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Interview

Max Haller & Steve Hanschur | Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden

Mitreden, mitentscheiden: Schülervertretung als Schule der Demokratie Mitreden, mitentscheiden: Schülervertretung als Schule der Demokratie Ein Interview mit Max Haller und Steve Hanschur, Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden. Über ihren Weg ins schulpolitische Engagement, die Arbeit der Schülervertretung, begrenzte Mittel sowie die zentrale Rolle von Medienkompetenz für zivilgesellschaftliche Teilhabe und demokratisches Engagement.  Könntet Ihr euch bitte kurz vorstellen?Wir sind Max Haller und Steve Hanschur aus Dresden und haben vor Kurzem erfolgreich unser Abitur abgeschlossen. In welcher Funktion seid Ihr aktuell tätig?Derzeit engagieren wir uns als Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden. In dieser Funktion vertreten wir die Interessen der Dresdner Schüler*innen gegenüber Politik, Verwaltung, Medien und zahlreichen weiteren Institutionen. Unser Ziel ist es, die Perspektiven junger Menschen sichtbar zu machen und ihre Anliegen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubringen. Was hat Euch dazu bewogen, euch in diesem Bereich zu engagieren?Für viele beginnt dieses Engagement aus Interesse oder Freude an der Mitgestaltung. Mit der Zeit merkt man aber, wie wichtig eine starke Stimme für Schüler*innen ist. Genau das motiviert uns jeden Tag aufs Neue, Verantwortung zu übernehmen und uns aktiv für bessere Bildungsbedingungen einzusetzen. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Eure Arbeit?Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit ist die Außenvertretung. Ob im Austausch mit Politikerinnen, Journalistinnen, Organisationen oder bei Reden auf Demonstrationen und öffentlichen Veranstaltungen – überall dort, wo die Interessen von Schüler*innen vertreten werden müssen, sind wir im Einsatz. Darüber hinaus organisieren wir eigene Projekte und Veranstaltungen. Ein Beispiel dafür ist der Schülergipfel, den wir gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchführen. Dieser setzt sich jedes Jahr mit einem Thema der Erinnerungs- und Gedenkkultur auseinander und ermöglicht jungen Menschen eine intensive Auseinandersetzung mit Geschichte und Demokratie. Warum ist Eure Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?Das Besondere an der Schülervertretung ist ihre Struktur: Im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen im Bereich Bildung oder Jugendhilfe wird sie vollständig von Jugendlichen getragen. Planung, Organisation und Interessenvertretung liegen in den Händen junger Menschen. Dadurch entstehen authentische Perspektiven und praxisnahe Lösungsansätze, die Erwachsene häufig nicht in gleicher Weise einbringen können. Diese unmittelbare Nähe zum Schulalltag macht die Schülervertretung zu einer einzigartigen Möglichkeit. Welche Herausforderungen begegnen Euch in eurem Tätigkeitsbereich?Unsere Arbeit bringt vor allem Herausforderungen mit sich, da wir selbst Jugendliche sind. Unsere Positionen werden von manchen politischen Entscheidungsträger*innen nicht immer mit der notwendigen Ernsthaftigkeit wahrgenommen. Hinzu kommt, dass uns finanzielle Möglichkeiten häufig fehlen, da wir beispielsweise keine Spenden annehmen dürfen. Dennoch gelingt es uns immer wieder, Projekte erfolgreich umzusetzen – vor allem dank der Unterstützung engagierter Partner wie des Kinder- und Jugendbüros Dresden und weiterer Kooperationspartner. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Eurer Arbeit?Medienkompetenz spielt in unserer täglichen Arbeit eine zentrale Rolle. Wir stehen kontinuierlich über E-Mail, Instagram und andere digitale Kommunikationswege mit Schulen, Kooperationspartnern und politischen Akteur*innen im Austausch. Gleichzeitig betreuen wir unsere Social-Media-Kanäle auf verschiedenen Plattformen und informieren dort über unsere Arbeit. All das erfordert einen verantwortungsvollen, professionellen und reflektierten Umgang mit digitalen Medien. Dazu gehört heute auch der bewusste und nachhaltige Einsatz von Künstlicher Intelligenz als unterstützendes Werkzeug. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?Medienkompetenz ist heute eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches zivilgesellschaftliches Engagement. Ein großer Teil der öffentlichen Debatte findet inzwischen im digitalen Raum statt. Wer Menschen erreichen, informieren und für gesellschaftliche Themen begeistern möchte, muss digitale Medien verantwortungsvoll und zielgerichtet einsetzen können. Gleichzeitig ist Medienkompetenz unverzichtbar, um Informationen kritisch zu hinterfragen, Desinformation zu erkennen und sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden. Gerade für eine lebendige Demokratie ist das von zentraler Bedeutung. Welche Herausforderungen und Chancen beobachtet Ihr im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?Wir beobachten sowohl große Chancen als auch Herausforderungen. Digitale Medien ermöglichen es, junge Menschen schnell zu erreichen, Beteiligung niedrigschwellig zu gestalten und politische Themen für viele überhaupt erst zugänglich zu machen. Gleichzeitig verbreiten sich Falschinformationen, Hasskommentare und extremistische Inhalte oft besonders schnell. Deshalb braucht es neben technischen Fähigkeiten vor allem die Kompetenz, Quellen kritisch zu bewerten, respektvoll zu kommunizieren und Verantwortung für die eigenen Inhalte zu übernehmen. Welche positiven Veränderungen könnt Ihr durch Eure Arbeit bewirken oder beobachten?Durch unsere Arbeit konnten wir bereits zahlreiche positive Veränderungen anstoßen. Wir haben viele Schüler*innen dazu motiviert, sich selbst in ihren Schulen oder darüber hinaus zu engagieren und ihre Interessen aktiv zu vertreten. Gleichzeitig ist es uns gelungen, die Anliegen von Schüler*innen stärker in die öffentliche und politische Diskussion einzubringen und den Austausch zwischen jungen Menschen, Politik und Gesellschaft zu fördern. Diese Erfahrungen zeigen uns immer wieder, dass zivilgesellschaftliches Engagement konkrete Veränderungen bewirken kann – vor allem, wenn junge Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre Stimme einzubringen und ernst genommen werden. Welche langfristigen Ziele verfolgt Ihr mit Eurer Tätigkeit?Langfristig möchten wir die Dresdner Schulen zu einem besseren Ort des Lernens und des Miteinanders machen. Schule ist nicht nur Aufgabe der Politik, der Lehrer*innen oder der Eltern. Schule ist ein Ort aller und braucht daher auch ein gemeinsames Miteinander. Wir möchten eine Verbindung zwischen all diesen Gliedern herstellen und dabei helfen, Bildung neu zu denken. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Eure Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?Eine große Rolle spielt die Öffentlichkeit. Unser Team ist mittlerweile relativ groß geworden und umfasst 20 Personen. Dennoch kennen nicht alle Schüler*innen in Dresden den Stadtschülerrat oder wissen, was wir tun. Das finden wir sehr schade, denn jeder hat ein Recht auf Mitwirkung. Daher ist es eines unserer Anliegen, durch die Unterstützung aus Medien und Politik für mehr Öffentlichkeit zu sorgen. Zudem ist für ein Team unserer Größe auch Geld entscheidend, damit wir Projekte und Veranstaltungen umsetzen können. Welche Empfehlung würdet Ihr jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?Engagement muss nicht für jeden eine lebensfüllende Aufgabe sein, die keine Zeit für andere Dinge lässt. Es würde reichen, wenn jeder einen kleinen Teil zu einem großen Ganzen beiträgt, um unseren Alltag lebenswerter zu machen und anderen zu helfen. Gibt es noch etwas, das Ihr gerne mitteilen möchtet?Bildung ist keine Frage der Politik, sondern der Beteiligung, denn sie verändert sich nicht von selbst – wir müssen es tun. Wie können Interessierte Euer Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?Bei Fragen oder Problemen sind wir unter

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Kevin Meinel | Medienpädagoge und Projektleiter der Initiative Medienbildung Vogtland

Medienkompetenz im ländlichen Raum: Warum der zweite Blick auf Nachrichten immer wichtiger wird Medienkompetenz im ländlichen Raum: Warum der zweite Blick auf Nachrichten immer wichtiger wird Kevin Meinel spricht über seine Arbeit an der Schnittstelle von Journalismus, Medienpädagogik und Erwachsenenbildung. Das Gespräch zeigt, warum Medienkompetenz nicht nur vor Betrug und Desinformation schützt, sondern auch zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe stärken kann. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?Mein Name ist Kevin Meinel, ich lebe im vogtländischen Ellefeld und bin Medienpädagoge und freischaffender Videoproduzent. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?Ich bin Projektleiter der Initiative Medienbildung Vogtland, einem Förderprojekt zur Förderung der Nachrichten- und Informationskompetenz von Erwachsenen. Zu meinem Team gehören eine feste Mitarbeiterin sowie eine Volontärin. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?Ich bin über den Journalismus zur Medienpädagogik gekommen. Durch meine jahrelange Arbeit bei einem regionalen Fernsehsender musste ich mich regelmäßig mit Themen wie Fake News, Glaubwürdigkeit von Informationen und Verschwörungserzählungen auseinandersetzen. Dieses Wissen, gepaart mit vielen weiteren Medienkompetenz-Themen, an andere Menschen weiterzugeben, halte ich für eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, der ich mich jeden Tag sehr gerne stelle. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?Wir fördern Erwachsenenbildung im gesamten Vogtlandkreis, also im ländlichen Sachsen. Das reicht, bezogen auf das Alter, von jungen Erwachsenen über Eltern und Multiplikatorinnen bis zu Seniorinnen. Inhaltlich beschäftigen wir uns mit den Themen Fake News, Medienerziehung, den Sozialen Medien inklusive Phänomenen wie Cybermobbing und Cybergrooming sowie Künstlicher Intelligenz. Die Wissensvermittlung erfolgt über verschiedene Formate – von Elternabenden über Workshops bis hin zu Kinoveranstaltungen. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?Neben uns gibt es im ländlichen Raum wenige andere Angebote, die sich mit diesen Themen beschäftigen, obwohl sie zweifellos wichtig sind: Ohne Smartphone kann man teilweise am öffentlichen Leben nicht mehr teilnehmen. Immer neue Betrugsmeldungen und Desinformationen zeigen den Bedarf an Aufklärung. Sowohl Eltern als auch Pädagog*innen stehen vor der Frage, was Jugendliche im Internet machen und wie man damit umgehen sollte. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?Wir begegnen vielen verschiedenen Menschen mit ihren jeweils eigenen Herausforderungen und Problemen. Gemeinsam ist ihnen vielleicht, dass der Wandel, den wir alle bemerken, insbesondere auch bei den Medien zu beobachten ist. Es fällt schwer, verlässliche Informationen zu finden oder über die Generationen hinweg ins Gespräch zu kommen. Eltern wissen teilweise gar nicht, was ihre Kinder den ganzen Tag am Handy machen. Die Lebensrealitäten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen driften immer weiter auseinander. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?Aufgrund unserer Ausrichtung spielen digitale Angebote und Medienkompetenz die Hauptrolle in unserer Arbeit. Zum einen bei der thematischen Schwerpunktsetzung der einzelnen Formate, zum anderen bei der Auswahl der verschiedenen Methoden zur Umsetzung der Angebote. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?Fake News von verlässlichen Informationen unterscheiden zu können und so eine solide Basis für das eigene Engagement zu haben, gehört zweifellos zu einer demokratischen Gesellschaft. Zudem ist es heute wichtig, sich selbst in sozialen Medien präsentieren zu können, beispielsweise um Mitstreiter*innen zu finden und Reichweite für zivilgesellschaftliches Engagement zu generieren. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?Je jünger die Zielgruppe von Vereinen oder Initiativen ist, desto notwendiger ist es, dass sie sich auch in digitalen Medien engagieren. Das ermöglicht natürlich auch Vernetzung, insbesondere im ländlichen Raum. Statt sich alleine im Dorf zu engagieren, findet man möglicherweise in den Nachbarorten Gleichgesinnte und kann sich zusammentun, um so mehr zu erreichen. Gleichzeitig spaltet die Flut an Desinformationen gesellschaftliche Gruppen und führt dazu, dass ein konstruktiver Diskurs mit unterschiedlichen Meinungen immer schwieriger zu führen ist. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?Wir hoffen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass Menschen einen zweiten Blick auf Nachrichten oder Meldungen werfen und sich fragen, ob das so stimmen kann – oder ob sie es mit Fake News oder Betrug zu tun haben. Außerdem ermöglichen wir Teilhabe, gerade von älteren Menschen, an der digitalen Gesellschaft und dem dort stattfindenden Austausch. Wir versuchen Eltern in die Verantwortung zu nehmen, ihnen die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen näherzubringen und dafür zu sorgen, dass Kinder so früh wie möglich medienkompetent aufwachsen. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?Wir wollen uns weiter als Ansprechpartner für Medienkompetenz in der Region etablieren und so viele Menschen wie möglich erreichen. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?Der Bedarf in der Region ist riesig. Um noch mehr Menschen mit unseren Angeboten erreichen zu können, bedarf es mehr Personal und noch mehr gezielter Werbung. Der Knackpunkt ist hier wie so oft die finanziellen Mittel. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?Zunächst kleinere Ziele setzen und nicht gleich die Welt verändern wollen. Man stößt in dem System schnell an Grenzen und muss Hürden nehmen, an die man vorher nie gedacht hätte. Das kann schnell zu Frustration und gegebenenfalls Resignation führen und das Engagement beenden, bevor es richtig angefangen hat. Ehrenamtliches Engagement ist so vielfältig und für unsere Gesellschaft von immenser Bedeutung. Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?Auf unserer Website medienbildung-vogtland.de finden Interessierte alle unsere Veranstaltungen und weitere Infos zu unserem Projekt. Daneben können sie uns gerne per Mail (initiative@medienbildung-vogtland.de) oder telefonisch (03741 / 281 44 55) kontaktieren. Die beste Unterstützung ist die „Mund-zu-Mund-Propaganda“ – wer zufrieden und mit einem Mehrwert aus unseren Veranstaltungen rausgeht, der darf das gerne seinen Freund*innen und Bekannten erzählen. weitere Interviews Interviews Jan Hüfner | Berater und Vorstandsmitglied des Gaionauten e. V. Ulrike Cadot-Knorr | Lebenslanges Lernen Landeshauptstadt Dresden Ulrike Bertus | Haus der Demokratie Leipzig e.V. Jennifer Bernecker | metro polis e.V. Tobias Wallusch | Politischer Jugendring Dresden e.V. Thomas Bächer | IVF Leipzig Siri Pahnke | Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. Paul Groschinski | MediaEducators Vogtland Marcelo | CAMBIO e.V. Julien Deschamps | Fairfilms Janet Torres Lupp | Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen Felix Völkel | KURZFILMTAG C. Z. – Antirassismusberaterin Dresden Kátia Oliveira | Bürgertreff Volkmarsdorf Valentin Lippmann | Landtagsabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Oliver Gibtner-Weidlich | LKJ Sachsen Georg

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Jan Hüfner | Berater und Vorstandsmitglied des Gaionauten e. V.

Bildung mit allen Sinnen: Wie aktuelle Fragen und Zukunftsvisionen erfahrbar werden. Bildung mit allen Sinnen: Wie aktuelle Fragen und Zukunftsvisionen erfahrbar werden. Ein Interview mit Jan Hüfner, systemischer Berater und Vorstandsmitglied des Gaionauten e. V., über die Bedeutung von Gefühl und gemeinsamen Momenten, über die Widersprüche digitaler Technik und darüber, warum die Natur ein Mitbestimmungsrecht braucht. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Ich heiße Jan Hüfner, bin in Jena aufgewachsen. Ich habe Volkswirtschaft und Philosophie studiert, mit der Frage im Kopf: Was hat wirtschaftliches Denken eigentlich mit dem zu tun, was uns wirklich am Herzen liegt? Heute arbeite ich als systemischer Berater und Mediator im Familienrecht, sitze also oft mit kleinen und großen Menschen in ihrem größten Schmerz und versuche, wieder eine Brücke zu bauen. Und dann bin ich noch Gaionaut, ehrenamtlich, mit ganzem Herzen. Zwei Leben, könnte man meinen. Für mich ist es dieselbe Sehnsucht: Menschen wieder miteinander in Verbindung bringen. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin Mitglied im Vorstand beim Gaionauten e.V., mit dem wir unser Resonanz-Labor betreiben. Der Name Gaionaut trägt die ganze Haltung schon in sich, das Gegenteil von Kosmonaut. Die einen fliehen in die Ferne des Kosmos. Wir bleiben hier, auf dieser einen verletzlichen Erde, und spüren den Verbindungen nach, die längst da sind, zwischen einem Fluss und seinen Anwohnern, zwischen einem Kind und seiner Angst vor der Zukunft. Ein fälliger Perspektivwechsel gegenüber einem überzogenen Fortschrittsglauben, der die Erde und uns alle irgendwann zerstören könnte. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Ich komme aus der Smart-City-Welt, aus Zahlen, Dashboards, Kennziffern und technischen Visionen. Und habe irgendwann gespürt, fast körperlich, dass mich noch eine weitere Grafik zur Klimakrise nicht mehr erreicht. Aus meiner Arbeit mit Familien in Krisen kenne ich das: Menschen ändern sich nicht, weil man ihnen die Fakten noch einmal erklärt, sondern weil in einem Moment etwas bei ihnen ankommt, sie etwas erfühlen. Ich habe gemerkt, ich sehne mich selbst danach, den Fluss vor meiner Haustür wieder zu spüren, nicht nur seine Pegelstände zu kennen. Genau da wollten wir ansetzen. Unsere Mitgliedschaft im bundesdeutschen Netzwerk Rechte der Natur hat uns dabei weiter vorangebracht. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Unsere Vision ist der Resonanz-Dome, eine Kuppel, in die man hineingeht wie in einen großen, atmenden Raum. Klimadaten, Wasser, Verkehr werden dort nicht mehr abgelesen, sondern gehört und gefühlt, als Klang, als Licht, das sich mit dem eigenen Atem bewegt. Dazu Bildung, die unter die Haut geht statt nur in den Kopf, gehämmert werden soll und Biokratie, der Versuch, Flüssen und Wäldern endlich eine Stimme zu geben, die man hört, statt sie zu übergehen. Ich sage ehrlich: Vieles davon ist zerbrechlich und im Werden. Wir sind ein Labor, in dem wir uns auch mal die Finger verbrennen. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? 1926 wurde in Leipzig eines der ersten Großraum-Planetarien der Welt eröffnet, ein Ort des Staunens. 2026 wäre es hundert Jahre alt geworden, wenn es nicht schon im Krieg von eben jenem Himmel zerstört worden wäre, den es zu erklären suchte. Daran hängt für mich mehr als Geschichte, es ist ein Gefühl. Ich denke an 1989, an Menschen, die aneinander gedrängt auf der Straße standen, mit Herzklopfen, und in diesem gemeinsamen Moment plötzlich handlungsfähig wurden. Genau dieses Kribbeln, gemeinsam etwas zu spüren und daraus etwas zu machen, ist der Kern unseres Dome. Ich denke dabei auch ganz konkret an unseren Auwald vor der Tür, der von Sommer zu Sommer trockener wird, während im Stadtrat über seine Zukunft verhandelt wird, ohne dass er selbst am Tisch sitzt und man ihm zuhört. Genau so eine Stimme wollen wir mit dem Dome hörbar machen. Leipzig ist für mich kein Standort auf der Landkarte, es ist ein Ort, an dem dieses Gefühl schon einmal in der Luft gelegen hat. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Am schwersten wiegt für mich nicht das Geld, so knapp es ist. Es ist die Müdigkeit der Menschen. Alle sind erschöpft von Krisen und doch alle zu sehr mit sich selbst oder dem beschäftigt, was sie vermeintlich am Leben hält. Und dann kommen wir und sagen: Lass uns gemeinsam fühlen, was mit unserer Welt passiert. Das ist ein zartes Angebot in einer lauten Zeit, und manchmal frage ich mich abends, ob wir überhaupt jemals damit durchdringen. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Hier steckt für mich ein Widerspruch, den ich bewusst mag: Wir nutzen Technik, um Menschen aus ihren Bildschirmen zu holen statt tiefer hineinzuziehen. Der Resonanz-Dome ist konzipiert als das genaue Gegenteil eines VR-Brillen-Metaversums, in dem jeder für sich allein und unsichtbar für die anderen durch seine eigene Welt schwebt. Bei uns stehen viele Menschen im selben Bild, sie hören sich gegenseitig atmen. Ich habe erlebt, wie eine ganze Gruppe für einen Moment still wurde, weil sie gemeinsam die Atmung eines Ökosystems gehört hat, und in dieser Stille lag mehr Verbundenheit als in hundert Erklärungen. Genau darin liegt für mich die eigentliche Kraft von Immersion: Sie öffnet Herz und Hirn gleichzeitig, für eine Idee, die man vorher nicht an sich herangelassen hätte, für eine Sichtweise, die einem bis dahin fremd oder gar zuwider war. Einer Erfahrung, die man am eigenen Leib spürt, verschließt man sich schwerer als einem Argument. Eine Stimmgabel, kein Bildschirm. Unsere KI im Hintergrund darf dabei nie mehr sein als ein leiser Übersetzer, mit einer öffentlichen Verfassung, was sie darf und was nicht. Sie soll uns helfen zu fühlen, nicht uns das Fühlen oder Entscheidungen abnehmen. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Ich glaube, Medienkompetenz beginnt nicht am Bildschirm, sondern im Bauch. Wer einmal am eigenen Leib gespürt hat, was eine Entscheidung für den Fluss vor der eigenen Tür bedeutet, dem kann man nicht mehr so leicht etwas einreden. Dieses Gefühl von “das betrifft mich wirklich” ist für mich die eigentliche Grundlage dafür, dass sich Menschen überhaupt trauen, mitzureden, etwas verändern zu wollen. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz, insbesondere im Hinblick auf

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Ulrike Cadot-Knorr | Lebenslanges Lernen Landeshauptstadt Dresden

Dresden als Stadt des Lebenslangen Lernens gestalten Dresden als Stadt des Lebenslangen Lernens gestalten Ein Interview mit Ulrike Cadot-Knorr – Referentin für Lebenslanges Lernen bei der Landeshauptstadt Dresden – über ihre Arbeit, Lernräume in der Stadt zu vernetzen, Bildung als fortlaufenden Prozess erlebbar zu machen und wie digitale Angebote und Medienkompetenz dazu beitragen, Zugänge zu öffnen und Teilhabe zu stärken. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Ulrike Cadot-Knorr, lebhaft in Dresden, und ich bin seit 2018 bei der Landeshauptstadt Dresden beschäftigt. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin Referentin für Lebenslanges Lernen der Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Bildung, Jugend und Sport. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Der Anstoß für mein Engagement im Bereich Lebenslanges Lernen liegt in meiner langjährigen Arbeit in der Kulturellen Bildung und meinem tiefen Interesse daran, Bildung als einen integrativen, gesellschaftlich wirksamen Prozess zu gestalten. Durch meine beruflichen Stationen, in denen ich kulturelle und bildungsbezogene Projekte initiiert und begleitet habe, wurde mir klar, wie stark Lernen das Leben der Menschen ganzheitlich prägt und verbindet. Ich wollte dieser Wirkung eine neue, breitere Dimension geben: nicht nur einzelne Angebote zu entwickeln, sondern Bildung als fortlaufenden, lebensweltlichen und stadtgesellschaftlichen Prozess zu verstehen und strategisch aktiv mitzugestalten. Mein Anspruch ist es, die vielfältigen Lernräume unserer Stadt so zu vernetzen und weiterzuentwickeln, dass sie für viele Menschen zugänglich sind und Lernen als bereichernde Erfahrung in allen Lebensphasen erfahrbar wird (z. B. in Kultur, Freizeit, Ehrenamt und Alltag). Mir geht es darum, meine bisherigen beruflichen Erfahrungen zu nutzen, um Bildungsprozesse in der Landeshauptstadt Dresden langfristig und für möglichst viele Menschen wirksam zu gestalten. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Meine Arbeit umfasst die Analyse und Bewertung der Bildungsstrukturen in Dresden, insbesondere im Hinblick auf Bildungsbedarfe und Veränderungsprozesse. Ein zentraler Aufgabenbereich ist die Steuerung und Umsetzung des städtischen Gesamtkonzepts Lebenslanges Lernen (L3) zur Förderung von Bildungschancen für alle Bürgerinnen und Bürger. Darüber hinaus begleite ich die Volkshochschule Dresden fachlich und strategisch. Dazu gehören unter anderem das Fördermittel- und Vertragsmanagement sowie die Mitgestaltung von Strategieprozessen. Ich berate außerdem die Geschäftsbereichsleitung für Bildung, Jugend und Sport. Ein weiterer wichtiger Bestandteil meiner Tätigkeit ist die aktive Mitarbeit in Netzwerken und Gremien auf kommunaler, Landes-, Bundes- und internationaler Ebene, um die Weiterentwicklung von Lernorten kontinuierlich voranzubringen. Zudem vertrete ich Dresden im UNESCO Global Network of Learning Cities, wodurch wir Wissen, beispielhafte Praxis und vieles mehr integrieren können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Öffentlichkeitsarbeit: Dazu gehören Beiträge zum öffentlichen Diskurs, Präsentationen sowie Publikationen im Rahmen von L3. Ergänzend dazu berate und begleite ich verschiedene Bildungseinrichtungen. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Meine Arbeit ist für Sachsen relevant, weil sie zeigt, welche Rolle Kommunen heute im Bildungsbereich übernehmen können und müssen. Mit dem Gesamtkonzept Lebenslanges Lernen in Dresden arbeite ich an einer strategischen Grundlage, die Bildung nicht auf Schule oder Ausbildung reduziert, sondern als kommunale Gestaltungsaufgabe über alle Lebensphasen hinweg versteht. Dresden begreife ich dabei als Lernort im umfassenden Sinn: Lernen findet in Kultureinrichtungen, im Ehrenamt, im Quartier, im Beruf und im Alltag statt. Gerade diese non-formalen Bildungsprozesse prägen den größten Teil unseres Lebens und sind entscheidend für Teilhabe, Orientierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für Sachsen ist dieser Ansatz bedeutsam, weil er auf aktuelle gesellschaftliche Veränderungen reagiert – etwa den demografischen Wandel, Fragen der Chancengerechtigkeit, der Digitalisierung, der nachhaltigen Entwicklung und der Polarisierung unserer Stadtgesellschaft – und diese auf kommunaler Ebene konkret bearbeitbar macht. Das Dresdner Gesamtkonzept orientiert sich dabei an den Zielen der Agenda 2030, nicht als abstrakter Rahmen, sondern als praktischer Maßstab für Bildungsplanung, Kooperation und langfristige Verantwortung. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Eine der größten Herausforderungen ist es, Lebenslanges Lernen nicht nur konzeptionell zu denken, sondern es auch praktisch wirksam zu machen. Das betrifft vor allem die Frage, wie die gezielte Förderung des Bereichs so gestaltet werden kann, dass sie tatsächlich Bedarfe trifft und bestehende Arbeit stärkt, statt neue Strukturen neben bereits vorhandene zu setzen. Gleichzeitig arbeite ich in einer sehr vielfältigen Bildungslandschaft, in der vieles parallel entsteht. Diese Vielfalt ist wertvoll, macht es aber notwendig, genauer hinzuschauen: Wo gibt es ggf. Doppelstrukturen? Wo fehlen Verbindungen? Und wie können wir vorhandene Ressourcen besser bündeln? Eine weitere Herausforderung ist die Sichtbarkeit. Ein großer Teil des Lernens findet non-formal, also außerhalb von Schule und beruflicher Bildung statt – in Kultur, im Ehrenamt, in Initiativen oder im Alltag. Diese Bildungsleistungen sind oft zu wenig sichtbar und werden nicht selbstverständlich als Bildung anerkannt. Hier braucht es gezielte Kommunikation und ein Umdenken. Anspruchsvoll ist auch der Aufbau eines stadtweiten Monitorings für Lebenslanges Lernen angesichts der großen Vielfalt von Akteurinnen und Akteuren. Es geht nicht darum, alles messbar zu machen, sondern darum, eine gemeinsame Grundlage zu schaffen, um Entwicklungen besser einschätzen und steuern zu können. Besonders deutlich wird die Herausforderung bei den Ressourcen: Viele Akteure der non-formalen Bildungslandschaft arbeiten unter engen Rahmenbedingungen, während sich gesellschaftliche Anforderungen sehr schnell verändern. Mit dieser Dynamik umzugehen und dennoch langfristig zu planen, ist ein ständiger Balanceakt. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Digitale Angebote sind für meine Arbeit vor allem dann relevant, wenn es um Zugänglichkeit geht. Sie ermöglichen Lernformate, die sich besser an unterschiedliche Lebensrealitäten anpassen – zeitlich, räumlich und organisatorisch. Das ist eine zentrale Voraussetzung, wenn man Lebenslanges Lernen ernst meint. Ich verstehe Bildung nicht als etwas, das an einen festen Ort oder einen bestimmten Zeitpunkt gebunden ist. Digitale Formate helfen dabei, Lernen als fortlaufenden Prozess zu denken, der sich verändern darf und an individuelle Bedürfnisse anschließt. Gleichzeitig erlebe ich, dass digitale Räume in der Bildungsarbeit oft noch zu wenig mitgedacht werden. Medienkompetenz ist eine Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts, wird aber gerade im non-formalen Bereich häufig unterschätzt oder einfach vorausgesetzt. Bei vielen Akteurinnen und Akteuren fehlt es hier noch an Erfahrung, Wissen oder passenden Ressourcen. Meine Aufgabe sehe ich darin, diese Lücke zu thematisieren, Kompetenzen aufzubauen und digitale Angebote so einzusetzen, dass sie tatsächlich Reichweite erzeugen und mehr Menschen erreichen – nicht als technische Lösung, sondern als Teil einer zeitgemäßen Bildungsarbeit. Wie wichtig ist Medienkompetenz

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Ulrike Bertus | Haus der Demokratie Leipzig e.V.

Demokratie braucht sichere Räume: Politische Bildung nah am Menschen Demokratie braucht sichere Räume: Politische Bildung nah am Menschen Ein Interview mit Ulrike Bertus vom Haus der Demokratie Leipzig e.V. (Connewitz) über politische Bildungsarbeit, die Schaffung sicherer Gesprächsräume, in denen Menschen zuhören, sich eine Meinung bilden und Haltung entwickeln können, über die Herausforderungen im Bildungsbereich und die positiven Veränderungen, die daraus entstehen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Ulrike Bertus und ich wohne in Leipzig. Ich habe Geschichte und Politikwissenschaften studiert, danach im Bereich Lokaljournalismus volontiert und danach einige Jahre als Redakteurin im Bereich „Gesellschaft, Politik, Wirtschaft“ gearbeitet. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin beim Trägerverein Haus der Demokratie Leipzig e.V. vom Haus der Demokratie Leipzig in Connewitz tätig. Dort kümmere ich mich um die Öffentlichkeitsarbeit, aber vor allem um die Veranstaltungen im Bereich politische und gesellschaftliche Bildung. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? In meiner Elternzeit habe ich angefangen, mich in dem Bereich zu engagieren und Formate und Projekte zu entwickeln und durchzuführen. Nachdem ich aus der Elternzeit raus war, gab es für mich auch gefühlt keinen Weg mehr zurück in den Journalismus und ich wollte etwas machen, wo ich näher am Menschen dran bin. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ich entwickle Veranstaltungskonzepte wie Gesprächsformate oder Workshops, führe sie selber durch oder hole mir Unterstützung von verschiedenen Expert*innen. Ich kümmere mich um die Förderungen, schaffe Kooperationen mit anderen Vereinen und Initiativen und vertrete den Verein in verschiedenen Netzwerken. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? In meiner Arbeit versuche ich, sichere Räume für Menschen zu schaffen. Räume, in denen miteinander gesprochen, in denen zugehört werden kann. Räume, in denen Besuchende eine Haltung entwickeln und sich eine Meinung bilden können. Räume, in denen sie hören können, wie die eigene Meinung laut ausgesprochen eigentlich klingt. Deshalb versuche ich, die Angebote des Vereins möglichst niedrigschwellig und barrierefrei zu gestalten. Und besonders das finde ich für Sachsen wichtig: Es braucht Begegnungsorte, die jedem Menschen die Chance geben, über das zu sprechen, was ihm wichtig ist. In denen man sich auch ohne großes Vorwissen informieren kann, Fragen stellen kann. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Ich würde drei Hauptherausforderungen nennen: Die Erreichbarkeit der Zielgruppe, die Finanzierung, aber auch die Belastbarkeit der eigenen Grenzen. Ich erlebe in meinen Veranstaltungen oft, dass die Besuchenden sagen, sie dürften doch auch bei mir nicht alles sagen. Das sei ja überall so! Die meisten Menschen im Bildungsbereich kennen diese Aussage sicherlich. Ich freue mich auf der einen Seite, weil diese Menschen ja trotz dieser Einstellung erst einmal gekommen sind. Das ist schon einmal gut und das kommuniziere ich auch klar – sage aber auch, dass man alles sagen dürfe – man aber Widerspruch nicht mit „Ich darf nichts mehr sagen“ gleichsetzen dürfe. Aber wie gesagt: Ich freue mich, dass diese Menschen gekommen sind. Denn es gibt genug, die nicht kommen, weil sie so verinnerlicht haben, dass sie nicht sagen dürfen, dass ihre Meinung nicht zählt (oder sogar „dumm“ sei), dass sie mit ihren Sorgen und Bedürfnissen keine Rolle spielen. Das ist eine riesige Herausforderung, der wir uns im Bildungsbereich unbedingt mehr stellen müssen. Nicht durch vieles Reden, sondern durchs Versuchen und Anbieten. Als zweite Herausforderung ist da natürlich die Finanzierung. Auch wir sind ein Verein, der Expert*innen und Hauptamtliche bezahlen muss. Als Haus der Demokratie sind wir in der glücklichen Lage, dass wir zumindest Veranstaltungsräume im Haus haben, die alle Vereine hier kostenfrei nutzen können. Aber finanziell steckt ja noch sehr viel mehr dahinter: Honorare, Gehälter, Materialkosten, auch Kaffee, Tee, Kekse für die gemütliche Atmosphäre – all das kostet Geld. Und als drittes ist da natürlich auch die eigene persönliche Grenze zu nennen: Politische und gesellschaftliche Bildung macht man aus einer eigenen Haltung heraus. Weil man weiß, was einem wichtig ist, weil wir als Bildner*innen für etwas stehen (wollen). Aber das setzt ständige Selbstreflexion und auch ein dickes Fell voraus. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Besonders in offenen Gesprächsformaten kommen eigentlich immer wieder Themen wie Desinformation, aber auch KI auf. Es ist für viele Besuchende eine extreme Herausforderung mit den zwei Bereichen Schritt zu halten – Faktenchecks brauchen ja erst einmal das Wissen, wie das überhaupt geht und auch den Mut, auf einen Link, der von Freund*innen, von der Familie geschickt wird, mit Misstrauen zu reagieren und dann auch zu widersprechen. Wir versuchen mit praktischen Beispielen an die Themen ranzugehen und üben, Nachrichten zu lesen und zu verstehen: Wie ist eine Nachricht überhaupt aufgebaut? Was sind Quellen und wie kann ich diese einordnen? Was für Artikel gibt es überhaupt in den Medien – was unterscheidet einen Kommentar von einer Meldung? Was ist überhaupt eine Glosse? Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Ich glaube, Medienkompetenz gehört zu den Grundpfeilern einer funktionierenden Zivilgesellschaft. Für Engagement muss ich ja erst einmal wissen, was mich interessiert, was mir wichtig ist – da ist Medienkompetenz eine unverzichtbare Basis. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Digitale Medien sind – phrasenhaft gesagt – Fluch und Segen. Sie schaffen Sichtbarkeit für Themen und Menschen, die sonst nicht sichtbar sind, unterstützen bei der Informationsbeschaffung und sind gleichzeitig oft so voller Hass, Hetze und Falschmeldungen, dass das Digitale auch ein Raum voller Unsicherheiten ist. Digitale Medien sind eine Chance, aber es fehlt eine produktive und wertschätzende Kultur im Miteinander. Außerdem fehlt noch oft die Befähigung, sich sicher im Netz zu bewegen. Dafür braucht es beständiges Lernen und immer wieder die Anpassung an neue Entwicklungen – ob und wie das gelingen kann, das wird jedoch eine große Herausforderung sein. Denn selbst, wenn es genügend Bildner*innen gibt, die Menschen müssen erreicht werden. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Besonders im Umgang mit jungen Menschen erlebe ich immer wieder, dass es ein großes Interesse an gesellschaftlichen Themen gibt. Für mich sind besondere Momente immer die, in denen ich merke,

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Jennifer Bernecker | metro polis e.V.

Zivilgesellschaftliche Gesprächsarbeit in der Straßenbahn: Wie direkte Begegnungen Demokratie stärken Zivilgesellschaftliche Gesprächsarbeit in der Straßenbahn: Wie direkte Begegnungen Demokratie stärken Ein Interview mit Jennifer Bernecker – Gesprächsbegleitung und Projektmitarbeiterin bei metro polis e.V. – über die Bedeutung direkter Kommunikation im öffentlichen Raum, die Chancen und Herausforderungen zivilgesellschaftlichen Engagements und die Sichtbarkeit von Bürger*innenperspektiven. Ein Interview mit Jennifer Bernecker – Gesprächsbegleitung und Projektmitarbeiterin bei metro polis e.V. – über die Bedeutung direkter Kommunikation im öffentlichen Raum, die Chancen und Herausforderungen zivilgesellschaftlichen Engagements und die Sichtbarkeit von Bürger*innenperspektiven. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Jennifer Bernecker, geb. 1993, ich wohne seit 2016 in Dresden und habe nach meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin noch das Abendgymnasium besucht und bis vor kurzem Soziologie im Bachelor an der TU Dresden studiert. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich arbeite beim metro polis e.V. und dort vor allem in der Rolle der Gesprächsbegleitung zwischen Fahrgästen in Dresdner Straßenbahnen. Seit Oktober 2025 werde ich auch in projektkoordinatorische Tätigkeiten sowie in die Öffentlichkeitsarbeit für den Verein eingearbeitet. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Ich habe metro_polis vor ein paar Jahren schon einmal selbst als interessierte Bahnfahrerin gesehen und fand den Ansatz damals schon sehr originell und erfrischend. Als ich von meinem Auslandssemester wiederkam und einen neuen Job gesucht habe, habe ich gesehen, dass Moderator*innen gesucht werden. Ich fand den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation und die Idee, anders über wichtige Themen zu sprechen, spannend. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Zum Einen lade ich Fahrgäste aktiv zu unserem Gesprächsprojekt in der Straßenbahn ein. Dafür fahren wir von Endstation zu Endstation und gehen proaktiv auf die Menschen zu. Daneben moderiere ich diese Gespräche zwischen den Fahrgäst*innen. Außerdem tragen wir Erfahrungswerte und Vorschläge in die metro_polis-App ein, die sich auf unseren Tablets befindet und die wir im Gespräch nutzen. Darüber hinaus werde ich gerade in die (digitale) Öffentlichkeitsarbeit eingearbeitet und werde die Social-Media-Kanäle sowie die Homepage betreuen. Zur Arbeit gehören auch regelmäßige Supervisionen, Teamtage und Besuche zu Tagungen, Kongressen und ähnlichen Veranstaltungen. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Wir sind in Dresden, Leipzig und seit letztem Jahr auch in Chemnitz in den Straßenbahnen unterwegs und sprechen ganz direkt mit den Bürger*innen aus Sachsen über ihre Erfahrungen. Die Idee zu metro_polis entstand dadurch, dass es verstärkt zu verbalen Auseinandersetzungen in der Bahn, aber auch insgesamt in der Gesellschaft gekommen ist und die Art, wie miteinander gesprochen wird, nicht mehr zielführend war. Sachsen erscheint vielleicht besonders als Austragungsort von Problemen, Ängsten und Sorgen, wobei wir der Meinung sind, dass metro_polis in jeder Stadt möglich ist. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Auch wenn schon knapp 14.000 Menschen seit 2019 am Projekt teilgenommen haben, gibt es auch viele Menschen, die das Angebot ablehnen. Das akzeptieren wir, denn das Angebot beruht auf Freiwilligkeit. Es ist mitunter schwierig den Menschen zu vermitteln, dass wir wirklich an ihren Erfahrungen interessiert sind. Viele Menschen sind erst einmal skeptisch und fragen uns, welche Wirkung denn aus dem Projekt hervorgeht. Andere trauen sich nicht, mit fremden Menschen zu sprechen oder glauben, sie hätten nichts beizutragen. Und neben der „Akquise“ von Teilnehmenden ergeben sich mitunter Schwierigkeiten in den Gesprächen, wenn verschiedene Lebensrealitäten und Kommunikationsstile aufeinanderprallen und diese moderiert werden möchten. Dass es dann konstruktiv und versöhnlich im Gespräch weitergeht, ist hohe (Moderations-)Kunst – aber genau dafür sind wir ja da! Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Wir haben seit c.a. 1 ½ Jahren Tablets, die wir mit in die Gespräche nehmen. Dort tragen wir (anonyme) Metadaten der Fahrgäste ein, ihre Dauer am Gespräch und ihre Ideen zum aktuellen Thema. Diese formulieren wir so, dass sie als Items in der metro_polis-App zur Verfügung stehen und in jedem weiteren Gespräch von den moderierenden Personen eingebracht werden können. So entstehen pro Thema viele Erfahrungen und Vorschläge, die wir als „kollektiven Meinungsbildungsprozess“ beschreiben. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Uns ist in den Gesprächen oft aufgefallen, dass sich der Erfahrungswert vieler Teilnehmenden auf Medien jeglicher Art bezieht, also das, was sie gelesen, gesehen oder gehört haben. Das hat einen großen Einfluss auf ihre Meinungsbildung. Wenn wir nachfragen, ob sie schon selbst diese Erfahrung gemacht haben oder ähnliches selbst erlebt haben, dann verneinen sie oft. Für uns spielt das eine große Rolle, weil wir auf der Erfahrungsebene ansetzen und verstehen wollen, wie Menschen zu ihren Einstellungen gelangen. Daher ist Medienkompetenz unerlässlich, um einordnen zu können, woher gewisse Gefühle oder Bedürfnisse gespeist werden – ob sie medial produziert sind oder durch eigenes Erleben. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Die Herausforderung ist vielleicht schon klar geworden. Durch die Vielzahl an Kanälen, Informationen und den Wahrheitsanspruch, die alle vertreten, wird es immer schwieriger herauszufinden, wer denn im „Recht“ ist. Die gesellschaftliche Debatte fokussiert sich aber sehr stark darauf und ist unserer Meinung nicht zielführend. In Zeiten von „alternativer Wahrheiten“ und „Fake News“ wird es ziemlich sicher in der Zukunft noch schwieriger, alle „Wahrheiten“ miteinander zu vereinen. Die Chance von digitalen Medien steckt aber vor allem in der Möglichkeit, viele Menschen durch digitale Medien zu erreichen und Tools zu entwickeln, die Engagement beispielsweise sichtbarer machen. Viele Menschen in den Gesprächen wissen oft nicht von verschiedenen Angeboten und digitale Medien können hier hilfreich sein. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Mithilfe von metro_polis haben eine Vielzahl von Menschen miteinander gesprochen, die sonst nicht aufeinandergetroffen wären. Sie haben, je nachdem wie lange ihre Fahrtdauer war, verschiedene Perspektiven kennenlernen können. Wenn wir Menschen in der Bahn wiedertreffen, berichten sie uns, dass sie noch lange über das Gespräch nachgedacht haben oder durch das Gespräch neue Impulse erfahren haben. Außerdem stellt metro_polis eine Schnittstelle zwischen Verwaltung und Zivilbevölkerung dar. Unsere Ergebnisse sind frei verfügbar für Verwaltung und Politik und dies wird nun auch häufiger konkret genutzt. Beispielsweise sind wir 2024 zum Thema „Kommunale Wärmewende“ in Dresden gefahren und konnten so den ansässigen Planer*Innen wertvolle

Jennifer Bernecker | metro polis e.V. Read More »

Tobias Wallusch | Politischer Jugendring Dresden e.V.

Politik, Medien und digitale Bildung: Junge Menschen für Demokratie stärken Politik, Medien und digitale Bildung: Junge Menschen für Demokratie stärken Ein Interview mit Tobias Wallusch – politischer Bildungsreferent beim Politischen Jugendring Dresden e.V. – über politische Bildungsangebote in Sachsen und demokratische Werte junger Menschen, warum Engagement besonders in Sachsen wichtig ist und welche Methoden helfen, Jugendliche zu motivieren, kritisch, informiert und aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen.  Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Tobias Wallusch, ich wohne und arbeite in Dresden. Hier habe ich auch Politikwissenschaft studiert. Über Praktika und ehrenamtliche Arbeit bin ich in meinem jetzigen Arbeitsfeld der politischen Bildung gelandet. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin politischer Bildungsreferent beim Politischen Jugendring Dresden e.V. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Mir war es immer ein großes Anliegen, politische Themen zu diskutieren und dabei auch kontroversen Positionen Gehör zu verschaffen. Gerade junge Menschen treibt das Interesse an unkonventionellen Aktivitäten und Standpunkten um, für welche eine pädagogische Begleitung hilfreich sein kann. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Bei meiner alltäglichen Arbeit muss man Allrounder sein: Sei es die Recherche oder das methodische Design für Bildungsprojekte, welche selbst durchgeführt werden, grafische Gestaltung für die Öffentlichkeitsarbeit, Antrag, Finanzen und Anträge für Drittmittel oder die Betreuung unserer Ehrenamtlichen und Freiwilligen, es bieten sich viele verschiedene Felder. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Gerade in Sachsen ist das Misstrauen und die Unzufriedenheit mit der etablierten Politik sehr groß, demokratieferne Angebote erfreuen sich dagegen großem Zuspruch. Das ist etwas, was sich auch von der Eltern- auf die Kindergeneration überträgt und strukturelle, mit den Ereignissen in Folge der Wiedervereinigung zusammenhängende Gründe haben mag. Bildungsarbeit ist hier wichtig, um Offenheit für den Dialog und Unterstützung für demokratische Werte zu schaffen. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Es ist nicht leicht, unsere Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit für politische Bildungsangebote zu begeistern, hier sind wir meist auf Kooperationspartner wie Schulen oder Jugendhäuser angewiesen. Außerdem ist es oft eine Herausforderung, komplexe gesellschaftliche Themen so zu vermitteln, dass sie für junge Leute spannend bleiben, an ihre Lebenswelt anknüpfen und zum Mitmachen einladen. Gleichzeitig fehlen im Arbeitsalltag in unserem kleinen zweiköpfigen Team oft die Zeit und personelle Kapazität, um neue Ansätze zu erproben, Projekte langfristig zu sichern oder innovative Formate weiterzuentwickeln Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Schon vor der Corona-Pandemie haben wir begonnen, Inhalte und Methoden digital aufzubereiten – etwa durch den Einsatz von Videos oder Apps wie Kahoot und Actionbound. Digitale Formate eröffnen neue Wege der Wissensvermittlung und können das Interesse der Teilnehmenden deutlich steigern. Wichtig ist uns dabei, dass der Einsatz digitaler Medien kein Selbstzweck wird, sondern pädagogisch sinnvoll bleibt. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt außerdem auf der Förderung von kritischer Medienkompetenz: In einem eigenen Workshop thematisieren wir die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und regen zur Reflexion über Chancen und Risiken an. Auch in unseren anderen Bildungsformaten spielt das Internet immer wieder eine Rolle – schließlich beeinflusst es heute nahezu alle Lebensbereiche. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Ich denke, dass Medienkompetenz heute eine zentrale Voraussetzung für zivilgesellschaftliches Engagement ist. In der Vielzahl von Stimmen und Informationen im digitalen Raum gilt es, verlässliche und demokratische Positionen von Fehlinformation und Hassrede zu unterscheiden. Medienkompetenz bedeutet, Inhalte kritisch zu prüfen, verantwortungsvoll zu kommunizieren und zu einer sachlichen, respektvollen Diskussionskultur im Netz beizutragen. Die Förderung solcher digitalen Demokratiefähigkeiten ist eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Digitale Medien bieten wunderbare Möglichkeiten für eine breitere und tieferen Partizipation der Bürger*innen in modernen Demokratien. Leider lassen sich aber auch die negativen Aspekte wie Desinformation, manipulative Inhalte wie Deepfakes oder Hassrede nicht ausblenden. Deshalb ist es entscheidend, dass jede und jeder den kompetenten Umgang mit digitalen Medien erlernt, um deren Potenziale für gesellschaftliches Engagement verantwortungsvoll und wirkungsvoll nutzen zu können. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Ich denke, dass wir vor allem individuelle Lebenswege mitgestalten. Durch unsere Arbeit motivieren wir junge Menschen, sich demokratisch zu engagieren und ihre Stimme in gesellschaftliche Prozesse einzubringen. Gleichzeitig unterstützen wir sie dabei, ihre eigenen Interessen und Stärken zu entdecken – etwa bei der Studien- oder Berufswahl – und eröffnen ihnen durch internationale Begegnungen und Auslandsaufenthalte neue Perspektiven auf Europa und die Welt. Besonders schön ist es zu sehen, wenn aus diesen Erfahrungen nachhaltiges Engagement oder sogar langfristige Freundschaften entstehen. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Unser Ziel ist es, das Interesse junger Menschen an Politik zu wecken und demokratische Haltungen sowie Handlungskompetenzen zu stärken. Langfristig möchten wir dazu beitragen, dass mehr Menschen informiert, kritisch und engagiert am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und sich aktiv für eine demokratische und gerechte Gesellschaft einsetzen. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Mit einem größeren Team ließen sich Aufgaben und Herausforderungen besser aufteilen und dadurch inhaltlich vertiefen – das ist mit unseren derzeit begrenzten personellen Ressourcen nur eingeschränkt möglich. Auch zusätzliche ehrenamtliche Unterstützung und starke Kooperationspartner wären wichtig, um unsere Arbeit langfristig auszuweiten und neue Projekte umsetzen zu können. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Schaut euch um, vergleicht und sprecht mit Menschen, die sich bereits engagieren. Online-Aktivismus kann wichtig sein, aber echte Beteiligung entsteht vor allem im persönlichen Austausch und im gemeinsamen Handeln. Wer einmal erlebt hat, wie bereichernd politisches Engagement und gemeinsames Gestalten sein können, merkt schnell, dass Mitmachen nicht nur Verantwortung bedeutet, sondern auch Gemeinschaft und Sinn stiftet. Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten? Ich freue mich, dass durch Projekte wie den MedienDemokratieHub zivilgesellschaftliches Engagement sichtbar gemacht und vernetzt wird. Politische Bildung braucht genau solche Plattformen, um voneinander zu lernen und gemeinsam demokratische Kultur zu stärken. Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten? Auf unserer Homepage wwww.pjr-dresden.de finden sich alle generellen Informationen zu unserem Verein, aktuellere Informationen gibt es auf

Tobias Wallusch | Politischer Jugendring Dresden e.V. Read More »

Thomas Bächer | IVF Leipzig

Fußball, Verantwortung und politische Bildung: Warum Engagement im Breitensport Wirkung zeigt Fußball, Verantwortung und politische Bildung: Warum Engagement im Breitensport Wirkung zeigt Ein Interview mit Thomas – Projektkoordinator der Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball – über die Rolle von Vereinen in der Demokratiebildung, die Herausforderungen politischer Bildungsarbeit im Sport und wie Fußballteams zu wichtigen Orten für Empowerment, Teilhabe und gemeinschaftliches Lernen werden können. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Ich bin Thomas und arbeite in Leipzig im Bereich der politischen Bildung. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin Projektkoordinator bei der Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Fußball und seit kurz danach für Politik. Der Fußball als mit Abstand beliebteste Sportart in Deutschland trägt meiner Ansicht nach eine große gesellschaftliche Verantwortung. Ich freue mich, wenn wir Vereine dabei unterstützen können, dieser Verantwortung nachzukommen. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Wir machen Antidiskriminierungs- und Empowermentworkshops mit Fußballteams, Infostände bei Vereinsfesten, organisieren Vernetzungstreffen und Gedenkstättenfahrten und sind Teil von Netzwerken, wie zum Beispiel dem !Nie Wieder-Bündnis. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Laut der Leipziger Autoritarismus-Studie teilen junge Menschen in Ostdeutschland besonders häufig menschenfeindliche Einstellungen, denen wir begegnen wollen. Ich glaube aber, dass länderübergreifend alle Fußballvereine von Bildungsangeboten wie unseren profitieren. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Die Ungewissheit in Bezug auf die Finanzierung stellt die größte Herausforderung dar. Im Moment werden wir vom Land Sachsen gefördert, die erste Jahreshälfte über war das unklar und wir mussten uns über Spenden und Preisgelder finanzieren. Fundraising und Förderanträge kosten Nerven und Kapazitäten. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Während der Kontaktbeschränkungen der Covid-Pandemie haben wir einige unserer Formate in den digitalen Raum verlegt. Ansonsten finden unsere Angebote hauptsächlich analog statt. Die Inhalte beziehen sich in erster Linie auf Fußball und alles, was damit zusammenhängt – das ist neben Platz, Tribüne und Umkleide natürlich auch der Teamchat. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Wer gesellschaftliche Zusammenhänge verstehen und vermitteln möchte, braucht definitiv eine gewisse Medienkompetenz. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Desinformation, Manipulation und KI-Slop erschweren demokratische Teilhabe. Es wird immer schwerer, gemeinschaftlich über die Lösung von gesellschaftlichen Problemen nachzudenken, wenn man sich zunächst darüber verständigen muss, welche Probleme es überhaupt gibt und welche nicht. Gleichzeitig ermöglichen digitale Medien es kritischen Nutzer*innen, sich mit wenig Aufwand über verschiedenste Themen zu informieren und können so auch Teilhabe erleichtern. Voraussetzung dafür ist allerdings ein gewisses Maß an Medienkompetenz. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Egal ob bei jugendlichen Spieler*innen oder älteren Vereinsfunktionären, es ist immer schön zu sehen, wenn wir eine Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Partizipation anregen können und zum Perspektivwechsel ermutigen. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Die Auseinandersetzung von Fußballvereinen mit gesellschaftlichen Themen sollte zur Norm werden. Die Verbände, insbesondere der DFB, sollten stärker in die Verantwortung genommen werden, sich für nachhaltige Bildungsprojekte einzusetzen und Betroffene zu schützen, statt nur Lippenbekenntnisse abzugeben und sich mit Imagekampagnen gut darzustellen. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Diejenigen, die sich ehrenamtlich in den Breitensportvereinen engagieren, haben meist nicht die Kapazitäten, sich neben Training, Infrastruktur und Vereinsverwaltung auch noch um Antidiskriminierungsarbeit zu kümmern. Daher versuchen wir, unsere Angebote für die Vereine so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten. Oft gibt es Einzelne, die sich gegen Diskriminierung stark machen und auf Zusammenarbeit mit Initiativen wie unserer hinwirken, nachhaltiger wird es, wenn Ideen von Partizipation und diskriminierungsfreiem Zusammenleben von einer breiten Basis im Verein getragen werden. Hier fehlt teilweise die Einsicht, dass (Vereins-)Sport immer auch eine politische Dimension hat. Und wir könnten effektiver arbeiten, wenn unsere Finanzierung längerfristig gesichert wäre. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten dranbleiben, Verbündete suchen, sich nicht von Rückschlägen unterkriegen lassen. Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten? Instagram: @ivf.leipzigWebsite: www.ivf-leipzig.org weitere Interviews Interviews Ulrike Cadot-Knorr | Lebenslanges Lernen Landeshauptstadt Dresden Ulrike Bertus | Haus der Demokratie Leipzig e.V. Jennifer Bernecker | metro polis e.V. Tobias Wallusch | Politischer Jugendring Dresden e.V. Thomas Bächer | IVF Leipzig Siri Pahnke | Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. Paul Groschinski | MediaEducators Vogtland Marcelo | CAMBIO e.V. Julien Deschamps | fairfilms Janet Torres Lupp | Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen Felix Völkel | KURZFILMTAG C. Z. – Antirassismusberaterin Dresden Kátia Oliveira | Bürgertreff Volkmarsdorf Valentin Lippmann | Landtagsabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Oliver Gibtner-Weidlich | LKJ Sachsen Georg Salditt | Internationales Bildungszentrums St. Marienthal Sophia Philipp | Social Web macht Schule Nilsson Samuelsson | Ausländerrat Dresden e.V.

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Siri Pahnke | Netzwerk für Demokratische Kultur e.V.

Demokratie braucht Haltung: Engagement, Vielfalt und gelebte Mitmenschlichkeit in Sachsen Demokratie braucht Haltung: Engagement, Vielfalt und gelebte Mitmenschlichkeit in Sachsen Ein Interview mit Siri Pahnke – Soziologin, Kulturwissenschaftlerin und Projektkoordinatorin beim Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. (NDK) in Wurzen – über Empowerment, die Herausforderungen demokratischer Bildungsarbeit im ländlichen Raum und die Bedeutung von Medienkompetenz für eine vielfältige und solidarische Gesellschaft. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Siri Pahnke, ich arbeite in der Projektkoordination und bin seit vielen Jahren als Beraterin für NGOs im ländlichen Sachsen tätig, die sich für Demokratie einsetzen. Seit sieben Jahren bin ich Teil des Netzwerks für Demokratische Kultur e.V. (NDK) in Wurzen bei Leipzig. Das NDK verbindet Menschen, die Haltung zeigen und sich für eine demokratische Kultur in der Region engagieren – für gelebte Mitmenschlichkeit, Mitbestimmung, Nachhaltigkeit und Freiheit. Wir setzen uns für eine bedürfnisorientierte Gesellschaft ein, die auf Solidarität beruht, für achtsame und wertschätzende Kommunikation, für politische Beteiligung auch außerhalb von Parlamenten, für Klimagerechtigkeit sowie für eine lebendige und kritische Erinnerungskultur. In unserem Haus in Wurzen leben wir unsere Werte. Mit Bildungsarbeit, kulturellen Veranstaltungen, Vernetzung, Begegnung und Information möchten wir die Entwicklung einer aktiven demokratischen Zivilgesellschaft in der Region fördern. Wir sind offen für alle, die die Gleichwertigkeit eines jeden Menschen anerkennen. Deshalb schließen wir menschenfeindliches Gedankengut sowie diskriminierende Haltungen und Handlungen konsequent aus. So schaffen wir Räume, in denen sich alle Menschen sicher fühlen können. Ich bin Soziologin und Kulturwissenschaftlerin und engagiere mich ehrenamtlich als Radiomacherin beim freien Sender Radio Blau. Der Verein besteht aus vielen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Menschen, die mit ihren Ressourcen und ihrer Expertise mutig für eine gerechte, vielfältige und freie Stadtgesellschaft eintreten. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Derzeit arbeite ich im Projekt „Female Power“, in dem wir Mädchen und junge Frauen empowern und den interreligiösen Dialog fördern. Uns geht es darum, Menschen zu stärken in dem, was sie sind, und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Perspektiven, Bedarfe und Fähigkeiten in die Stadtgesellschaft einzubringen – und gleichzeitig der Stadtgesellschaft die Chance zu eröffnen, Vielfalt als Potenzial wahrzunehmen. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Mich beschäftigt seit meiner Jugend die Frage nach gesellschaftlicher Macht und Privilegien. Aufgewachsen im ländlichen Niedersachsen begegneten mir immer wieder Ungleichheiten sowie ein Mangel an Beteiligungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Im Studium habe ich mich intensiv mit Migrationsbiografien und Rassismus auseinandergesetzt. Die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Position als weiße, junge und durch mein Elternhaus privilegierte Frau führte zu einem durchaus schmerzhaften Prozess der Selbstreflexion. Dabei wurde mir klar: Wir kommen gesellschaftlich nur weiter, wenn wir gemeinsam für ein gerechteres und besseres Leben kämpfen. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ich selbst organisiere vor allem  Empowerment-Workshops, Ausflüge, Feste und Veranstaltungen im Kontext von Demokratiebildung, Interkulturalität, Antidiskriminierung und Interreligiosität. Dazu gehören Demokratieworkshops an Grundschulen und Anti-Rassismus-Workshops an weiterführenden Schulen. Außerdem produziere ich die Radiosendung „Her mit dem schönen Leben“. Weitere Schwerpunkte sind Vereinsarbeit, Vernetzung sowie sehr viel Beziehungs- und Kommunikationsarbeit direkt vor Ort in unserem offenen Haus. Zudem unterstützen wir Initiativen, die von Menschen in Wurzen selbst umgesetzt werden. Das Portfolio des Vereins ist noch viel breiter. Wir machen bisher noch sehr viele Kulturveranstaltungen in unserem Kulturkeller, von Klimamonologen, über den Punkrocktresen, Kinovorführungen für Grundschüler*innen, Lesungen etc. Wir klären auf über rechte Vorfälle in Wurzen und dem Landkreis und arbeiten dazu mit Schüler*innen Peer to Peer, gerade organisieren wir mit dem Festival Politik im freien Theater viele Veranstaltungen. Darüber hinaus betreuen wir im Team zusammen seit Anfang diesen Jahres ehrenamtlich das Tagungshaus in den oberen Etagen unseres Soziokulturellen Zentrums. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Demokratiebildung sollte ein Querschnittsthema sein, das bereits in Schulen vermittelt wird. Kinder und Jugendliche müssen sich früh mit Fragen wie Freiheit, Gleichheit, Pluralität und Solidarität auseinandersetzen. Wie gestalten wir unser Zusammenleben auf Grundlage geteilter Werte? Wie reden wir miteinander, wie können verschiedene Meinungen gut verhandelt werden und wie können wir Missverständnisse minimieren? Demokratische Kultur ist keine Selbstverständlichkeit, sondern harte Arbeit. Dennoch sind sich die meisten Menschen einig, dass Demokratie die beste Form des Zusammenlebens ist, die wir bisher entwickelt haben. Damit das so bleibt, braucht es Räume für Dialog, Perspektivwechsel, Beteiligung, Zuhören, konstruktive Kritik und verantwortungsvolle Entscheidungen. Das ist nicht nur in Sachsen, sondern gesamtgesellschaftlich von Bedeutung. Darüber hinaus sind Schutzräume nötig, in denen diskriminierungserfahrene Menschen sich ausdrücken, stärken und für ihre Rechte eintreten können. Ebenso braucht es breite Solidarität und Unterstützung, die nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder neu erkämpft werden muss. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wir erleben große Unsicherheit und Ablehnung, viel Lethargie sowie Angst und Schwierigkeiten im Umgang mit Veränderungen. Hinzu kommen rechte Strukturen in Wurzen, die sich in Farbanschlägen, eingeschlagenen Fensterscheiben oder Beleidigungen auf Social Media und auf der Straße zeigen. Das ist bedrohlich und stellt auch unsere Sicherheit infrage, ganz zu schweigen, was es für eine Stadt heißt, wenn ein Akteur, der für Vielfalt und Veränderungspotential steht, bedroht wird. Ebenso gefährlich ist jedoch das Desinteresse oder die Überforderung vieler Menschen, die – aus nachvollziehbaren Gründen – so sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt sind, dass ihnen die Motivation fehlt, sich in die Gemeinschaft einzubringen. Ganz aktuell lehnte der Stadtrat Spenden ab, die es uns ermöglicht hätten, einen weit größeren Teil an Fördermitteln einzuwerben. Dieses Ausbleiben von Fördermitteln führt dazu, dass wir das Herzstück unserer Arbeit vor Ort – die Bespielung unseres Hauses – radikal zurückfahren müssen, da die personellen und betrieblichen Ressourcen fehlen. Das ist fatal, gerade auch im Kontext, dass wir dieses Haus mit unglaublich viel Eigenleistung und Engagement aus der Stadt erst vor Kurzem fertig renovieren konnten. So viele Menschen, wie im Moment unser Haus nutzen,  hatten wir durch die Baustelle schon lange nicht mehr hier – es sind so viele, dass wir kaum hinterherkommen! Da geht’s um den Spielnachmittag, das Sprachcafe, Schreibwerkstatt, die Yogagruppe, den Kreativtreff etc. und natürlich das neu fertiggestellte Tagungshaus mit seinen vielfältigen Gästen. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Eine deutlich größere, als wir es uns eingestehen wollen. Gerade junge Menschen sind stark

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Paul Groschinski | MediaEducators Vogtland

Medienkompetenz stärken, Demokratie fördern: Bildungsarbeit im Vogtland Medienkompetenz stärken, Demokratie fördern: Bildungsarbeit im Vogtland Ein Interview mit Paul Groschinski – Leiter des Projekts MediaEducators Vogtland – über die Bedeutung von Informations- und Nachrichtenkompetenz, kreative Bildungsarbeit in der offenen Jugendarbeit und wie praxisnahe Medienbildung junge Menschen dazu befähigt, kritisch, selbstbewusst und aktiv an unserer Gesellschaft mitzuwirken Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Paul Groschinski, ich bin 31 Jahre alt und lebe in Plauen im Vogtland.  Aufgewachsen bin ich im Bonner Raum. Ich habe Kultur- und Erziehungswissenschaften  studiert und anschließend einen Master in Erwachsenenbildung mit den Schwerpunkten  politische Bildung und Medienbildung abgeschlossen. Beruflich war ich in der  pädagogischen Begleitung von Freiwilligendienstleistenden, in der Netzwerkarbeit einer  Stadtbibliothek sowie als Bildungsreferent in der kirchlichen Erwachsenenbildung tätig. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Aktuell leite ich das Projekt MediaEducators Vogtland. In Kooperation mit Einrichtungen der  offenen Kinder- und Jugendarbeit entwickeln und gestalten wir Angebote, welche die  Medien- und Demokratiekompetenz stärken. Dazu gehören zum Beispiel Workshops zu  Themen wie Künstliche Intelligenz, soziale Medien und ihre Plattformlogiken oder der  Umgang mit Fake News. Ergänzt werden die Angebote durch Exkursionen – etwa zum MDR  – und kreative Projektformate. Ein besonders schönes Beispiel ist unser Ferienprojekt „19 Steine“: Hier haben Kinder und  Jugendliche die Biografien der Menschen hinter den Stolpersteinen ihrer Stadt recherchiert  und in selbst produzierten Audiobeiträgen hörbar gemacht. Diese Beiträge wurden zudem in  eine digitale Schnitzeljagd mit der App Actionbound eingebunden, sodass diese vor Ort bei den Stolpersteinen abgespielt werden können. Solche Formate verbinden Medienbildung mit historisch-politischer Bildung und zeigen, wie lebendig Lernen werden kann, wenn junge Menschen selbst aktiv werden. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Angesichts der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen und der sich ständig wandelnden  Medienlandschaft ist es mir ein großes Anliegen, dass junge Menschen in ihren  demokratischen Werten gestärkt werden und lernen, sich souverän und reflektiert im Internet zu bewegen. Nur wer Informationen kritisch einordnen kann, ist in der Lage, sich  selbstbestimmt eine Meinung zu bilden und aktiv an unserer Gesellschaft teilzunehmen. Seit meiner Jugend engagiere ich mich in der Jugendarbeit und habe immer gerne mit  Gruppen gearbeitet. Es macht mir große Freude, gemeinsam mit Jugendlichen und  pädagogischen Fachkräften kreativ zu werden, eigene Medienprodukte zu entwickeln und  dabei ganz praktisch Medien- und Informationskompetenz zu fördern. Auf diese Weise einen  kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass unsere Gesellschaft respektvoll, kritisch und  demokratisch bleibt, motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, gemeinsam mit verschiedenen Einrichtungen im  Vogtland Bildungsangebote und -formate zu gestalten und umzusetzen. Dabei geht es oft  darum, Konzepte zu entwickeln, die wirklich zu den jeweiligen Einrichtungen und den  jungen Menschen vor Ort passen. Die Konzeption erfolgt in enger Absprache mit unseren  Projektpartnern, um Themen, Methoden und Abläufe so zu gestalten, dass sie im Alltag der  Einrichtungen funktionieren. Den Großteil der Angebote begleite ich auch praktisch. Das macht die Arbeit sehr lebendig  und abwechslungsreich. Gleichzeitig gehört auch die Koordination des Gesamtprojekts dazu: Ich halte das Team und die externen Referent:innen zusammen, plane Abläufe, stimme mich mit den Projektpartnern ab und sorge dafür, dass alles gut ineinandergreift. Wichtig ist mir, dass die Einrichtungen durch unsere Zusammenarbeit langfristig eigene  Strukturen aufbauen und Angebote selbstständig weiterführen können. Dazu kommen  natürlich auch Aufgaben wie die Dokumentation, Evaluation, Öffentlichkeitsarbeit und die  finanzielle Abwicklung der einzelnen Maßnahmen. Kurz gesagt: Ich sorge dafür, dass aus  Ideen konkrete Bildungsangebote werden, die sich nachhaltig etablieren. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Die GMK-Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug“ zeigt, dass Erfahrungen mit Hass und  Hetze im Netz viele Menschen davon abhalten, sich online politisch einzubringen. Die Studie  betont daher ausdrücklich, wie wichtig die Stärkung von Medien- und  Nachrichtenkompetenz ist, politische Teilhabe nachhaltig zu ermöglichen. Im ländlichen  Raum Sachsens ist dieser Bedarf meiner Meinung nach besonders spürbar: Der Zugang zu  Bildungsangeboten ist oft begrenzt, während Desinformation und einfache Antworten auf  komplexe Fragestellungen in sozialen Netzwerken schnell Verbreitung finden. Genau hier  setzt unsere Arbeit an – wir wollen jungen Menschen Werkzeuge an die Hand geben, um  Informationen kritisch einzuordnen, Manipulationsstrategien zu erkennen und sich reflektiert  eine eigene Meinung zu bilden. Das stärkt nicht nur den Einzelnen, sondern auch den  gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Kultur in der Region. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Eine der größten Herausforderungen ist sicher, mit den sehr unterschiedlichen  Voraussetzungen in der offenen Jugendarbeit umzugehen. Man weiß nie genau, wer am Ende tatsächlich vor einem steht – wie viele Jugendliche kommen, in welchem Alter, mit welchen Interessen oder Themen sie sich gerade beschäftigen. Diese Unverbindlichkeit macht die Arbeit gleichzeitig spannend und herausfordernd: Angebote müssen so gestaltet sein, dass sie spontan anschlussfähig sind und trotzdem einen klaren roten Faden haben. Hinzu kommt, dass wir zunehmend mit Radikalisierungstendenzen konfrontiert sind – sei es  in Form von extremen Meinungen, Abgrenzungstendenzen oder gesellschaftlicher  Polarisierung, die sich auch in jugendlichen Gruppen widerspiegeln. Das verlangt viel  Fingerspitzengefühl, Offenheit und gleichzeitig eine klare Haltung. Da die Jugendlichen freiwillig teilnehmen, steht und fällt vieles mit der Attraktivität und  Relevanz der Angebote. Inhalte müssen an ihre Lebenswelt anknüpfen, gleichzeitig aber auch über sie hinausweisen. Das bedeutet, man ist ständig gefordert, Themen, Formate und  Zugänge weiterzuentwickeln, um die Jugendlichen wirklich zu erreichen – ohne sie zu  überfordern oder zu belehren. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?  Digitale Angebote im Sinne von Online- oder hybriden Formaten spielen bisher keine Rolle  in unserer Arbeit. Unser Ansatz ist ein aufsuchendes Konzept: Wir arbeiten direkt in den  Jugendzentren und somit sozialen Räumen, in denen sich die Jugendlichen ohnehin aufhalten. So können wir sie viel besser erreichen, als wenn sie geplant an einer Online-Veranstaltung teilnehmen müssten. Trotzdem sind digitale Werkzeuge und Medienkompetenz zentrale Bestandteile unserer  Projekte. Wir nutzen verschiedene Tools, um die Jugendlichen praktisch an den Umgang mit  digitalen Medien heranzuführen – sei es für kreative Projekte, Recherche oder  Präsentationen. Dabei geht es nicht nur um die reine Bedienung der Technik, sondern vor  allem darum, Medien bewusst, reflektiert und kreativ zu nutzen. So lernen die Jugendlichen,  Informationen

Paul Groschinski | MediaEducators Vogtland Read More »