsam Aktiv.  Ich würde mich selbst nicht unbedingt als politisch engagierte Person beschreiben, dennoch habe ich gelernt, dass die demokratische Kultur vom Mitmachen lebt und Passivität den Lautesten das Feld überlässt. Man sollte lernen, für seine Meinung einzustehen, auch wenn das manchmal eine Herausforderung darstellen kann. Politik ist Teil des Alltags und jede*r Einzelne trägt ein kleines bisschen Verantwortung, die demokratische Kultur mitzutragen – sei es durch Wählen gehen, Engagement oder Diskussionen am Essenstisch. Demokratie ist ein Prozess, welchen es aufrechtzuerhalten gilt, und damit dies gelingt, ist Engagement notwendig. Ich war in der 9. Klasse das erste Mal allein mit meinen Freunden auf einer Demonstration gegen den Klimawandel. Für mich war es die erste richtige Entscheidung, mich politisch zu engagieren und für das einzustehen, was ich als wichtig empfand. Mittlerweile gehe ich wählen, unterschreibe Petitionen, gehe zu Demos gegen Rechts und besuche lokale Angebote in meiner Studierendenstadt Passau, wie zum Beispiel den Roten Bericht aus Berlin. Dort berichtet Luke Hoß, ein Student der Universität Passau, welcher seit der letzten Legislaturperiode Abgeordneter ist, was in der letzten Zeit im Bundestag von Relevanz war. Zur Meinungsbildung und um informiert zu bleiben, beziehe ich inzwischen meine Informationen fast ausschließlich online, das heißt vorrangig aus den sozialen Medien, durch Podcasts und aus dem Internet. Die Digitalität

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Demokratie braucht Stimme: Zwischen Schweigen und Mitreden im Austausch zweier Welten

Lea | Studentin Eine persönliche Perspektive von Lea Hennig über politische Kultur und die Bedeutung von Beteiligung.   Wir schreiben das Jahr 2017. Ich bin 16 Jahre alt und habe ein Stipendium für ein Auslandsjahr in den USA erhalten. Die Aufgabe: Jugendbotschafter für Deutschland in einer amerikanischen Highschool. So sollte der demokratische (Werte-)Austausch unter jungen Menschen der beiden Nationen angeregt und langfristig gestärkt werden. Dieses Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP) existiert seit 1983 und steht unter der Schirmherrschaft des Deutschen Bundestags und des US-Kongresses. Sinn und Zweck ist es, aus jedem Wahlkreis eine*n Schüler*in auszuwählen und in die USA zu schicken – als Brücke zwischen zwei politischen Kulturen. In einem Vorbereitungsseminar wurden wir geschult – für kulturelle Herausforderungen, politische Besonderheiten und historische Hintergründe. Ich reiste los mit der Vorstellung, in einem Land anzukommen, das für lautstarke Meinungen, gelebte Diskussionen und freien Ausdruck bekannt ist. Doch das Bild, das mich erwartete, war ein anderes. Die Highschool, die mich in Ohio, Gallia County  erwartete, war klein und in einem verschlafenen, beinahe-Dorf praktisch mitten in der Pampa. . Äußerlich unterschied sich natürlich einiges von meiner Heimat in Sachsen, auch wenn ich von einem “Kaff” ins nächste gerutscht war. Doch die Gegend, in die ich gekommen war, war viel weitläufiger. Zu Fuß ging niemand, alles war angewiesen auf Autos und Neuigkeiten aus der Gegend erfuhr man durch Gossip beim wöchentlichen Kirchenbesuch oder in der Schule. Die Schule war natürlich ebenfalls ganz anders. Natürlich erwartete mich auch in diesem kleinen Dorf ein ausgeprägter School Spirit , denn die Aktivitäten dort drehten sich fast vollständig nur um Sport.Doch in einem Punkt waren sich die beiden Orte erschreckend ähnlich: Niemand redete wirklich über Politik. Was für mich das Herz einer lebendigen Demokratie ist – Austausch & Widerspruch, Mitreden und Diskussion – schien hier kaum stattzufinden. Trump hatte gerade seine erste Kandidatur angetreten, die USA steckten mitten in einer aufgeheizten politischen Phase. Doch sobald ich das Thema Politik ansprach oder nachfragte, wurde es still. Höfliches Themawechseln. Nervöses Lächeln. Ein Wegsehen, das mich irritierte. In meinem County gewann Donald Trump mit über 75 Prozent der Stimmen – und doch hatte ich das Gefühl, nur wenige hätten sich vorab wirklich mit politischen Alternativen beschäftigt und waren eher der lauten Masse gefolgt.1 Dieses Schweigen erlebte ich auch besonders stark im schulischen Alltag. In meiner deutschen Schule war politische Partizipation selbstverständlich. Ich saß als Klassensprecherin in einem Schülerrat, wo es regelmäßige Diskussionen gab über gesellschaftliche Themen. Ich hatte viele gute Lehrer*innen, die zum kritischen Denken ermutigen. Wir mussten unseren Standpunkt im Unterricht begründen und wir debattierten regelmäßig. Es gab sogar das Schulfach “Debatte”, in dem wir genau das lernten. Und es machte mir persönlich unfassbar viel Spaß. In meiner Schule in Ohio existierte all das nicht. Es gab kein Schülerparlament, keine transparente Mitbestimmung, kaum politische Bildung. Das Fach “Government” war rein theoretisch und die Lehrerin, die es unterrichtete, erlaubte kaum eine andere Meinung als ihre.Ich merkte schnell, wie viele Feinde man sich machen konnte, wenn man zu laut die falschen Fragen stellte. Gossip Girl war nichts gegen meine Schule dort.  Unterricht bedeutete: Stoff durchgehen, Tests bestehen, fertig. Man konnte fast keine Leistungsabstufungen erkennen, weil man Tests beliebig oft wiederholen konnte. Diskussionen über gesellschaftliche Fragen fanden nicht statt. Seine Meinung kundtun und die gesellschaftlichen Zusammensetzungen vor Ort infrage zu stellen galt sogar als „unhöflich“. Alle, mit denen ich zu tun hatte, schienen daran gewöhnt, dass Entscheidungen „von oben“ getroffen worden, sei es von den Lehrern, der Kirche oder einem Präsidenten der Fake News verbreitete sobald er den Mund aufmachte.  Auch im Alltag zeigte sich dieses Muster. Die Leute vertrauten eher ihren Nachbarn, Fox News oder dem lokalen Prediger, als selbst aktiv nach Informationen zu suchen. Beteiligung schien für viele überflüssig, vielleicht sogar verdächtig. Wer zu viel fragte, galt als „troublemaker“. Und ich, mit meiner europäischen Herkunft, meiner Neugier und meinem anderen politischen Hintergrund,hatte ja sowieso keine Ahnung vom “American Way of Life”. So fand ich mich oft eher zwischen anderen Austauschschüler*innen wieder, die das Gleiche empfanden: Fremdheit, Verwunderung, Ernüchterung und Unverstanden sein.  Meine Zeit dort machte mir deutlich, wie fragil Demokratie sein kann, wenn Menschen nicht lernen oder auch verlernen, ihre Stimme einzusetzen. Ich begann zu reflektieren: Warum sprachen so wenige über Politik? Lag es an Angst vor Konflikten? An mangelnder politischer Bildung? An der Übermacht bestimmter Medien? Oder an fehlenden Strukturen und Orten, die ein gemeinsames Gespräch überhaupt ermöglichen? Ich hatte erwartet, eine lautere, aktivere Demokratie zu erleben – und fand stattdessen ein Schweigen, das mich erstaunte und erschreckte. Und genau dieses Schweigen zeigte mir, wie wichtig Räume sind, in denen Menschen sich sicher fühlen, ihre Meinung auszudrücken. Natürlich kann ich in dieser Hinsicht nur von meiner Erfahrung an meinem Ort sprechen. Es gab durchaus Schüler*innen aus meinem Austauschjahrgang denen es anders erging, die ein ganz anders Amerika in Alabama erlebten als ich in Ohio (was bei der Größe und Diversität dieses Landes nicht verwunderlich ist). Doch ich finde es trotzdem in einer Art und Weise repräsentativ, wie ein kleines Dorf mitten im Corn Belt agiert, die Menschen einer Nation geben schließlich ein gemeinsames Bild nach außen ab.   Als ich nach Deutschland zurückkehrte, fiel mir auf: Auch in meinem Dorf reden viele junge Menschen wenig über Politik. Viele haben Angst, sich zu blamieren. Oder nicht ernst genommen zu werden. Oder jemanden zu verärgern. Demokratie aber lebt nicht von Harmonie – sie lebt vom Streit, vom Widerspruch und vom Mut, die eigene Perspektive einzubringen. Doch worüber sollten wir reden? Redet überhaupt noch jemand – oder spielt sich mittlerweile das meiste nur noch online ab? Heute finden viele politische Diskussionen online statt. Das Internet schafft Sichtbarkeit für junge Stimmen – aber gleichzeitig auch neue Barrieren. Kommentarspalten sind oft voller Polemik oder Aggression. Die Angst, sich dort zu äußern, ist verständlich. Und viele ziehen sich deshalb noch weiter zurück. Gleichzeitig verstärken soziale Medien Filterblasen und Polarisierung. Inhalte werden uns nicht angezeigt, weil sie wichtig sind, sondern weil sie Aufmerksamkeit erzeugen. Das führt dazu, dass politische Debatten emotionaler, aber nicht unbedingt informativer werden. Man spricht zwar, aber

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Digitale Demokratie und Online-Partizipation

Brit | Studentin Eine persönliche Perspektive von Brit über digitale Demokratie und Online-Partizipation und darüber, wie soziale Medien Chancen für politische Teilhabe eröffnen, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringen.   Seitdem ich 14 Jahre alt bin, nutze ich verschiedene soziale Medien. Plattformen wie Instagram und Co. nutze ich primär, um privat als auch politisch auf dem Laufenden zu bleiben. Digitale Plattformen bieten vielfältige Möglichkeiten, sich schnell und unkompliziert zu informieren sowie mit Menschen in Kontakt zu treten, die räumlich weit entfernt sind. Sie erleichtern es, Gleichgesinnte zu finden, Netzwerke zu knüpfen und gemeinsame Aktionen zu koordinieren. So folge ich beispielsweise verschiedenen Instagram-Accounts meiner Universität, um keine Deadlines zu verpassen und stets über anstehende Events oder hochschulpolitische Beschlüsse auf dem Laufenden zu bleiben. Auch im Bereich der demokratischen Teilhabe eröffnen sich durch digitale Angebote neue Formen der Mitbestimmung. Ab und zu habe ich dies bereits ausgenutzt, indem ich an Online-Umfragen teilgenommen und E-Petitionen unterschrieben habe. Doch bei aller Begeisterung für die neuen Chancen zeigen sich auch problematische Seiten der digitalen Entwicklung. So habe ich selbst erfahren, wie leicht es ist, in sogenannte „Echokammern“ (Stark, Magin & Jürgens, 2021, S. 304) und Filterblasen (vgl. Pariser, 2017) zu geraten. Inhalte, die meine Ansichten bestätigen, werden mir häufiger angezeigt, während kritische Perspektiven seltener auftauchen. Diskussionen verlaufen oft polarisiert, nicht selten lautstark und wenig konstruktiv. Gleichzeitig verbreiten sich Falschinformationen rasant. Das wurde besonders während der Corona-Pandemie deutlich. In sozialen Netzwerken kursierten unzählige Falschinformationen, die sich deutlich schneller als fundierte, wissenschaftlich geprüfte Inhalte verbreiteten. Ich habe in meinem Umfeld miterlebt, wie ich selbst, sowie Freundinnen und Freunde von mir zunehmend nur noch Beiträge angezeigt bekamen, die ihre Meinung bestätigten, während kritische oder abweichende Perspektiven kaum noch durchdrangen. Viele bewegten sich in digitalen Echokammern, in denen die immer gleichen Narrative wiederholt wurden. Ein echter Austausch war dadurch kaum noch möglich und es kam deshalb vereinzelt zu Spannungen. Diese Erfahrung hat mir eindrücklich vor Augen geführt, wie stark digitale Filtermechanismen unsere Wahrnehmung beeinflussen können und wie wichtig es ist, aktiv nach verschiedenen Perspektiven zu suchen. Ich selbst nutze daher stets verschiedene seriöse Informationskanäle, wie ‚Tagesschau‘1 oder ‚BBC News‘2, um mich über aktuelle politische Geschehnisse zu informieren. Hinzu kommt, dass nicht alle Menschen gleich gut an der digitalen Welt teilhaben können. Fehlender Zugang zu Geräten, Internet oder digitalen Kompetenzen benachteiligt vor allem ältere Menschen, finanziell Schwächere oder Personen mit geringerer Bildung. Wenn politische Beteiligung zunehmend ins Digitale verlagert wird, droht ein Ausschluss dieser Gruppen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2022). Zudem stellt sich die Frage nach dem Umgang mit persönlichen Daten. Wenn Daten über Nutzer*innen gesammelt werden, sei es durch Plattformbetreiber oder staatliche Akteure, können Grundrechte gefährdet werden. Wer garantiert, dass persönliche Meinungen, Aktivitätsdaten oder Teilnahmedaten nicht missbraucht werden? Transparenz und Vertrauen sind hier essenziell. In der Theorie verspricht digitale Beteiligung demokratische Ideale wie Partizipation und inklusive Mitsprache näherzubringen. Aber in der Praxis sehe ich, dass die Qualität von Diskussionen oft durch Zeitdruck, begrenzte Aufmerksamkeit oder auch Oberflächlichkeit leidet. Deshalb halte ich es für sinnvoll, Moderationsrollen und Diskussionsregeln einzuführen, sowie den Zugang zu Fachinformationen zu garantieren, um strukturierte Diskussionen zu ermöglichen. Um die digitale Beteiligung nachhaltig zu stärken, braucht es konkrete Maßnahmen und ein stärkeres Bewusstsein für die Bedingungen gelingender Teilhabe. Ein zentraler Baustein ist die Förderung digitaler Bildung und Medienkompetenz. Menschen müssen verstehen können, wie Plattformen funktionieren, wie Informationen geprüft werden können und wie sie sich sicher und wirksam einbringen. Dafür braucht es Bildungsangebote in Schulen, Volkshochschulen, in der Jugendarbeit und durch zivilgesellschaftliche Initiativen. Im Rahmen des Projektes „MEDIEN DEMOKRATIE HUB“ bietet zum Beispiel auch der Jugend- und Kulturprojekt e.V. (JKPeV)3 Workshops zum verantwortungsvollen Medienumgang. Ebenso wichtig ist eine transparente und inklusive Gestaltung digitaler Plattformen. Beteiligungsangebote sollten niedrigschwellig, barrierefrei und offen für unterschiedliche Lebensrealitäten sein. Damit Beteiligung Vertrauen schafft, müssen Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet sein. Nur wenn Bürger*innen sicher sein können, dass ihre Daten nicht missbraucht werden, sind sie bereit, sich online aktiv einzubringen. Gleichzeitig ist es entscheidend, dass Online-Partizipation nicht nur symbolisch bleibt. Menschen nehmen nur dann dauerhaft teil, wenn sie spüren, dass ihre Beiträge ernst genommen werden und tatsächlich Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Eine Rückmeldung darüber, was mit eingebrachten Vorschlägen passiert, ist dabei ebenso wichtig wie sichtbare Wirkung. Digitale Beteiligung sollte deshalb nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu analogen Formen verstanden werden. Präsenzveranstaltungen, Dialogformate und Bürgerversammlungen bleiben zentral, um Vertrauen zu stärken und unterschiedliche Gruppen zusammenzubringen. Diese Erkenntnisse möchte ich als Impuls weitergeben. Denn Engagement muss nicht immer groß oder laut sein. Es beginnt oft im Kleinen: mit einem Kommentar in einem Diskussionsforum, der Teilnahme an einer Online-Umfrage oder dem Teilen einer gut recherchierten Petition. Es lohnt sich, dabei kritisch zu bleiben, Informationen zu hinterfragen und gerade auch mit Menschen anderer Meinungen respektvoll zu diskutieren. Wer sich mit Gleichgesinnten vernetzt, kann Wirkung verstärken, etwa durch gemeinsame Aktionen, digitale Kampagnen oder lokale Projekte. Letztlich liegt in der digitalen Demokratie eine große Chance, denn mehr Menschen können sich einbringen, ihre Stimmen hörbar machen und aktiv zur Gestaltung ihrer Lebenswelt beitragen. Doch dafür braucht es nicht nur Technik, sondern auch Haltung, Strukturen und Vertrauen. Demokratie lebt sowohl online als auch offline vom Mitmachen. Wer teilnimmt, stärkt sie. _________________________ 1: Tagesschau [Instagram-Account], o. J., online unter: https://www.instagram.com/tagesschau/?hl=en [abgerufen am 20.10.2025] 2: BBC News [Instagram‑Account], o. J., online unter: https://www.instagram.com/bbcnews/?hl=en [abgerufen am 20.10.2025] 3: Jugend- & Kulturprojekt e. V. (JKPeV): Medien & Demokratie Hub, o. J., online unter: https://jkpev.de/de/portfolio_page/medien-demokratie-hub/ [abgerufen am 20.10.2025] weitere Stories Stories Die eigene Stimme finden: Wie Bildung die demokratische Teilhabe prägt Rosalie | Studentin Lea | Studentin Digitale Demokratie und Online-Partizipation Eine persönliche Perspektive von Stephanie Meichsner-Eschborn

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Eine persönliche Perspektive von Stephanie Meichsner-Eschborn

Stephanie Meichsner-Eschborn | SINN-Sachsen Stephanie Meichsner-Eschborn – Projektleitung von SINN – Zukunftsplattform für soziale Innovationen Sachsen – über die Herausforderungen und Hoffnungen des Engagements im ländlichen Sachsen.   Einmischen im Gegenwind – Lokales Engagement als Antwort auf gesellschaftliche Brüche Es gibt Tage, an denen ich denke: Man kann kaum noch das Steuer halten und die eigene Kraft wird nie genug sein. Zu viele Konflikte, zu viel Polarisierung, zu viele Stimmen, die sich gegenseitig übertönen, anstatt zuzuhören. Aber dann begegne ich wieder einem dieser Menschen – einem Menschen, der mit Energie, Wärme und Kreativität einen Ort des Zusammenhalts schafft. Vielleicht ist es ein Dorftreff, ein Veranstaltungsraum im ehemaligen Bahnhofsgebäude, ein Jugendprojekt in einer sächsischen Kleinstadt. Dann weiß ich wieder, warum ich mich engagiere. Und warum Aufgeben keine Option ist. Die Realität vor Ort – zwischen Polarisierung und Hoffnung Ich lebe seit einiger Zeit im ländlichen Raum Sachsens. Hier wird vieles sichtbarer, was auf gesellschaftlicher Ebene oft abstrakt bleibt: Politikverdrossenheit, Rückzug ins Persönliche,  Frust und die Angst, abgehängt zu werden. Zugleich sehe ich, wie stark gerade hier das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist – aber auch, wie schwer es geworden ist, Menschen zu erreichen. Die Wege zu analogen Begegnungsorten sind oft weit, die ländliche Infrastruktur lückenhaft und es braucht Motivation, das eigene Heim zu verlassen. Und im digitalen Raum? Dort dominieren oft Lautstärke, Vereinfachung und Empörung. Wer sucht, findet im Netz fast immer eine Bestätigung der eigenen Sicht – nicht unbedingt einen Dialog. Demokratiefeindliche Kräfte wissen das längst: Sie nutzen Social Media gezielt, plakativ und leider sehr erfolgreich. Sie sprechen die Sprache der Vereinfachung in einer komplexen Welt – und das wirkt. Das Problem: Die einfachen Lösungen sind ungeeignet, nicht umsetzbar und oft menschen- und demokratiefeindlich. Für differenzierte Stimmen, für Dialog, für Grautöne ist kaum Platz. Es ist schwer, in diesem Umfeld Menschen zu erreichen, Desinformation zu begegnen und für den zwingenden Erhalt demokratischer Werte zu sensibilisieren.  Und doch erlebe ich nahezu täglich auch andere Bilder. Ich habe das große Glück, in meiner Arbeit als Projektleiterin für SINN Sachsen, unzählige Menschen kennenzulernen, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen. Menschen, die mutig analoge und digitale Räume schaffen, wo andere sich zurückziehen. Die zuhören, vernetzen und Verantwortung übernehmen. Die an der Demokratie festhalten – auch wenn sie es gerade schwer hat. Lokale Initiativen als demokratische Lernorte Neben wichtigen digitalen Initiativen sind es besonders die lokalen analogen Initiativen, die Hoffnung machen. Hier entstehen echte Begegnungen, jenseits von Algorithmen und Filterblasen. Ich denke an den Kulturbahnhof Leisnig, wo aus einem leerstehenden Gebäude ein lebendiger Ort für Austausch, Kultur und Teilhabe wurde. Oder an das Haus der Sozialen Vielfalt in Leipzig, das als Vermittler zwischen Migrant:innen und der Mehrheitsbevölkerung Bildungsangebote entwickelt, Begegnungsräume schafft und Demokratieförderung vorantreibt. Oder das Treibhaus in Döbeln, das seit Jahren mit Veranstaltungen, Bildungsarbeit und Jugendprojekten zeigt, wie demokratisches Engagement aussehen und gelingen kann. Diese Orte sind mehr als Projekte. Sie sind Gegenentwürfe zur Entfremdung und zeigen, wie Beteiligung funktioniert: gemeinsam etwas gestalten, zuhören, Konflikte aushalten, Verantwortung übernehmen. Sie sind „Lernorte der Demokratie“, weil sie erfahrbar machen, was unsere Gesellschaft langfristig trägt: Zusammenhalt, Teilhabe und Mitgestaltung. Dort kann man Menschen treffen, die uns möglicherweise aus unserer gedanklichen Komfortzone locken. Dort kann man Toleranz kennen- und Diversität schätzen lernen. Andere Sichtweisen und Meinungen aushalten. Andere Kulturen treffen. Gemeinsam schaffen und erleben. Aber sie sind auch verletzlich. Sie hängen oft an einem kleinen Kreis aus Engagierten, an unsicheren Förderstrukturen, an politischem Rückhalt, der nicht immer gegeben ist. Es braucht Mut, solche Räume zu halten. Und es braucht Unterstützung. Das können verschiedenste Dinge sein: Räume, finanzielle Mittel, handwerkliche Leistungen, kreative Ideen für Angebote, Kuchen für einen Kuchenbasar, der Spenden generiert. Unsere Demokratie braucht Engagement. Denn unsere Demokratie ist nichts, das wir einfach „haben“ und das ganz selbstverständlich für immer bleibt – sie ist etwas, das man immer wieder herstellen muss, kein Zustand, sondern ein andauernder Prozess. Sie lebt davon, dass wir miteinander im Gespräch bleiben – auch wenn es unbequem ist. Dass wir Differenzen aushalten, ohne einander abzuwerten. Und dass wir uns einmischen, auch wenn es leichter wäre, sich zurückzuziehen.  In vielen Gesprächen, Workshops und Projekten erlebe ich, wie schwer das geworden ist – und wie wertvoll. Ich habe gelernt, dass Zuhören ein politischer Akt ist und dass Konflikte nicht das Ende von Dialog sind, sondern oft dessen Anfang. Unsere Gesellschaft ist im Wandel. Das ist anstrengend und ungemütlich, aber eben auch notwendig. Wir können sie gemeinsam demokratisch, tolerant und weltoffen gestalten. Es sind nicht nur „die großen Debatten“, die unsere Demokratie tragen. Es sind die vielen kleinen, konkreten Begegnungen und die Menschen, die sie möglich machen. Sie sind mein Grund, engagiert zu bleiben. Ich sehe, wie Ideen entstehen und wie Menschen sich einbringen – oft leise, aber mit großer Wirkung. Es muss nicht perfekt sein, kein riesiges Vorhaben, keine große Kampagne. Viel wichtiger sind der Mut und die Bereitschaft, sich einzubringen. Wir brauchen mehr Menschen, die sich mit Herz und guter Laune engagieren. Wer sich umsieht, findet sie: die vielen Initiativen, Gruppen und Orte, die gute Beispiele sind, an denen man sich orientieren oder bei denen man sich beteiligen kann.   Stephanie Meichsner-Eschborn | Projektleitung SINN – Zukunftsplattform für soziale Innovationen Sachsen weitere Stories Stories Die eigene Stimme finden: Wie Bildung die demokratische Teilhabe prägt Rosalie | Studentin Lea | Studentin Brit | Studentin Eine persönliche Perspektive von Stephanie Meichsner-Eschborn

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