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Interview

Jennifer Bernecker | metro polis e.V.

Zivilgesellschaftliche Gesprächsarbeit in der Straßenbahn: Wie direkte Begegnungen Demokratie stärken Zivilgesellschaftliche Gesprächsarbeit in der Straßenbahn: Wie direkte Begegnungen Demokratie stärken Ein Interview mit Jennifer Bernecker – Gesprächsbegleitung und Projektmitarbeiterin bei metro polis e.V. – über die Bedeutung direkter Kommunikation im öffentlichen Raum, die Chancen und Herausforderungen zivilgesellschaftlichen Engagements und die Sichtbarkeit von Bürger*innenperspektiven. Ein Interview mit Jennifer Bernecker – Gesprächsbegleitung und Projektmitarbeiterin bei metro polis e.V. – über die Bedeutung direkter Kommunikation im öffentlichen Raum, die Chancen und Herausforderungen zivilgesellschaftlichen Engagements und die Sichtbarkeit von Bürger*innenperspektiven. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Jennifer Bernecker, geb. 1993, ich wohne seit 2016 in Dresden und habe nach meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin noch das Abendgymnasium besucht und bis vor kurzem Soziologie im Bachelor an der TU Dresden studiert. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich arbeite beim metro polis e.V. und dort vor allem in der Rolle der Gesprächsbegleitung zwischen Fahrgästen in Dresdner Straßenbahnen. Seit Oktober 2025 werde ich auch in projektkoordinatorische Tätigkeiten sowie in die Öffentlichkeitsarbeit für den Verein eingearbeitet. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Ich habe metro_polis vor ein paar Jahren schon einmal selbst als interessierte Bahnfahrerin gesehen und fand den Ansatz damals schon sehr originell und erfrischend. Als ich von meinem Auslandssemester wiederkam und einen neuen Job gesucht habe, habe ich gesehen, dass Moderator*innen gesucht werden. Ich fand den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation und die Idee, anders über wichtige Themen zu sprechen, spannend. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Zum Einen lade ich Fahrgäste aktiv zu unserem Gesprächsprojekt in der Straßenbahn ein. Dafür fahren wir von Endstation zu Endstation und gehen proaktiv auf die Menschen zu. Daneben moderiere ich diese Gespräche zwischen den Fahrgäst*innen. Außerdem tragen wir Erfahrungswerte und Vorschläge in die metro_polis-App ein, die sich auf unseren Tablets befindet und die wir im Gespräch nutzen. Darüber hinaus werde ich gerade in die (digitale) Öffentlichkeitsarbeit eingearbeitet und werde die Social-Media-Kanäle sowie die Homepage betreuen. Zur Arbeit gehören auch regelmäßige Supervisionen, Teamtage und Besuche zu Tagungen, Kongressen und ähnlichen Veranstaltungen. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Wir sind in Dresden, Leipzig und seit letztem Jahr auch in Chemnitz in den Straßenbahnen unterwegs und sprechen ganz direkt mit den Bürger*innen aus Sachsen über ihre Erfahrungen. Die Idee zu metro_polis entstand dadurch, dass es verstärkt zu verbalen Auseinandersetzungen in der Bahn, aber auch insgesamt in der Gesellschaft gekommen ist und die Art, wie miteinander gesprochen wird, nicht mehr zielführend war. Sachsen erscheint vielleicht besonders als Austragungsort von Problemen, Ängsten und Sorgen, wobei wir der Meinung sind, dass metro_polis in jeder Stadt möglich ist. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Auch wenn schon knapp 14.000 Menschen seit 2019 am Projekt teilgenommen haben, gibt es auch viele Menschen, die das Angebot ablehnen. Das akzeptieren wir, denn das Angebot beruht auf Freiwilligkeit. Es ist mitunter schwierig den Menschen zu vermitteln, dass wir wirklich an ihren Erfahrungen interessiert sind. Viele Menschen sind erst einmal skeptisch und fragen uns, welche Wirkung denn aus dem Projekt hervorgeht. Andere trauen sich nicht, mit fremden Menschen zu sprechen oder glauben, sie hätten nichts beizutragen. Und neben der „Akquise“ von Teilnehmenden ergeben sich mitunter Schwierigkeiten in den Gesprächen, wenn verschiedene Lebensrealitäten und Kommunikationsstile aufeinanderprallen und diese moderiert werden möchten. Dass es dann konstruktiv und versöhnlich im Gespräch weitergeht, ist hohe (Moderations-)Kunst – aber genau dafür sind wir ja da! Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Wir haben seit c.a. 1 ½ Jahren Tablets, die wir mit in die Gespräche nehmen. Dort tragen wir (anonyme) Metadaten der Fahrgäste ein, ihre Dauer am Gespräch und ihre Ideen zum aktuellen Thema. Diese formulieren wir so, dass sie als Items in der metro_polis-App zur Verfügung stehen und in jedem weiteren Gespräch von den moderierenden Personen eingebracht werden können. So entstehen pro Thema viele Erfahrungen und Vorschläge, die wir als „kollektiven Meinungsbildungsprozess“ beschreiben. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Uns ist in den Gesprächen oft aufgefallen, dass sich der Erfahrungswert vieler Teilnehmenden auf Medien jeglicher Art bezieht, also das, was sie gelesen, gesehen oder gehört haben. Das hat einen großen Einfluss auf ihre Meinungsbildung. Wenn wir nachfragen, ob sie schon selbst diese Erfahrung gemacht haben oder ähnliches selbst erlebt haben, dann verneinen sie oft. Für uns spielt das eine große Rolle, weil wir auf der Erfahrungsebene ansetzen und verstehen wollen, wie Menschen zu ihren Einstellungen gelangen. Daher ist Medienkompetenz unerlässlich, um einordnen zu können, woher gewisse Gefühle oder Bedürfnisse gespeist werden – ob sie medial produziert sind oder durch eigenes Erleben. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Die Herausforderung ist vielleicht schon klar geworden. Durch die Vielzahl an Kanälen, Informationen und den Wahrheitsanspruch, die alle vertreten, wird es immer schwieriger herauszufinden, wer denn im „Recht“ ist. Die gesellschaftliche Debatte fokussiert sich aber sehr stark darauf und ist unserer Meinung nicht zielführend. In Zeiten von „alternativer Wahrheiten“ und „Fake News“ wird es ziemlich sicher in der Zukunft noch schwieriger, alle „Wahrheiten“ miteinander zu vereinen. Die Chance von digitalen Medien steckt aber vor allem in der Möglichkeit, viele Menschen durch digitale Medien zu erreichen und Tools zu entwickeln, die Engagement beispielsweise sichtbarer machen. Viele Menschen in den Gesprächen wissen oft nicht von verschiedenen Angeboten und digitale Medien können hier hilfreich sein. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Mithilfe von metro_polis haben eine Vielzahl von Menschen miteinander gesprochen, die sonst nicht aufeinandergetroffen wären. Sie haben, je nachdem wie lange ihre Fahrtdauer war, verschiedene Perspektiven kennenlernen können. Wenn wir Menschen in der Bahn wiedertreffen, berichten sie uns, dass sie noch lange über das Gespräch nachgedacht haben oder durch das Gespräch neue Impulse erfahren haben. Außerdem stellt metro_polis eine Schnittstelle zwischen Verwaltung und Zivilbevölkerung dar. Unsere Ergebnisse sind frei verfügbar für Verwaltung und Politik und dies wird nun auch häufiger konkret genutzt. Beispielsweise sind wir 2024 zum Thema „Kommunale Wärmewende“ in Dresden gefahren und konnten so den ansässigen Planer*Innen wertvolle

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Tobias Wallusch | Politischer Jugendring Dresden e.V.

Politik, Medien und digitale Bildung: Junge Menschen für Demokratie stärken Politik, Medien und digitale Bildung: Junge Menschen für Demokratie stärken Ein Interview mit Tobias Wallusch – politischer Bildungsreferent beim Politischen Jugendring Dresden e.V. – über politische Bildungsangebote in Sachsen und demokratische Werte junger Menschen, warum Engagement besonders in Sachsen wichtig ist und welche Methoden helfen, Jugendliche zu motivieren, kritisch, informiert und aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen.  Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Tobias Wallusch, ich wohne und arbeite in Dresden. Hier habe ich auch Politikwissenschaft studiert. Über Praktika und ehrenamtliche Arbeit bin ich in meinem jetzigen Arbeitsfeld der politischen Bildung gelandet. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin politischer Bildungsreferent beim Politischen Jugendring Dresden e.V. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Mir war es immer ein großes Anliegen, politische Themen zu diskutieren und dabei auch kontroversen Positionen Gehör zu verschaffen. Gerade junge Menschen treibt das Interesse an unkonventionellen Aktivitäten und Standpunkten um, für welche eine pädagogische Begleitung hilfreich sein kann. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Bei meiner alltäglichen Arbeit muss man Allrounder sein: Sei es die Recherche oder das methodische Design für Bildungsprojekte, welche selbst durchgeführt werden, grafische Gestaltung für die Öffentlichkeitsarbeit, Antrag, Finanzen und Anträge für Drittmittel oder die Betreuung unserer Ehrenamtlichen und Freiwilligen, es bieten sich viele verschiedene Felder. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Gerade in Sachsen ist das Misstrauen und die Unzufriedenheit mit der etablierten Politik sehr groß, demokratieferne Angebote erfreuen sich dagegen großem Zuspruch. Das ist etwas, was sich auch von der Eltern- auf die Kindergeneration überträgt und strukturelle, mit den Ereignissen in Folge der Wiedervereinigung zusammenhängende Gründe haben mag. Bildungsarbeit ist hier wichtig, um Offenheit für den Dialog und Unterstützung für demokratische Werte zu schaffen. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Es ist nicht leicht, unsere Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit für politische Bildungsangebote zu begeistern, hier sind wir meist auf Kooperationspartner wie Schulen oder Jugendhäuser angewiesen. Außerdem ist es oft eine Herausforderung, komplexe gesellschaftliche Themen so zu vermitteln, dass sie für junge Leute spannend bleiben, an ihre Lebenswelt anknüpfen und zum Mitmachen einladen. Gleichzeitig fehlen im Arbeitsalltag in unserem kleinen zweiköpfigen Team oft die Zeit und personelle Kapazität, um neue Ansätze zu erproben, Projekte langfristig zu sichern oder innovative Formate weiterzuentwickeln Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Schon vor der Corona-Pandemie haben wir begonnen, Inhalte und Methoden digital aufzubereiten – etwa durch den Einsatz von Videos oder Apps wie Kahoot und Actionbound. Digitale Formate eröffnen neue Wege der Wissensvermittlung und können das Interesse der Teilnehmenden deutlich steigern. Wichtig ist uns dabei, dass der Einsatz digitaler Medien kein Selbstzweck wird, sondern pädagogisch sinnvoll bleibt. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt außerdem auf der Förderung von kritischer Medienkompetenz: In einem eigenen Workshop thematisieren wir die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und regen zur Reflexion über Chancen und Risiken an. Auch in unseren anderen Bildungsformaten spielt das Internet immer wieder eine Rolle – schließlich beeinflusst es heute nahezu alle Lebensbereiche. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Ich denke, dass Medienkompetenz heute eine zentrale Voraussetzung für zivilgesellschaftliches Engagement ist. In der Vielzahl von Stimmen und Informationen im digitalen Raum gilt es, verlässliche und demokratische Positionen von Fehlinformation und Hassrede zu unterscheiden. Medienkompetenz bedeutet, Inhalte kritisch zu prüfen, verantwortungsvoll zu kommunizieren und zu einer sachlichen, respektvollen Diskussionskultur im Netz beizutragen. Die Förderung solcher digitalen Demokratiefähigkeiten ist eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Digitale Medien bieten wunderbare Möglichkeiten für eine breitere und tieferen Partizipation der Bürger*innen in modernen Demokratien. Leider lassen sich aber auch die negativen Aspekte wie Desinformation, manipulative Inhalte wie Deepfakes oder Hassrede nicht ausblenden. Deshalb ist es entscheidend, dass jede und jeder den kompetenten Umgang mit digitalen Medien erlernt, um deren Potenziale für gesellschaftliches Engagement verantwortungsvoll und wirkungsvoll nutzen zu können. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Ich denke, dass wir vor allem individuelle Lebenswege mitgestalten. Durch unsere Arbeit motivieren wir junge Menschen, sich demokratisch zu engagieren und ihre Stimme in gesellschaftliche Prozesse einzubringen. Gleichzeitig unterstützen wir sie dabei, ihre eigenen Interessen und Stärken zu entdecken – etwa bei der Studien- oder Berufswahl – und eröffnen ihnen durch internationale Begegnungen und Auslandsaufenthalte neue Perspektiven auf Europa und die Welt. Besonders schön ist es zu sehen, wenn aus diesen Erfahrungen nachhaltiges Engagement oder sogar langfristige Freundschaften entstehen. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Unser Ziel ist es, das Interesse junger Menschen an Politik zu wecken und demokratische Haltungen sowie Handlungskompetenzen zu stärken. Langfristig möchten wir dazu beitragen, dass mehr Menschen informiert, kritisch und engagiert am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und sich aktiv für eine demokratische und gerechte Gesellschaft einsetzen. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Mit einem größeren Team ließen sich Aufgaben und Herausforderungen besser aufteilen und dadurch inhaltlich vertiefen – das ist mit unseren derzeit begrenzten personellen Ressourcen nur eingeschränkt möglich. Auch zusätzliche ehrenamtliche Unterstützung und starke Kooperationspartner wären wichtig, um unsere Arbeit langfristig auszuweiten und neue Projekte umsetzen zu können. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Schaut euch um, vergleicht und sprecht mit Menschen, die sich bereits engagieren. Online-Aktivismus kann wichtig sein, aber echte Beteiligung entsteht vor allem im persönlichen Austausch und im gemeinsamen Handeln. Wer einmal erlebt hat, wie bereichernd politisches Engagement und gemeinsames Gestalten sein können, merkt schnell, dass Mitmachen nicht nur Verantwortung bedeutet, sondern auch Gemeinschaft und Sinn stiftet. Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten? Ich freue mich, dass durch Projekte wie den MedienDemokratieHub zivilgesellschaftliches Engagement sichtbar gemacht und vernetzt wird. Politische Bildung braucht genau solche Plattformen, um voneinander zu lernen und gemeinsam demokratische Kultur zu stärken. Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten? Auf unserer Homepage wwww.pjr-dresden.de finden sich alle generellen Informationen zu unserem Verein, aktuellere Informationen gibt es auf

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Thomas Bächer | IVF Leipzig

Fußball, Verantwortung und politische Bildung: Warum Engagement im Breitensport Wirkung zeigt Fußball, Verantwortung und politische Bildung: Warum Engagement im Breitensport Wirkung zeigt Ein Interview mit Thomas – Projektkoordinator der Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball – über die Rolle von Vereinen in der Demokratiebildung, die Herausforderungen politischer Bildungsarbeit im Sport und wie Fußballteams zu wichtigen Orten für Empowerment, Teilhabe und gemeinschaftliches Lernen werden können. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Ich bin Thomas und arbeite in Leipzig im Bereich der politischen Bildung. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin Projektkoordinator bei der Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Fußball und seit kurz danach für Politik. Der Fußball als mit Abstand beliebteste Sportart in Deutschland trägt meiner Ansicht nach eine große gesellschaftliche Verantwortung. Ich freue mich, wenn wir Vereine dabei unterstützen können, dieser Verantwortung nachzukommen. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Wir machen Antidiskriminierungs- und Empowermentworkshops mit Fußballteams, Infostände bei Vereinsfesten, organisieren Vernetzungstreffen und Gedenkstättenfahrten und sind Teil von Netzwerken, wie zum Beispiel dem !Nie Wieder-Bündnis. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Laut der Leipziger Autoritarismus-Studie teilen junge Menschen in Ostdeutschland besonders häufig menschenfeindliche Einstellungen, denen wir begegnen wollen. Ich glaube aber, dass länderübergreifend alle Fußballvereine von Bildungsangeboten wie unseren profitieren. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Die Ungewissheit in Bezug auf die Finanzierung stellt die größte Herausforderung dar. Im Moment werden wir vom Land Sachsen gefördert, die erste Jahreshälfte über war das unklar und wir mussten uns über Spenden und Preisgelder finanzieren. Fundraising und Förderanträge kosten Nerven und Kapazitäten. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Während der Kontaktbeschränkungen der Covid-Pandemie haben wir einige unserer Formate in den digitalen Raum verlegt. Ansonsten finden unsere Angebote hauptsächlich analog statt. Die Inhalte beziehen sich in erster Linie auf Fußball und alles, was damit zusammenhängt – das ist neben Platz, Tribüne und Umkleide natürlich auch der Teamchat. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Wer gesellschaftliche Zusammenhänge verstehen und vermitteln möchte, braucht definitiv eine gewisse Medienkompetenz. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Desinformation, Manipulation und KI-Slop erschweren demokratische Teilhabe. Es wird immer schwerer, gemeinschaftlich über die Lösung von gesellschaftlichen Problemen nachzudenken, wenn man sich zunächst darüber verständigen muss, welche Probleme es überhaupt gibt und welche nicht. Gleichzeitig ermöglichen digitale Medien es kritischen Nutzer*innen, sich mit wenig Aufwand über verschiedenste Themen zu informieren und können so auch Teilhabe erleichtern. Voraussetzung dafür ist allerdings ein gewisses Maß an Medienkompetenz. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Egal ob bei jugendlichen Spieler*innen oder älteren Vereinsfunktionären, es ist immer schön zu sehen, wenn wir eine Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Partizipation anregen können und zum Perspektivwechsel ermutigen. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Die Auseinandersetzung von Fußballvereinen mit gesellschaftlichen Themen sollte zur Norm werden. Die Verbände, insbesondere der DFB, sollten stärker in die Verantwortung genommen werden, sich für nachhaltige Bildungsprojekte einzusetzen und Betroffene zu schützen, statt nur Lippenbekenntnisse abzugeben und sich mit Imagekampagnen gut darzustellen. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Diejenigen, die sich ehrenamtlich in den Breitensportvereinen engagieren, haben meist nicht die Kapazitäten, sich neben Training, Infrastruktur und Vereinsverwaltung auch noch um Antidiskriminierungsarbeit zu kümmern. Daher versuchen wir, unsere Angebote für die Vereine so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten. Oft gibt es Einzelne, die sich gegen Diskriminierung stark machen und auf Zusammenarbeit mit Initiativen wie unserer hinwirken, nachhaltiger wird es, wenn Ideen von Partizipation und diskriminierungsfreiem Zusammenleben von einer breiten Basis im Verein getragen werden. Hier fehlt teilweise die Einsicht, dass (Vereins-)Sport immer auch eine politische Dimension hat. Und wir könnten effektiver arbeiten, wenn unsere Finanzierung längerfristig gesichert wäre. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten dranbleiben, Verbündete suchen, sich nicht von Rückschlägen unterkriegen lassen. Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten? Instagram: @ivf.leipzigWebsite: www.ivf-leipzig.org weitere Interviews Interviews Ulrike Cadot-Knorr | Lebenslanges Lernen Landeshauptstadt Dresden Ulrike Bertus | Haus der Demokratie Leipzig e.V. Jennifer Bernecker | metro polis e.V. Tobias Wallusch | Politischer Jugendring Dresden e.V. Thomas Bächer | IVF Leipzig Siri Pahnke | Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. Paul Groschinski | MediaEducators Vogtland Marcelo | CAMBIO e.V. Julien Deschamps | fairfilms Janet Torres Lupp | Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen Felix Völkel | KURZFILMTAG C. Z. – Antirassismusberaterin Dresden Kátia Oliveira | Bürgertreff Volkmarsdorf Valentin Lippmann | Landtagsabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Oliver Gibtner-Weidlich | LKJ Sachsen Georg Salditt | Internationales Bildungszentrums St. Marienthal Sophia Philipp | Social Web macht Schule Nilsson Samuelsson | Ausländerrat Dresden e.V.

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Siri Pahnke | Netzwerk für Demokratische Kultur e.V.

Demokratie braucht Haltung: Engagement, Vielfalt und gelebte Mitmenschlichkeit in Sachsen Demokratie braucht Haltung: Engagement, Vielfalt und gelebte Mitmenschlichkeit in Sachsen Ein Interview mit Siri Pahnke – Soziologin, Kulturwissenschaftlerin und Projektkoordinatorin beim Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. (NDK) in Wurzen – über Empowerment, die Herausforderungen demokratischer Bildungsarbeit im ländlichen Raum und die Bedeutung von Medienkompetenz für eine vielfältige und solidarische Gesellschaft. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Siri Pahnke, ich arbeite in der Projektkoordination und bin seit vielen Jahren als Beraterin für NGOs im ländlichen Sachsen tätig, die sich für Demokratie einsetzen. Seit sieben Jahren bin ich Teil des Netzwerks für Demokratische Kultur e.V. (NDK) in Wurzen bei Leipzig. Das NDK verbindet Menschen, die Haltung zeigen und sich für eine demokratische Kultur in der Region engagieren – für gelebte Mitmenschlichkeit, Mitbestimmung, Nachhaltigkeit und Freiheit. Wir setzen uns für eine bedürfnisorientierte Gesellschaft ein, die auf Solidarität beruht, für achtsame und wertschätzende Kommunikation, für politische Beteiligung auch außerhalb von Parlamenten, für Klimagerechtigkeit sowie für eine lebendige und kritische Erinnerungskultur. In unserem Haus in Wurzen leben wir unsere Werte. Mit Bildungsarbeit, kulturellen Veranstaltungen, Vernetzung, Begegnung und Information möchten wir die Entwicklung einer aktiven demokratischen Zivilgesellschaft in der Region fördern. Wir sind offen für alle, die die Gleichwertigkeit eines jeden Menschen anerkennen. Deshalb schließen wir menschenfeindliches Gedankengut sowie diskriminierende Haltungen und Handlungen konsequent aus. So schaffen wir Räume, in denen sich alle Menschen sicher fühlen können. Ich bin Soziologin und Kulturwissenschaftlerin und engagiere mich ehrenamtlich als Radiomacherin beim freien Sender Radio Blau. Der Verein besteht aus vielen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Menschen, die mit ihren Ressourcen und ihrer Expertise mutig für eine gerechte, vielfältige und freie Stadtgesellschaft eintreten. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Derzeit arbeite ich im Projekt „Female Power“, in dem wir Mädchen und junge Frauen empowern und den interreligiösen Dialog fördern. Uns geht es darum, Menschen zu stärken in dem, was sie sind, und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Perspektiven, Bedarfe und Fähigkeiten in die Stadtgesellschaft einzubringen – und gleichzeitig der Stadtgesellschaft die Chance zu eröffnen, Vielfalt als Potenzial wahrzunehmen. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Mich beschäftigt seit meiner Jugend die Frage nach gesellschaftlicher Macht und Privilegien. Aufgewachsen im ländlichen Niedersachsen begegneten mir immer wieder Ungleichheiten sowie ein Mangel an Beteiligungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Im Studium habe ich mich intensiv mit Migrationsbiografien und Rassismus auseinandergesetzt. Die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Position als weiße, junge und durch mein Elternhaus privilegierte Frau führte zu einem durchaus schmerzhaften Prozess der Selbstreflexion. Dabei wurde mir klar: Wir kommen gesellschaftlich nur weiter, wenn wir gemeinsam für ein gerechteres und besseres Leben kämpfen. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ich selbst organisiere vor allem  Empowerment-Workshops, Ausflüge, Feste und Veranstaltungen im Kontext von Demokratiebildung, Interkulturalität, Antidiskriminierung und Interreligiosität. Dazu gehören Demokratieworkshops an Grundschulen und Anti-Rassismus-Workshops an weiterführenden Schulen. Außerdem produziere ich die Radiosendung „Her mit dem schönen Leben“. Weitere Schwerpunkte sind Vereinsarbeit, Vernetzung sowie sehr viel Beziehungs- und Kommunikationsarbeit direkt vor Ort in unserem offenen Haus. Zudem unterstützen wir Initiativen, die von Menschen in Wurzen selbst umgesetzt werden. Das Portfolio des Vereins ist noch viel breiter. Wir machen bisher noch sehr viele Kulturveranstaltungen in unserem Kulturkeller, von Klimamonologen, über den Punkrocktresen, Kinovorführungen für Grundschüler*innen, Lesungen etc. Wir klären auf über rechte Vorfälle in Wurzen und dem Landkreis und arbeiten dazu mit Schüler*innen Peer to Peer, gerade organisieren wir mit dem Festival Politik im freien Theater viele Veranstaltungen. Darüber hinaus betreuen wir im Team zusammen seit Anfang diesen Jahres ehrenamtlich das Tagungshaus in den oberen Etagen unseres Soziokulturellen Zentrums. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Demokratiebildung sollte ein Querschnittsthema sein, das bereits in Schulen vermittelt wird. Kinder und Jugendliche müssen sich früh mit Fragen wie Freiheit, Gleichheit, Pluralität und Solidarität auseinandersetzen. Wie gestalten wir unser Zusammenleben auf Grundlage geteilter Werte? Wie reden wir miteinander, wie können verschiedene Meinungen gut verhandelt werden und wie können wir Missverständnisse minimieren? Demokratische Kultur ist keine Selbstverständlichkeit, sondern harte Arbeit. Dennoch sind sich die meisten Menschen einig, dass Demokratie die beste Form des Zusammenlebens ist, die wir bisher entwickelt haben. Damit das so bleibt, braucht es Räume für Dialog, Perspektivwechsel, Beteiligung, Zuhören, konstruktive Kritik und verantwortungsvolle Entscheidungen. Das ist nicht nur in Sachsen, sondern gesamtgesellschaftlich von Bedeutung. Darüber hinaus sind Schutzräume nötig, in denen diskriminierungserfahrene Menschen sich ausdrücken, stärken und für ihre Rechte eintreten können. Ebenso braucht es breite Solidarität und Unterstützung, die nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder neu erkämpft werden muss. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wir erleben große Unsicherheit und Ablehnung, viel Lethargie sowie Angst und Schwierigkeiten im Umgang mit Veränderungen. Hinzu kommen rechte Strukturen in Wurzen, die sich in Farbanschlägen, eingeschlagenen Fensterscheiben oder Beleidigungen auf Social Media und auf der Straße zeigen. Das ist bedrohlich und stellt auch unsere Sicherheit infrage, ganz zu schweigen, was es für eine Stadt heißt, wenn ein Akteur, der für Vielfalt und Veränderungspotential steht, bedroht wird. Ebenso gefährlich ist jedoch das Desinteresse oder die Überforderung vieler Menschen, die – aus nachvollziehbaren Gründen – so sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt sind, dass ihnen die Motivation fehlt, sich in die Gemeinschaft einzubringen. Ganz aktuell lehnte der Stadtrat Spenden ab, die es uns ermöglicht hätten, einen weit größeren Teil an Fördermitteln einzuwerben. Dieses Ausbleiben von Fördermitteln führt dazu, dass wir das Herzstück unserer Arbeit vor Ort – die Bespielung unseres Hauses – radikal zurückfahren müssen, da die personellen und betrieblichen Ressourcen fehlen. Das ist fatal, gerade auch im Kontext, dass wir dieses Haus mit unglaublich viel Eigenleistung und Engagement aus der Stadt erst vor Kurzem fertig renovieren konnten. So viele Menschen, wie im Moment unser Haus nutzen,  hatten wir durch die Baustelle schon lange nicht mehr hier – es sind so viele, dass wir kaum hinterherkommen! Da geht’s um den Spielnachmittag, das Sprachcafe, Schreibwerkstatt, die Yogagruppe, den Kreativtreff etc. und natürlich das neu fertiggestellte Tagungshaus mit seinen vielfältigen Gästen. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Eine deutlich größere, als wir es uns eingestehen wollen. Gerade junge Menschen sind stark

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Paul Groschinski | MediaEducators Vogtland

Medienkompetenz stärken, Demokratie fördern: Bildungsarbeit im Vogtland Medienkompetenz stärken, Demokratie fördern: Bildungsarbeit im Vogtland Ein Interview mit Paul Groschinski – Leiter des Projekts MediaEducators Vogtland – über die Bedeutung von Informations- und Nachrichtenkompetenz, kreative Bildungsarbeit in der offenen Jugendarbeit und wie praxisnahe Medienbildung junge Menschen dazu befähigt, kritisch, selbstbewusst und aktiv an unserer Gesellschaft mitzuwirken Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Paul Groschinski, ich bin 31 Jahre alt und lebe in Plauen im Vogtland.  Aufgewachsen bin ich im Bonner Raum. Ich habe Kultur- und Erziehungswissenschaften  studiert und anschließend einen Master in Erwachsenenbildung mit den Schwerpunkten  politische Bildung und Medienbildung abgeschlossen. Beruflich war ich in der  pädagogischen Begleitung von Freiwilligendienstleistenden, in der Netzwerkarbeit einer  Stadtbibliothek sowie als Bildungsreferent in der kirchlichen Erwachsenenbildung tätig. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Aktuell leite ich das Projekt MediaEducators Vogtland. In Kooperation mit Einrichtungen der  offenen Kinder- und Jugendarbeit entwickeln und gestalten wir Angebote, welche die  Medien- und Demokratiekompetenz stärken. Dazu gehören zum Beispiel Workshops zu  Themen wie Künstliche Intelligenz, soziale Medien und ihre Plattformlogiken oder der  Umgang mit Fake News. Ergänzt werden die Angebote durch Exkursionen – etwa zum MDR  – und kreative Projektformate. Ein besonders schönes Beispiel ist unser Ferienprojekt „19 Steine“: Hier haben Kinder und  Jugendliche die Biografien der Menschen hinter den Stolpersteinen ihrer Stadt recherchiert  und in selbst produzierten Audiobeiträgen hörbar gemacht. Diese Beiträge wurden zudem in  eine digitale Schnitzeljagd mit der App Actionbound eingebunden, sodass diese vor Ort bei den Stolpersteinen abgespielt werden können. Solche Formate verbinden Medienbildung mit historisch-politischer Bildung und zeigen, wie lebendig Lernen werden kann, wenn junge Menschen selbst aktiv werden. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Angesichts der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen und der sich ständig wandelnden  Medienlandschaft ist es mir ein großes Anliegen, dass junge Menschen in ihren  demokratischen Werten gestärkt werden und lernen, sich souverän und reflektiert im Internet zu bewegen. Nur wer Informationen kritisch einordnen kann, ist in der Lage, sich  selbstbestimmt eine Meinung zu bilden und aktiv an unserer Gesellschaft teilzunehmen. Seit meiner Jugend engagiere ich mich in der Jugendarbeit und habe immer gerne mit  Gruppen gearbeitet. Es macht mir große Freude, gemeinsam mit Jugendlichen und  pädagogischen Fachkräften kreativ zu werden, eigene Medienprodukte zu entwickeln und  dabei ganz praktisch Medien- und Informationskompetenz zu fördern. Auf diese Weise einen  kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass unsere Gesellschaft respektvoll, kritisch und  demokratisch bleibt, motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, gemeinsam mit verschiedenen Einrichtungen im  Vogtland Bildungsangebote und -formate zu gestalten und umzusetzen. Dabei geht es oft  darum, Konzepte zu entwickeln, die wirklich zu den jeweiligen Einrichtungen und den  jungen Menschen vor Ort passen. Die Konzeption erfolgt in enger Absprache mit unseren  Projektpartnern, um Themen, Methoden und Abläufe so zu gestalten, dass sie im Alltag der  Einrichtungen funktionieren. Den Großteil der Angebote begleite ich auch praktisch. Das macht die Arbeit sehr lebendig  und abwechslungsreich. Gleichzeitig gehört auch die Koordination des Gesamtprojekts dazu: Ich halte das Team und die externen Referent:innen zusammen, plane Abläufe, stimme mich mit den Projektpartnern ab und sorge dafür, dass alles gut ineinandergreift. Wichtig ist mir, dass die Einrichtungen durch unsere Zusammenarbeit langfristig eigene  Strukturen aufbauen und Angebote selbstständig weiterführen können. Dazu kommen  natürlich auch Aufgaben wie die Dokumentation, Evaluation, Öffentlichkeitsarbeit und die  finanzielle Abwicklung der einzelnen Maßnahmen. Kurz gesagt: Ich sorge dafür, dass aus  Ideen konkrete Bildungsangebote werden, die sich nachhaltig etablieren. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Die GMK-Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug“ zeigt, dass Erfahrungen mit Hass und  Hetze im Netz viele Menschen davon abhalten, sich online politisch einzubringen. Die Studie  betont daher ausdrücklich, wie wichtig die Stärkung von Medien- und  Nachrichtenkompetenz ist, politische Teilhabe nachhaltig zu ermöglichen. Im ländlichen  Raum Sachsens ist dieser Bedarf meiner Meinung nach besonders spürbar: Der Zugang zu  Bildungsangeboten ist oft begrenzt, während Desinformation und einfache Antworten auf  komplexe Fragestellungen in sozialen Netzwerken schnell Verbreitung finden. Genau hier  setzt unsere Arbeit an – wir wollen jungen Menschen Werkzeuge an die Hand geben, um  Informationen kritisch einzuordnen, Manipulationsstrategien zu erkennen und sich reflektiert  eine eigene Meinung zu bilden. Das stärkt nicht nur den Einzelnen, sondern auch den  gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Kultur in der Region. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Eine der größten Herausforderungen ist sicher, mit den sehr unterschiedlichen  Voraussetzungen in der offenen Jugendarbeit umzugehen. Man weiß nie genau, wer am Ende tatsächlich vor einem steht – wie viele Jugendliche kommen, in welchem Alter, mit welchen Interessen oder Themen sie sich gerade beschäftigen. Diese Unverbindlichkeit macht die Arbeit gleichzeitig spannend und herausfordernd: Angebote müssen so gestaltet sein, dass sie spontan anschlussfähig sind und trotzdem einen klaren roten Faden haben. Hinzu kommt, dass wir zunehmend mit Radikalisierungstendenzen konfrontiert sind – sei es  in Form von extremen Meinungen, Abgrenzungstendenzen oder gesellschaftlicher  Polarisierung, die sich auch in jugendlichen Gruppen widerspiegeln. Das verlangt viel  Fingerspitzengefühl, Offenheit und gleichzeitig eine klare Haltung. Da die Jugendlichen freiwillig teilnehmen, steht und fällt vieles mit der Attraktivität und  Relevanz der Angebote. Inhalte müssen an ihre Lebenswelt anknüpfen, gleichzeitig aber auch über sie hinausweisen. Das bedeutet, man ist ständig gefordert, Themen, Formate und  Zugänge weiterzuentwickeln, um die Jugendlichen wirklich zu erreichen – ohne sie zu  überfordern oder zu belehren. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?  Digitale Angebote im Sinne von Online- oder hybriden Formaten spielen bisher keine Rolle  in unserer Arbeit. Unser Ansatz ist ein aufsuchendes Konzept: Wir arbeiten direkt in den  Jugendzentren und somit sozialen Räumen, in denen sich die Jugendlichen ohnehin aufhalten. So können wir sie viel besser erreichen, als wenn sie geplant an einer Online-Veranstaltung teilnehmen müssten. Trotzdem sind digitale Werkzeuge und Medienkompetenz zentrale Bestandteile unserer  Projekte. Wir nutzen verschiedene Tools, um die Jugendlichen praktisch an den Umgang mit  digitalen Medien heranzuführen – sei es für kreative Projekte, Recherche oder  Präsentationen. Dabei geht es nicht nur um die reine Bedienung der Technik, sondern vor  allem darum, Medien bewusst, reflektiert und kreativ zu nutzen. So lernen die Jugendlichen,  Informationen

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Marcelo | CAMBIO e.V.

Kunst, Engagement und Medienkompetenz: Wie kulturelle Projekte Demokratie erlebbar machen Kunst, Engagement und Medienkompetenz: Wie kulturelle Projekte Demokratie erlebbar machen Ein Interview mit Marcelo – Projektkoordinator beim CAMBIO e.V. – über künstlerisches Engagement, die Förderung von Medienkompetenz und den Aufbau von Räumen für gesellschaftlichen Austausch in Sachsen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Ich bin Marcelo, komme ursprünglich aus Brasilien und lebe seit einigen Jahren in Dresden. Bevor ich nach Deutschland kam, habe ich fünf Jahre lang als Anwalt gearbeitet. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass ich lieber in einem Bereich tätig sein möchte, in dem ich direkter mit Menschen und gesellschaftlichen Themen zu tun habe. Und so bin ich im zivilgesellschaftlichen Engagement gelandet. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Heute arbeite ich beim CAMBIO e.V. als Projektkoordinator, vor allem für die Political Art Days und Erasmus+ Projekte. Außerdem bin ich auch in der Konzeption und Moderation von Workshops aktiv. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?   Was mich an dieser Arbeit begistert, ist die Möglichkeit, mich mit Menschen und mit der Stadt, in der ich lebe, wirklich zu verbinden. Viele der Leute, mit denen ich arbeite, sind gleichzeitig Freund:innen. Das macht meine Arbeit zu etwas, das über das Berufliche hinausgeht. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Mein Arbeitsalltag ist ziemlich vielfältig: Ich entwickle Projektideen, schreibe Anträge, koordiniere die Umsetzung und dokumentiere die Ergebnisse. Gleichzeitig bin ich auch bei Veranstaltungen und Workshops aktiv. Also nicht nur hinter dem Laptop, sondern auch direkt mit den Menschen, mit denen wir arbeiten. Die Political Art Days sind dabei eines unserer zentralen Projekte: ein Festival, das Kunst, Aktivismus und gesellschaftlichen Austausch verbindet. Jedes Jahr engagieren sich rund 30 Freiwillige, und das Festival schafft einen Raum, in dem sich Menschen begegnen, vernetzen und neue Ideen für sozialen Wandel entwickeln. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Gerade in Sachsen ist es wichtig, solche Räume zu schaffen: niedrigschwellige, offene Angebote, die Menschen einladen, sich mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und Demokratie ganz praktisch zu erleben. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Ganz klar: Finanzierung. Fördermittel zu finden und langfristige Planung zu ermöglichen, ist immer ein Balanceakt. Das kennen wahrscheinlich viele Organisationen in unserem Bereich. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Digitale Medien spielen bei uns eine große Rolle, für Kommunikation, Vernetzung und Sichtbarkeit. Ohne digitale Präsenz würde vieles einfach untergehen. Gleichzeitig sehen wir, wie wichtig Medienkompetenz ist: Sie hilft Menschen, Informationen kritisch einzuordnen, sich an Diskussionen zu beteiligen und selbst aktiv zu werden. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Für mich ist Medienkompetenz inzwischen einfach Teil von gesellschaftlichem Engagement. Wenn man sich einbringen will, muss man wissen, wie man sich im digitalen Raum bewegt, wie man Informationen einordnet, eigene Gedanken teilt und mit anderen in Kontakt bleibt. Gerade online entscheidet sich oft, wie wir über Themen sprechen, was sichtbar wird und was nicht. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Ich sehe in digitalen Medien eine große Chance, Menschen miteinander zu verbinden und gesellschaftliche Themen sichtbar zu machen. Aber gerade hier in Dresden merke ich, wie schwierig es oft ist, wirklich alle zu erreichen. Es fühlt sich manchmal so an, als würden viele in ihren eigenen digitalen Blasen leben. Also Gruppen, die kaum miteinander sprechen oder sich gegenseitig zuhören.Deshalb ist es für mich so wichtig, Medienkompetenz zu fördern. Es geht nicht nur darum, technische Fähigkeiten zu haben, sondern auch darum, Brücken zwischen unterschiedlichen Perspektiven, Altersgruppen und Hintergründen zu bauen. Nur so können wir die demokratischen Möglichkeiten digitaler Räume wirklich nutzen, statt uns weiter voneinander zu entfernen. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Durch unsere Projektarbeit konnten wir Menschen erreichen und für gesellschaftliche Themen sensibilisieren, die zuvor wenig Berührungspunkte mit zivilgesellschaftlichem Engagement hatten. Wir beobachten, dass unsere Angebote Dialog fördern, Perspektiven erweitern und Menschen ermutigen, sich aktiv einzubringen. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Langfristig möchte ich durch meine Arbeit dazu beitragen, dass gesellschaftliche Veränderung nicht nur eine Idee bleibt, sondern auch konkret spürbar wird. Also, in Begegnungen, in Projekten, in neuen Formen von Miteinander. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Um das weiter auszubauen, brauchen wir vor allem verlässliche, längerfristige Finanzierung. Mehrjährige Förderungen würden es ermöglichen, Projekte nachhaltiger zu planen, Strukturen zu stabilisieren und das Engagement der Menschen langfristig zu unterstützen. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Ich würde sagen: Such dir Menschen, die ähnlich denken wie du oder einen Verein, der für etwas steht, das dir wichtig ist. Allein ist Engagement schwer, aber in Gemeinschaft entsteht Energie. Geh zu Veranstaltungen, tausch dich aus, lern andere kennen, die auch etwas bewegen wollen. So entstehen neue Ideen, Projekte, und manchmal auch Freundschaften. Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten? Nein, danke für die Einladung und für eure Arbeit. Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten? Website: www.cambio-aktionswerkstatt.de www.politicalartdays.de Instagram: @cambio.ev @political.artdays weitere Interviews Interviews Interview mit Paul Groschinski Interview mit Marcelo – CAMBIO e.V. Interview mit Julien Deschamps Interview mit Janet Torres Lupp Interview mit Felix Völkel Interview mit C. Z. – Antirassismusberaterin aus Dresden Interview mit Kátia Oliveira Interview mir Valentin Lippmann Interview mit Oliver Gibtner-Weidlich Interview mit Georg Salditt Interview mit Sophia Philipp Interview mit Nilsson Samuelsson

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Julien Deschamps | Fairfilms

Kreatives Engagement für eine solidarische Gesellschaft: Wie Filmarbeit Demokratie sichtbar macht Kreatives Engagement für eine solidarische Gesellschaft: Wie Filmarbeit Demokratie sichtbar macht Ein Interview mit Julien Deschamps – unabhängiger Filmemacher aus Dresden und Gründer von fairfilms.de – über die Verbindung von künstlerischer Arbeit und gesellschaftlichem Engagement, faire Zusammenarbeit in einer zunehmend prekären Kulturlandschaft und über die Notwendigkeit, Medienkompetenz als Grundlage für demokratisches Engagement und kritisches Denken zu stärken. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?  Ich bin Julien Deschamps aus Dresden, ich arbeite als Filmemacher und bin Gründer von fairfilms.de. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?  Ich bin unabhängiger Filmemacher, das umfasst das Schreiben, die Regie, die  Kameraführung und den Schnitt.  Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?  Ich wusste schon immer, dass ich in diesem künstlerischen Bereich arbeiten wollte. Ich habe mein Studium abgeschlossen und als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich mich dafür entschieden, Arbeit und Engagement zu verbinden, indem ich auch wenig oder nicht bezahlte Aufträge für Einrichtungen annehme, die nicht viel Geld haben, weil sie sich für eine bessere Gesellschaft einsetzen und Unterstützung brauchen.  Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ich produziere Videos oder berate/coache Menschen, damit sie ihre Videos selbst besser gestalten können. Außerdem engagiere ich mich in der kulturellen und bürgerschaftlichen Bildung durch Workshops für die junge Generation.  Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Das Engagement der Einrichtungen, die ich unterstütze, ist wichtig, insbesondere in einem Bundesland, das unter Kürzungen der Mittel für Sozial- und  Solidaritätsprogramme leidet. Meine Arbeit hilft ihnen bei ihrer Kommunikation.  Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Ich habe auch Schwierigkeiten, finanziell von meinem Beruf zu leben. Ich bin froh, wenn eine Struktur mich angemessen bezahlt, denn so kann ich meine Tätigkeit fortsetzen und anderen helfen. Ich setze auf Solidarität, ähnlich wie beim Prinzip der Veranstaltungen mit freien Preisen: diejenigen, die reicher sind, zahlen mehr als die anderen.  Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Kurze Online-Videos sind zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden. Aufgrund meiner akademischen Ausbildung bemühe ich mich zu vermitteln, dass ein Ausdruck, unabhängig von seiner Form, seinem Stil oder seinem Inhalt, niemals neutral ist und immer ernst genommen werden muss.  Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Ich fordere, dass alle Bereiche der Gesellschaft Verantwortung übernehmen in Bezug auf die Abhängigkeit von sozialen Medien, die Verbreitung von Fake News und Algorithmen, die Bestätigungs-Bias validieren. Die Bildung in der Schule ist sicherlich das Wichtigste, was es zu berücksichtigen gilt. Geben wir allen eine Basis für die Analyse von Medienbildern, um Manipulationen zu erkennen, vermitteln wir den Reflex, journalistische Quellen zu recherchieren, um die Vertrauenswürdigkeit von Informationen zu bewerten, und laden wir dazu ein, Verantwortung für das zu übernehmen, was wir online konsumieren und teilen, indem wir uns der wirtschaftlichen und politischen Macht bewusst werden, die wir den dominierenden Plattformen durch ihre übermäßige Nutzung geben. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Unsere Gesellschaften haben lange gebraucht, um die weit verbreitete Desinformation im Zusammenhang mit dem Konsum und der Sucht nach sozialen Netzwerken zu erkennen. Neben persönlichen Problemen wie Depressionen und zwischenmenschlichen Problemen, die Intoleranz und Ablehnung fördern, ist auch die Gefahr der Wahl populistischer und gefährlicher Regierungen ein zunehmend besorgniserregendes Phänomen. In Zeiten der zunehmenden Verbreitung generierter Bilder (Fotos, Stimmen und jetzt auch Videos) muss ein echter Wendepunkt erreicht werden. Es bedarf eines allgemeinen Bewusstseins für diese Gefahren und eines Umdenkens in Bezug auf die Informationsgesellschaft, indem bestimmte Netzwerke eingeschränkt oder verboten und unabhängige, gemeinnützige Netzwerke wie Wikipedia (das bereits von den dominierenden Giganten angegriffen wird) gefördert werden.  Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Ich mag das Sprichwort „Global denken, lokal handeln“. Es ist sehr schwierig, die  positiven Auswirkungen eines Engagements zu erkennen, wenn eine ganze Gesellschaft betroffen ist, aber es ist möglich, auf kleiner Ebene Begeisterung und Solidarität zu wecken. Das ist grundlegend, um die Moral und das Engagement aller aufrechtzuerhalten. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Ich hoffe, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass es möglich ist, sich sowohl in der Arbeit als auch im Alltag direkt zu engagieren. Ich glaube auch, dass es langfristig möglich ist, mehr Wirtschaftsunternehmen davon zu überzeugen, nach den Werten der Großzügigkeit zu handeln. Die Finanzwelt denkt in Gewinnkategorien, aber der menschliche oder moralische Gewinn wird völlig unterschätzt. Ich bin jedoch überzeugt, dass dies auch Investoren zufriedenstellen könnte, die nach einem Sinn für ihr Handeln suchen.  Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Meine derzeitige Arbeit ist leider noch zu konfidentiell und begrenzt. Ich würde wirklich gerne mehr Partner*innen oder Strukturen davon überzeugen, mit mir zusammenzuarbeiten, um die Sichtbarkeit meiner Ideen zu erhöhen.  Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Ich plädiere immer für ein allgemeines Gleichgewicht, sei es in Bezug auf die Gesundheit (körperlich und psychisch) oder das politische Engagement. Ich ermutige dazu, so viele Bereiche und Dimensionen wie möglich zu berücksichtigen, um nichts zu vernachlässigen: Umweltschutz, Kampf gegen Armut und Diskriminierung, Feminismus, ohne dabei die Förderung der kulturellen Vielfalt zu vergessen, die wesentlich ist, um möglichst viele Menschen weltweit zu sensibilisieren und zu beeinflussen. Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten? Was meine Online-Sichtbarkeit angeht, habe ich mich bewusst dafür entschieden, meine Website in den Vordergrund zu stellen, über die ich die vollständige Kontrolle habe (ohne Tracker oder Cookies). Auch wenn ich einige Konten habe, um Filme zu veröffentlichen, wie beispielsweise YouTube, möchte ich diese nicht in den Vordergrund stellen, da sie von Tech-Giganten abhängig sind, deren Werte  zunehmend im Widerspruch zu meinen eigenen stehen. Beispielsweise ist das, was YouTube mit immer ausgefeilteren Einstellungen anbietet, um die Aufrufzahlen zu maximieren, nicht mit meiner Arbeitsweise vereinbar (Qualität darf niemals mit Quantität verwechselt werden). Wenn die Option „Aufrufzahlen ausblenden” verfügbar wäre, würde ich sie aktivieren (das habe ich bereits mit den „Likes” getan). Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten? 

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Janet Torres Lupp | Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen

Netzwerkarbeit in Sachsen: Wie Medienbildung Menschen verbindet Netzwerkarbeit in Sachsen: Wie Medienbildung Menschen verbindet Ein Interview mit Janet Torres Lupp – Projektleiterin der Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen – über die Bedeutung von Medienbildung für digitale Teilhabe und Demokratie, die Vernetzung medienpädagogischer Akteur*innen im ländlichen Raum sowie die Chancen und Herausforderungen, Menschen zu souveränem und engagiertem Handeln in digitalen Lebenswelten zu befähigen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Janet Torres Lupp, ich lebe und arbeite in Leipzig und Dresden. Ich bin Kultur- und Medienwissenschaftlerin (M. A.) und arbeite seit über zwanzig Jahren in der Medienpädagogik. Anfangs war ich freiberuflich bundesweit tätig, ab 2012 war ich viele Jahre im ländlichen Raum (Nordsachsen) unterwegs und habe vor allem handlungsorientierte und auch kritisch-rezeptive Medienprojekte für sehr viele verschiedene Zielgruppen durchgeführt. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich arbeite als Projektleiterin in der Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen (KSM), zusammen mit meinen Kolleginnen Kirsten Mascher und Hannah Kern. Die KSM befindet sich in der Trägerschaft der AWO SPI GmbH. Unser Haupttätigkeitsfeld ist die Vernetzung der medienpädagogischen Landschaft. Wir bieten unter anderem Verweisberatung an: Wenn eine Lehrkraft eine medienpädagogische Fachkraft für einen Elternabend oder einen Projekttag sucht, vermitteln wir gerne. Darüber hinaus informieren und beraten wir allgemein über Medienbildung sowie über Projekte und Angebote im gesamten Bundesland Sachsen. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Nach vielen Jahren handlungsorientierter praktischer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Seniorinnen und Senioren sowie dem Aufbau eines Netzwerkes in Nordsachsen wollte ich diese Arbeit gerne erweitern. Der Aufbau der KSM im Jahr 2019 bot mir genau die passende Herausforderung, auf der ich optimal aufbauen konnte.  Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ich habe sehr viele administrative Aufgaben, aber glücklicherweise kann man in diesem Bereich auch sehr kreativ und handlungsaktiv sein. So überlegen wir uns im Team beispielsweise immer wieder neue Formen der Netzwerkarbeit: Wie können wir den Austausch vorantreiben? Welche Themen beschäftigen die Medienpädagoginnen und -pädagogen derzeit? Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Öffentlichkeitsarbeit: Wie können wir die Menschen erreichen, die uns noch nicht kennen? Welche Angebote sind stark nachgefragt? Die Beratungsarbeit ist ein großes Thema, bei dem immer wieder Kreativität und Einfallsreichtum gefragt sind. Mit unseren zahlreichen Partnerinnen und Partnern an unserer Seite funktioniert es viel besser. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Sachsen hat viel ländlichen Raum und lebt in der Medienbildung von Netzwerken und Kooperationen. Somit ist eine Orientierungsstelle wichtig, an die sich die Bevölkerung wenden kann. Ein Beispiel: Eine Schulsozialarbeiterin sucht eine Person, die einen Elternabend zum Thema Cybermobbing halten kann. Oder ein Senior aus Nordsachsen möchte sich gerne in einer Smartphone-Sprechstunde weiterbilden. Für diese und viele weitere Personen sind wir genau die richtige Beratungsstelle. Die Anbahnung von Kooperationen ist sehr wichtig, damit Schulen und medienpädagogische Fachkräfte zueinander finden. Ein aktuelles Highlight ist, dass wir seit 2024 gemeinsam mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern aus Sachsen Qualitätskriterien für die medienpädagogische Arbeit entwickeln. Seit 2025 sind auch die Koordinierungsstellen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen dabei. Die Kriterien werden wir bald veröffentlichen. Sie sollen allen Menschen, die medienpädagogisch tätig sind, als Orientierung für die praktische Arbeit dienen. Damit bringen wir neue Ideen und Inspirationen nach Sachsen und entwickeln die medienpädagogische Landschaft weiter. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Es sind tatsächlich viele, weil wir für ganz Sachsen da sind und sein wollen und uns nicht alle kennen. Das ist das eine. Die Öffentlichkeitsarbeit ist eine bestehende Herausforderung. Eine weitere große Herausforderung ist, dass Medienbildung von diversen Vereinen, Institutionen und auch freiberuflichen Personen usw. ausgeübt wird – mit wiederum sehr unterschiedlichen Fördermitteln, Hintergründen, Erwartungen und Zielen. Zudem ist Medienbildung für viele kein klarer und eindeutiger Begriff, da sich jede Person etwas anderes darunter vorstellt. Dadurch bleibt die Netzwerkarbeit äußerst vielfältig, was natürlich auch Potenziale hat. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?  Digitale Angebote spielen eine große Rolle und sind ein Hauptaufgabenfeld. Wir haben beispielsweise gerade einen Blended-Learning-Kurs zum Thema Hatespeech (https://www.slpb.de/veranstaltungen/details/3951) zusammen mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und der Aktion Zivilcourage erstellt. Ein weiteres Projekt ist der „Kompass Medienbildung und Nachhaltigkeit“ (https://medienbildung-nachhaltig.de), welches im Netzwerk „BNE und Medienbildung“ entstanden ist. Außerdem erstellen wir selbst Handreichungen, beispielsweise interaktive digitale Quizze für Eltern und Kinder (https://www.medienbildung.sachsen.de/materialien-7170.html). Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Medienkompetenz ist im Leben miteinander und untereinander sehr wichtig. Wir alle leben mittlerweile im digitalen Raum und die Kommunikation in den sozialen Netzwerken beeinflusst auch das analoge Leben. Diese beiden Bereiche sind kaum voneinander zu trennen. Wer sich aus dem Internet zurückziehen möchte, wird es schwer haben. Es braucht die medienpädagogische Begleitung, egal ob bei Jung oder Alt, Klein oder Groß usw. Daher ist unsere Arbeit auch so wichtig.  Zudem wird es immer wichtiger, einen Weg zur Datensouveränität zu finden: Ich möchte meine Selbstwirksamkeit als handelnde Akteurin mit meinen persönlichen Daten „spüren“. Um es noch stärker zu formulieren: Ich sollte die Hoheit über meine Daten haben und unter anderem um die Faszination von „Likes“, „Infinite Scrolling“ und den Algorithmuskampf der großen Techunternehmen wissen. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Es ist herausfordernd, sich mit medienpädagogischen Projekten im ganzen Bundesland zu verorten und zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken. Oft fehlen hierfür Zeit und Ressourcen. Es gibt jedoch auch Chancen, die sich durch die Verstärkung digitaler Teilhabe und somit auch durch demokratische Partizipation ergeben. Das beginnt bei Kindern und Jugendlichen, die im Internet nach Orientierung und Identifikation suchen (und hoffentlich auch finden), sich dort mit politischen Themen auseinandersetzen und sich in Gruppen wie „Fridays for Future“ organisieren. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Wir beobachten eine zunehmende Akzeptanz für den Bereich der Medienbildung. Politisch wird zwar viel diskutiert, allerdings empfinde ich die aktuelle Diskussion als zu bewahrpädagogisch. Ich plädiere für eine offene Diskussion, aber bitte nicht unter dem Begriff „Verbot“. Wir müssen die Menschen – Kinder wie Erwachsene – begleiten.  Wir agieren zu dritt im Team für ganz Sachsen. Das heißt, uns kennen noch nicht

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Felix Völkel | KURZFILMTAG

Kurzfilm, Gemeinschaft und kultureller Zusammenhalt: Wie der KURZFILMTAG Kultur in Sachsen stärkt Kurzfilm, Gemeinschaft und kultureller Zusammenhalt: Wie der KURZFILMTAG Kultur in Sachsen stärkt Ein Interview mit Felix Völkel – Projektkoordinator des bundesweiten KURZFILMTAGs – über die Bedeutung gemeinschaftlicher Kulturerlebnisse, den gesellschaftlichen Wert des Kurzfilms und wie lokale Akteur*innen durch kreative Filmveranstaltungen neue Begegnungsräume schaffen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Felix Völkel und ich wohne in Dresden. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin als Projektkoordinator für den bundesweiten KURZFILMTAG, einem Projekt der AG Kurzfilm – Bundesverband Deutscher Kurzfilm, tätig. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Bereits als Student habe ich mich bei einem Kurzfilmfestival in unterschiedlichen Arbeitsbereichen ehrenamtlich engagiert. Das Projekt KURZFILMTAG kannte ich deshalb auch schon aus Sicht eines Veranstalters und ich fand, dass es eine tolle Idee ist, Menschen in der dunklen Jahreszeit (nämlich am oder vor dem kürzesten Tag des Jahres) zu versammeln, um in Gemeinschaft Kurzfilme zu schauen und zu erleben. Der Kurzfilm ist eine leider unterschätzte Kunstform, die unglaublich viel transportieren kann und auch wunderbar zum Diskutieren einlädt und dazu, die eigene Perspektive zu erweitern. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Zum einen geht es darum, ein vielfältiges Angebot zu schaffen, denn mit dem KURZFILMTAG wenden wir uns an ‚alle‘: Jedes Jahr rufen wir Veranstalter*innen aus allen möglichen Bereichen dazu auf, selbst eine Kurzfilmveranstaltung auf die Beine zu stellen – oder auch Menschen, die noch gar nicht viel Erfahrung in der Veranstaltungsorganisation haben. Dazu gehören unter anderem die Koordination des Filmprogrammangebots, die Festlegung von Schwerpunktsetzungen und die Strategieentwicklung für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zum anderen geht es um die Verbreitung unseres Mitmachaufrufs: Wir recherchieren Kontakte und sprechen die unterschiedlichsten Akteure an, um sie zu motivieren, selbst aktiv zu werden. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Da der Sitz der AG Kurzfilm von Anbeginn an in Dresden ist und es auch sachsenweite Verbindungen gibt, hat sich der KURZFILMTAG in der Stadt, aber auch im ganzen Bundesland gut etabliert und ist mit fast 100 Veranstaltungen im letzten Jahr (2024) das Bundesland mit den meisten Events gewesen. Viele Initiativen sind im städtischen und im ländlichen Bereich aktiv und sorgen für ein breites kulturelles Erleben. Wir hoffen natürlich, dass unsere Arbeit zu einem breiteren kulturellen Angebot im ganzen Freistaat beiträgt sowie dazu sich zu vernetzen – auf der Website des KURZFILMTAGs können alle Teilnehmenden gefunden werden und man kann sehen, wer in anderen Bundesländern, Orten, Gemeinden mitmacht – und bei den Veranstaltungen in den zwischenmenschlichen Austausch zu gehen. Die Polarisierung nimmt zu und vor allem auch in Sachsen gibt es starke rechte, auch antidemokratische Tendenzen und auch Themen wie Einsamkeit sind und bleiben virulent. Mit dem KURZFILMTAG soll ein kleiner Beitrag dazu geleistet werden, gegen diese Entwicklungen anzuarbeiten. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Der KURZFILMTAG wird durch Projektförderungen finanziert. Die derzeitigen Entwicklungen in der Förderung von Projekten im kulturellen und sozialen Bereich machen uns Sorge. Wir können nicht all die Dinge umsetzen, die wir in der Vergangenheit umsetzen konnten, und wenn beispielsweise weniger in die Öffentlichkeitsarbeit investiert werden kann, wird die Bekanntheit des KURZFILMTAGs – und die Information, dass man sich selbst beteiligen kann – natürlich stärker gefährdet. Damit zusammen hängt auch, dass diejenigen, die wir erreichen möchten, also die Veranstalter*innen, selbst oft mit finanziellen und personellen Engpässen zu kämpfen haben, im schlimmsten Fall ihre Arbeit einstellen müssen und weder KURZFILMTAG- noch sonstige Veranstaltungen umsetzen können. Perspektivisch möchten wir den diskursiven Aspekt von Veranstaltungen, den Fokus auf begleitete Filmgespräche mit dem Publikum, stärker in den Blick nehmen, aber auch hier sind die Kürzungen im Kultursektor ein Hindernis. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Der KURZFILMTAG setzt vor allem auf physische Angebote, gemeinschaftliche Veranstaltungen vor Ort stehen im Fokus. Es gibt aber auch einige Veranstalter*innen, die Online-Angebote zum KURZFILMTAG bereitstellen, so dass Kurzfilme in den eigenen vier Wänden erlebt werden können. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? In unserer digital geprägten Welt ist die Entwicklung von Medienkompetenz sehr wichtig. Der Zugang zu Angeboten und zu Informationen, Inhalten und Themen ist medial vermittelt, dementsprechend ist es notwendig, einen kompetenten und auch kritischen Umgang mit Medien zu fördern. Auch der rapide Aufstieg von KI-Technologien zwingt uns aufgrund der damit zusammenhängenden Manipulationsmöglichkeiten – auch was die Verbreitung von Falschinformationen betrifft, was wiederum Auswirkungen auf gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Prozesse haben kann – dazu, eine noch wachsamere Position einzunehmen. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Menschen, die vorher nicht mit Kurzfilmen in Berührung gekommen waren – zumindest nicht bewusst – sind durch den KURZFILMTAG darauf aufmerksam geworden, haben eigene Veranstaltungen organisiert und diese in vielen Fällen verstetigt. Damit konnten wir eben auch Gruppen erreichen, die nicht der „klassischen“ Zielgruppe von Kurzfilmen entsprechen. Dahinter steht ein breites Angebot, inhaltlich wie auch formell und was die Barrierefreiheit angeht, und intensive Akquisearbeit. Im Rahmen des Projekts sind einige Veranstaltungsideen entstanden, die fortan regelmäßig durchgeführt wurden, und es wurden Kooperationen angestoßen, die ebenfalls nachhaltig fortgeführt wurden. Das gemeinsame Filmeschauen und der Austausch darüber verbindet. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Das Ziel des KURZFILMTAGs ist es, den Kurzfilm sichtbar zu machen und dass Menschen bewusst mit ihm in den Kontakt kommen: im Kino, im Kulturzentrum, im Nachbarschaftshaus, in der Schule, in der Kita – überall. Außerdem hoffen wir, dass wir mit dem Projekt Impulse für kreative und gemeinschaftliche Aktionen setzen können. In der Vergangenheit konnten wir beobachten, wie Ideen, die zum KURZFILMTAG realisiert wurden, von Veranstalter*innen verstetigt wurden oder sich auch neue Kooperationen zwischen Akteuren in den jeweiligen Regionen entwickelt haben. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Planungssicherheit durch eine verstetigte und angestiegene Förderung. Zurzeit hat das Projekt zehn Fördergeber als Projektförderung, die auch einen entsprechenden Verwaltungsaufwand mit sich ziehen. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Aktiv werden und ausprobieren! Sinnvoll ist es auch oft, sich Unterstützung und Kooperationspartner mit an Bord zu holen. Wie können

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C. Z. – Antirassismusberaterin Dresden

Empowerment, Antirassismus und gesellschaftliche Teilhabe: Warum Beratung & Community-Arbeit in Sachsen so wichtig sind Empowerment, Antirassismus und gesellschaftliche Teilhabe: Warum Beratung & Community-Arbeit in Sachsen so wichtig sind Ein Interview mit C. Z. – Antirassismusberaterin aus Dresden – über Empowerment von Betroffenen, Herausforderungen demokratischer Antirassismusarbeit im ländlichen Raum und den gezielten Einsatz digitaler Medien zur Sichtbarkeit, Vernetzung und Stärkung von Betroffenen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Chiara und ich arbeite in Dresden. Mein beruflicher Hintergrund liegt in der  Linguistik und in den Europastudien, mit Schwerpunkt auf der Sprache der Politik, der  Migrationspolitik der Europäischen Union und auf Rechtsextremismus. Heute arbeite ich in der Antidiskriminierungsberatung, mit einem besonderen Fokus auf Antirassismus. Darüber  hinaus bin ich seit mehreren Jahren als Trainerin tätig und biete Workshops zu Kritischem  Weißsein, Rassismus und Migration für Kinder und Erwachsene an. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Aktuell bin ich im Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst) e.V. als Antirassismus-Beraterin tätig. Meine Tätigkeit umfasst den Kontakt zu migrantischen Communities sowie deren Begleitung und Unterstützung. Meine Zuständigkeitsregionen sind Dresden sowie die Landkreise Sächsische Schweiz Osterzgebirge, Meißen, Bautzen und Görlitz. Der Fokus meiner Tätigkeit liegt auf ländlichen  und kleinstädtischen Räumen, in denen es keine oder nur sehr wenige Anlaufstellen gibt. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Mein Engagement ist stark von meiner eigenen Biografie und meinen Werten geprägt. Alle  Menschen sollen die gleichen Rechte haben und sich frei bewegen können, unabhängig  davon, wo sie geboren wurden, wie sie aufgewachsen sind oder wo sie leben. Zudem ist es  mir wichtig, dass Menschen als Individuen wahrgenommen und nicht auf eine vermeintliche  Kultur oder Gruppe reduziert werden, denn solche Kategorisierungen fördern Vorurteile und  Ausgrenzung. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Im Projekt „AntiRaktiv – Aktiv gegen (Alltags-)Rassismus! Empowerment, Beratung und  Bildung“ unterstützen wir Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Dazu gehören  mehrsprachige, anonyme, kostenlose, parteiische und niedrigschwellige Beratungen sowie  Empowerment-Workshops, die Betroffene stärken und Räume für Austausch schaffen. Ein weiterer Teil unseres Auftrags ist die Unterstützung und die Stärkung von  Migrant*innenorganisationen (MOs), damit Anlauf- und Beratungsstellen nachhaltig etabliert  werden können und Antirassismusarbeit lokal verankert werden kann. Im vergangenen Jahr  fand beispielsweise eine Qualifizierungsreihe für MOs zu den Themen „Community-basierte  Beratung”, „Empowerment in der Beratung” und „Erweiterte Methoden in der Beratung“ statt. Darüber hinaus nehmen wir an Austausch- und Netzwerktreffen mit Communities sowie  Akteur*innen der Mehrheitsgesellschaft teil, um Erfahrungen zu teilen, Netzwerke aufzubauen und uns gegenseitig kollegial zu beraten. Zu unseren Tätigkeiten gehört auch die Dokumentation und Auswertung von rassistischen  Vorfällen, die politische Bedeutung tragen. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist der Community-basierte Ansatz. Er bedeutet, dass wir  eng mit den betroffenen Communities zusammenarbeiten und ihre Perspektiven,  Erfahrungen und Bedarfe in den Mittelpunkt stellen. Statt für sie zu sprechen, arbeiten wir  mit ihnen. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Unsere Arbeit ist für Sachsen besonders wichtig, weil Rassismus hier, vor allem im  ländlichen Raum (aber nicht nur dort), weit verbreitet ist, während Unterstützungsangebote  oft fehlen. Es mangelt an niedrigschwelligen, mehrsprachigen und intersektionalen Beratungsstellen sowie Empowerment-Angeboten. Das Projekt AntiRaktiv ist genau als Antwort auf diese Lücke entstanden und schafft eine  nachhaltige Infrastruktur gegen Rassismus, die von Communities selbst gestaltet und  getragen wird. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wie bereits erwähnt, gibt es in Sachsen bislang nur wenige Angebote. Hinzu kommt, dass  unsere Arbeit häufig mit knappen Ressourcen auskommen muss. Eine der größten Herausforderungen in unserer Arbeit ist jedoch der strukturelle und  institutionelle Rassismus, der sich in allen Lebensbereichen zeigt: Wir stoßen oft bei  Behörden, in Schulen, aber auch auf dem Arbeitsmarkt an unsere Grenzen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 war ein wichtiger Schritt, um  Diskriminierung rechtlich zu bekämpfen. Dennoch zeigt sich in der Praxis, dass das Gesetz  die Betroffenen nicht wirksam schützt, insbesondere, weil institutionelle Diskriminierung darin kaum berücksichtigt wird und die Beweislast häufig bei den Betroffenen selbst liegt. Dies erschwert nicht nur den Alltag der Betroffenen, sondern auch die Möglichkeiten, sie  wirkungsvoll zu unterstützen. Eine Weiterentwicklung des AGG ist daher dringend notwendig, um strukturellen Rassismus  auch rechtlich konsequent zu bekämpfen. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Das Projekt „AntiRaktiv“ stärkt die Selbstwirksamkeit von Menschen mit  Rassismuserfahrungen. Medienkompetenz kann Menschen dabei unterstützen, rassistische  Inhalte im Netz besser zu erkennen, die eigene Stimme wirksamer zu erheben und Diskriminierung sichtbarer zu machen. Sie ließe sich in unserer Arbeit beispielsweise in Form von Workshops zur digitalen  Selbstverteidigung gegen Online-Hass, zur kritischen Analyse von rassistischen Narrativen  oder zur Nutzung digitaler Tools für Empowerment integrieren. Außerdem ermöglicht  Medienkompetenz den Aufbau von Netzwerken und den Austausch von Erfahrungen,  sodass Betroffene sich gegenseitig stärken und solidarisch unterstützen können. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Ich finde, dass Medienkompetenz zentral für zivilgesellschaftliches Engagement ist, da sie  kritisches Denken sowie die reflektierte Beobachtung von Machtgefällen und strukturellen  Dynamiken in der Gesellschaft fördert. Sie hilft dabei, Informationen einzuordnen,  Desinformation zu erkennen und Strategien zu entwickeln, um gesellschaftliche Prozesse  aktiv mitzugestalten. Zusammenfassend ermöglicht sie die wirksame Nutzung digitaler Plattformen für Aufklärung, Vernetzung und Empowerment. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen  Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz sehe ich folgende  Herausforderungen: starker Einfluss von Desinformation, Überforderung durch  Informationsüberlastung sowie mangelnde Reflexion im Umgang mit digitalen Inhalten. Rassistische Inhalte, Hassrede und Desinformation im Netz wirken entmutigend und können  Betroffene zusätzlich belasten. In unserer Arbeit beobachten wir außerdem ungleichen Zugang zu Technologien,  insbesondere im ländlichen Raum, sowie Unterschiede in den Medienkompetenzen. Für  Menschen mit Rassismuserfahrungen kann dies den Zugang zu Unterstützung oder  Empowerment-Angeboten erschweren. Ohne ausreichende Medienkompetenz besteht zudem die Gefahr, dass strukturelle  Machtungleichheiten im digitalen Raum weiter reproduziert werden. Chancen für zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe durch  Medienkompetenz sehe ich vor allem in der Möglichkeit der Vernetzung, des Austausches und der Sichtbarkeit von Stimmen, die sonst oft übersehen werden. Für Menschen mit  Rassismuserfahrungen können digitale Tools hilfreich sein, um Diskriminierung sichtbar zu  machen, sich lokal, überregional und transnational zu vernetzen und Empowerment Angebote zu nutzen oder selbst

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