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Interview mit Marcelo – CAMBIO e.V.

Kunst, Engagement und Medienkompetenz: Wie kulturelle Projekte Demokratie erlebbar machen

Kunst, Engagement und Medienkompetenz: Wie kulturelle Projekte Demokratie erlebbar machen

Ein Interview mit Marcelo – Projektkoordinator beim CAMBIO e.V. – über künstlerisches Engagement, die Förderung von Medienkompetenz und den Aufbau von Räumen für gesellschaftlichen Austausch in Sachsen.

Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Ich bin Marcelo, komme ursprünglich aus Brasilien und lebe seit einigen Jahren in Dresden. Bevor ich nach Deutschland kam, habe ich fünf Jahre lang als Anwalt gearbeitet. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass ich lieber in einem Bereich tätig sein möchte, in dem ich direkter mit Menschen und gesellschaftlichen Themen zu tun habe. Und so bin ich im zivilgesellschaftlichen Engagement gelandet.

In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?

Heute arbeite ich beim CAMBIO e.V. als Projektkoordinator, vor allem für die Political Art Days und Erasmus+ Projekte. Außerdem bin ich auch in der Konzeption und Moderation von Workshops aktiv.

Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?

 

Was mich an dieser Arbeit begistert, ist die Möglichkeit, mich mit Menschen und mit der Stadt, in der ich lebe, wirklich zu verbinden. Viele der Leute, mit denen ich arbeite, sind gleichzeitig Freund:innen. Das macht meine Arbeit zu etwas, das über das Berufliche hinausgeht.

Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?

Mein Arbeitsalltag ist ziemlich vielfältig: Ich entwickle Projektideen, schreibe Anträge, koordiniere die Umsetzung und dokumentiere die Ergebnisse. Gleichzeitig bin ich auch bei Veranstaltungen und Workshops aktiv. Also nicht nur hinter dem Laptop, sondern auch direkt mit den Menschen, mit denen wir arbeiten.

Die Political Art Days sind dabei eines unserer zentralen Projekte: ein Festival, das Kunst, Aktivismus und gesellschaftlichen Austausch verbindet. Jedes Jahr engagieren sich rund 30 Freiwillige, und das Festival schafft einen Raum, in dem sich Menschen begegnen, vernetzen und neue Ideen für sozialen Wandel entwickeln.

Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?

Gerade in Sachsen ist es wichtig, solche Räume zu schaffen: niedrigschwellige, offene Angebote, die Menschen einladen, sich mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und Demokratie ganz praktisch zu erleben.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?

Ganz klar: Finanzierung. Fördermittel zu finden und langfristige Planung zu ermöglichen, ist immer ein Balanceakt. Das kennen wahrscheinlich viele Organisationen in unserem Bereich.

Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?

Digitale Medien spielen bei uns eine große Rolle, für Kommunikation, Vernetzung und Sichtbarkeit. Ohne digitale Präsenz würde vieles einfach untergehen. Gleichzeitig sehen wir, wie wichtig Medienkompetenz ist: Sie hilft Menschen, Informationen kritisch einzuordnen, sich an Diskussionen zu beteiligen und selbst aktiv zu werden.

Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?

Für mich ist Medienkompetenz inzwischen einfach Teil von gesellschaftlichem Engagement. Wenn man sich einbringen will, muss man wissen, wie man sich im digitalen Raum bewegt, wie man Informationen einordnet, eigene Gedanken teilt und mit anderen in Kontakt bleibt. Gerade online entscheidet sich oft, wie wir über Themen sprechen, was sichtbar wird und was nicht.

Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?

Ich sehe in digitalen Medien eine große Chance, Menschen miteinander zu verbinden und gesellschaftliche Themen sichtbar zu machen. Aber gerade hier in Dresden merke ich, wie schwierig es oft ist, wirklich alle zu erreichen. Es fühlt sich manchmal so an, als würden viele in ihren eigenen digitalen Blasen leben. Also Gruppen, die kaum miteinander sprechen oder sich gegenseitig zuhören.
Deshalb ist es für mich so wichtig, Medienkompetenz zu fördern. Es geht nicht nur darum, technische Fähigkeiten zu haben, sondern auch darum, Brücken zwischen unterschiedlichen Perspektiven, Altersgruppen und Hintergründen zu bauen. Nur so können wir die demokratischen Möglichkeiten digitaler Räume wirklich nutzen, statt uns weiter voneinander zu entfernen.

Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?

Durch unsere Projektarbeit konnten wir Menschen erreichen und für gesellschaftliche Themen sensibilisieren, die zuvor wenig Berührungspunkte mit zivilgesellschaftlichem Engagement hatten. Wir beobachten, dass unsere Angebote Dialog fördern, Perspektiven erweitern und Menschen ermutigen, sich aktiv einzubringen.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?

Langfristig möchte ich durch meine Arbeit dazu beitragen, dass gesellschaftliche Veränderung nicht nur eine Idee bleibt, sondern auch konkret spürbar wird. Also, in Begegnungen, in Projekten, in neuen Formen von Miteinander.

Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?

Um das weiter auszubauen, brauchen wir vor allem verlässliche, längerfristige Finanzierung. Mehrjährige Förderungen würden es ermöglichen, Projekte nachhaltiger zu planen, Strukturen zu stabilisieren und das Engagement der Menschen langfristig zu unterstützen.

Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?

Ich würde sagen: Such dir Menschen, die ähnlich denken wie du oder einen Verein, der für etwas steht, das dir wichtig ist. Allein ist Engagement schwer, aber in Gemeinschaft entsteht Energie. Geh zu Veranstaltungen, tausch dich aus, lern andere kennen, die auch etwas bewegen wollen. So entstehen neue Ideen, Projekte, und manchmal auch Freundschaften.

Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten?

Nein, danke für die Einladung und für eure Arbeit.

Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?

Website:

www.cambio-aktionswerkstatt.de

www.politicalartdays.de

Instagram:

@cambio.ev

@political.artdays