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Interview mit Nilsson Samuelsson

Migration, Integration und Engagement: Warum aktive Teilhabe so entscheidend ist

Migration, Integration und Engagement: Warum aktive Teilhabe so entscheidend ist

Ein Interview mit Nilsson Samuelsson – Stadtplaner und langjähriger Vorstandsvorsitzender des Ausländerrat Dresden e.V. –  über die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements, die Unterstützung von Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung und die Rolle digitaler Medien in der Meinungsbildung und demokratischer Teilhabe.

Kannst du dich einmal kurz vorstellen?

Ich bin Nilsson Samuelsson, 58 Jahre alt. Ich komme aus Schweden und bin 1998 über einen Erasmus-Austausch nach Dresden gekommen. Seit 2010 arbeite ich in der Stadtverwaltung als Stadtplaner. Nach meiner Ankunft in Dresden hatte ich schon ziemlich früh Kontakt mit dem Ausländerrat Dresden. Die haben immer viele Veranstaltungen organisiert, wie Sommerfeste, bei denen ich öfter dabei war und ich fand es einen coolen Verein, der gute Sachen macht. Dann habe ich im Ausländerrat Menschen kennengelernt und bin Mitglied geworden. Später war ich dann im Vorstand stellvertretender Vorsitzender und habe dann den ehrenamtlichen Vorstand übernommen. Der Ausländerrat ist inzwischen über 35 Jahre alt, stark gewachsen und alles begann mit dem Gedanken, Menschen zu helfen, sich hier zurechtzufinden. Alle Projekte, die wir umsetzen, zielen darauf ab, Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung zu helfen und dabei die Stadtgesellschaft zusammenzuhalten. Denn wenn Menschen gut ankommen, dann finden sie auch einen Platz und dann trägt das auch dazu bei, dass die Stadtgesellschaft etwas davon hat.

Welche konkreten Aufgaben umfasst da deine Arbeit?

Ich bin im ehrenamtlichen Vorstand tätig, neben meiner 40-Stunden-Arbeit als Stadtplaner. Die Vorstandsarbeit besteht aus monatlichen Vorstandssitzungen. Der Vorstand besteht aus 7 Personen aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Perspektiven und Hintergründen. Wir übernehmen vor allem formelle Aufgaben, haben daneben aber auch eine Geschäftsführung und eine Geschäftsstelle, die die „Alltagsarbeit” übernehmen. Dabei werden zahlreiche verschiedene Projekte betreut für verschiedene Altersgruppen und in verschiedenen Sprachen, Flüchtlingsarbeit, Sozialarbeit und noch mehr. Wir haben inzwischen 50-70 Mitarbeitende an mehreren Standorten, die teilweise auch relativ autonom in ihren Projekten arbeiten, weshalb ich auch bis heute nicht alle Mitarbeitenden kennengelernt habe.

Kannst du mir ein konkretes Projekt nennen, was der Ausländerrat gerade umsetzt?

Wir haben zum Beispiel einen Kindergarten, das Café Halva in Johannstadt als eine Art Treff, ein Frauenprojekt und auch einen Männertreff mit Vätern – Diese Projekte laufen dann alle über mehrere Jahre. Darüber hinaus schauen wir immer in die Gegenwart: Was ist gerade aktuell? Wo passen unsere Kompetenzen rein? Wenn Bund, Länder oder Gemeinden nach freien Trägern suchen, die Aufgaben übernehmen können, dann setzen wir auch da verschiedene Projekte im sozialen Bereich um.

Warum ist deine Arbeit und die Arbeit des Ausländerrats vor alle für Sachsen oder für Dresden von Bedeutung?

Soweit ich weiß sind wir die größte selbstorganisierte Migrantenorganisation in Sachsen. Über die vielen Jahre hinweg haben wir uns ein Netzwerk aufgebaut. Viele Menschen haben sich über den Ausländerrat Dresden kennengelernt und auch viele, die heute nicht mehr direkt bei uns sind, sind in anderen Organisationen aktiv. Das ist alles nur möglich, weil wir auch Menschen haben, die sich Vollzeit damit beschäftigen. Ehrenamtlich stößt man irgendwann an seine Grenzen, was man leisten kann. Wenn man sich jedoch als Verein organisiert, hat man ein ideelles Ziel und mit der Bindung professioneller Menschen, wie Sozialpädagog*innen und Expert*innen, und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, kann man aus diesem ideellen Ziel etwas aufbauen, was man als einzelner Mensch nicht bewältigen kann. Ich glaube, das ist es, was den Ausländerrat ausmacht – Über die Jahre hinweg diese Kombination aus gutem, professionellem Arbeiten und ehrenamtlichem Engagement. Dadurch entfaltet man eine Kraft, die deutlich größer ist als die Stunden, die da bezahlt werden.

Neben dem knappen zeitlichen Aspekt in Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit – welchen Herausforderungen begegnest du sonst noch in deiner Arbeit?

Unsere Grundarbeit beruht auf dem Wissen darum, dass die Welt so ist, wie sie ist und schlimme Dinge passieren. Und an bestimmten Orten führt das dazu, dass Menschen dort nicht bleiben können und weg müssen. Daraufhin müssen Menschen Asyl beantragen. Sie bekommen aus verschiedenen Gründen ein Recht zu bleiben – oder auch nicht. Auch diese Gruppe gibt es, die zwischen Tür und Angel schweben und manchmal niemand für sie da ist. Das ist eine Herausforderung, die Welt so zu nehmen, wie sie ist, und nicht, wie sie sein sollte.
Es gibt nicht nur die Gesetze – Menschen haben Bedürfnisse jenseits von dem, was gerade zulässig oder nicht zulässig ist. Das ist also eine große Herausforderung: Alles dafür zu tun, dass Menschen, die hier sind, aus welchen Gründen auch immer, sich gut beraten fühlen. Sie auf Bildungskonzepte aufmerksam zu machen oder auf Vereine zu verweisen. Dazu gehören natürlich auch ganz alltägliche Dinge wie Sprache und Amtsgänge, oder auch Fahrradfahren, was auch ein Projekt bei uns ist.
Auch Geschlechterrollen sind außerhalb Europas ein wenig anders gelagert als hier. Nun sollen wir nicht zeigen, dass bei uns alles perfekt ist, es ist einmal überraschend.

Welche Rolle spielen denn digitale Angebote und auch Medienkompetenz in deiner Arbeit?

Das spielt eine Rolle. Wir haben über Jahre Bildungs- und Beratungsangebote im Bereich Smartphone-Kompetenz gehabt. Das hat sich allerdings ein bisschen gelegt. Der Computerumgang, die Schreibprogramme, sind mittlerweile sehr verbreitet. Es ist immer noch ein allgemeines, aber nicht so spezifisches Projekt bei uns.

Für uns intern spielen zum Beispiel soziale Medien auf eine andere Art eine Rolle. Man müsste viel mehr in den sozialen Medien tun, um mehr Leute zu erreichen. Man kann nicht so tun, als würde es die Sozialen Medien nicht geben. Wie man das handhabt, ist eine andere Sache. Wir wollen Menschen gut beraten und natürlich sollen sie uns finden. Aber wir haben kein Eigeninteresse daran, dass es ganz viele Posts in verschiedensten Online-Portalen gibt. Unser Ziel ist es, dass die Menschen uns persönlich finden. Das ist ein Zwiespalt. Es ist für uns auch nicht auswertbar – Wie viel Zeit stecken wir da hinein und wen erreichen wir damit eigentlich? Woran machen wir das fest? An Klicks? Ich würde sagen, das ist eine offene Frage, die uns auch in Sachen Digitalisierung beschäftigt.

Welche Rolle spielt Medienkompetenz, um die eigene Stimme in der Gesellschaft zu nutzen und Demokratie im digitalen Raum zu verstehen?

Ich glaube, wir befinden uns in einer spannenden Zeit. Ich zweifle nicht mehr daran, dass die meisten Leute zwischen 2 und 100 Jahren halbwegs ein Smartphone bedienen können und sich auf Portalen aufhalten. Ich glaube, und das ist meine ganz persönliche Auffassung, nicht unbedingt die des Vereins: Zu Medienkompetenz gehört auch das Wissen darüber, wessen Interessen online vertreten werden. Lokalzeitungen und herkömmliche Medien schrumpfen und sehr viele Nutzer und Nutzerinnen halten sich im Internet vor allem in den großen Portalen auf. Ich habe den Eindruck, dass die Medienkompetenz insofern fehlt, dass man das alles nicht so richtig kritisch hinterfragt. Wer will denn jetzt eigentlich etwas damit? Hate Speech, Rassismus – das ist alles total schlimm und man hat keine andere Wahl, als sich darauf vorzubereiten. Das erleben wir natürlich auch als migrantischer Verein – und da sollte man natürlich dagegen sein. Ich glaube, Medienkompetenz sollte mehr über die Frage definiert werden: Wer steckt dahinter? Sich nicht nur darüber echauffieren, dass sich jemand rassistisch äußert, was natürlich nicht gut ist. Aber sich darüber hinaus klar zu werden, dass diese Medien und diese Posts systemische Effekte haben. 

Einige schreiben auch über den Zusammenhang von Demokratie und Medien. Demokratie basiert auf vielen Stimmen. Und das verlieren wir, glaube ich, manchmal etwas aus dem Blick. Man kann sehen, dass die sozialen Medien von ganz wenigen Stimmen sehr stark dominiert werden. Und dieses Versprechen, jeder und jede hat eine Stimme im Internet, das wird nicht erfüllt. Vielmehr haben ganz wenige Menschen ganz laute Stimmen. Also das müsste für mich zu Medienkompetenz gehören: Es ist eine Stärke, zu verstehen, worum es hier geht und was für ein Medium das ist.

Welche Herausforderungen siehst du für den Zusammenhang von digitalen Medien und demokratischer Vielfalt?

Wir als Verein sehen uns diesbezüglich noch in der Findungsphase, deshalb kann ich jetzt nur von mir sprechen. 

Ich habe ein Buch gelesen, welches darauf verweist, wie heutige Autokraten sehr versiert sind, die sozialen Medien für ihre Zwecke auszunutzen. Ein anderes Buch beschäftigt sich mit der Frage, was passiert, wenn das Internet von sehr starken Akteuren sehr stark dominiert wird. Denn eigentlich will die Medienlandschaft ja Vielfalt und garantieren, dass nicht einzelne Akteure dominieren. Ein weiteres Buch analysierte, wie eine extreme Mehrheit der Nutzer und Nutzerinnen im Internet nur wenige Seiten besuchen – und das sind die großen Portale. Und das hat meiner Meinung nach nicht nur mit sozialen Medien zu tun, sondern auch mit Medienstrukturen. Denn wenn es monopolistisch wird, dann hat man die Macht und das Wort. Und das ist mit Demokratie eigentlich gar nicht kompatibel. Denn wenn das so ist, dann fehlt die versprochene Vielfalt. 

Können digitale Medien bei politischem Engagement hilfreich sein und wie beurteilst du die Rolle digitaler Medien im Hinblick auf Meinungsbildung?

Ja, selbstverständlich. Ich will nicht das Internet verdammen. Ich würde einigen jungen Menschen unterstellen, dass sie versiert sind. Und ich bin zuversichtlich, dass sie in absehbarer Zeit eine fundierte, laute Kritik aufbringen werden: „Ihr sollt unser Internet nicht monopolisieren. Das ist ein Raum, in dem jeder und jede eine Stimme hat, deswegen werden wir nicht akzeptieren, dass das von 10 reichen Menschen gekapert wird”. Die junge Generation gibt es ja auch nicht als solche. Es ist ja nicht so, dass alle jungen Menschen einer Meinung sind, da gibt es ein ganzes Spektrum. Und wenn man einen Teil von diesem Spektrum hört, dann würde man sich wünschen, dass es gar nicht wahr ist. Es ist mitnichten so, dass es nicht auch junge Menschen gibt, die sich von rechtsextremen Botschaften ansprechen lassen und ich würde es als „darauf reinfallen“ beschreiben. Medien, Filme, Werbung – es ist ja das Ziel, Menschen zu überzeugen. Nicht umsonst zahlen Unternehmen sehr große Summen für Werbung. Ob das Turnschuhe, Autos oder Getränke sind, ist egal, aber scheinbar funktioniert Werbung. Natürlich funktioniert das auch mit Politik und Ideologie. Und es ist eben wichtig, solche Monopolstrukturen nicht entstehen zu lassen. Wenn ich viel Geld in eine Ideologie investieren kann, dann erreiche ich auch die Jugend. Und da denkt man als junger Mensch: „Ich doch nicht“, das habe ich auch gedacht. Man denkt, dass man selbst unbeeinflussbar ist. Man will nicht akzeptieren, dass Werbung und Propaganda auch bei einem selbst funktionieren kann. Das müsste man auch bei sich selbst ab und zu prüfen und schauen, wo man die Augen aufmachen muss.

Welche positiven Veränderungen konntest du durch deine Arbeit schon bewirken oder beobachten?

Ich habe jetzt keine konkreten Zahlen, aber ich muss sagen, ich bin sehr stolz. Denn ich weiß, dass in all diesen Projekten Menschen aufeinandertreffen. Diese Menschen helfen einander im Austausch, diesen Ort Dresden besser zu verstehen, damit man hier gut und sicher leben kann. Und jedes Mal, wenn da jemand einen Job bekommt, Freunde findet – das passiert die ganze Zeit – zeigt sich der Wert unserer Arbeit. In erster Linie sind die Menschen da, um etwas zu lernen, um später einen Job zu finden und nebenbei entstehen Freundschaften und Kontakte. Und wie will man denn das messen? Ich denke, das ist vor allem diese positive Veränderung, die entsteht. Der Zusammenhalt der Gesellschaft besteht nämlich nicht nur aus Job, Wohnung und Geld, sondern vor allem aus dem ganzen „Nebenbei”. Das sind die großen Produkte: Dass es tatsächlich durch Beratung und Unterstützung gelingt, vielen Menschen zu helfen, damit sie hier deutlich besser Fuß fassen können, als wenn sie auf sich alleine gestellt sind. Das ist der eine Teil. Der zweite Teil, der ja eigentlich diffus ist, sind die Freundschaften und Kontakte informeller Art, die zwischen diesen Prozessen entstehen. Das ist eine Kraft für sich, die nicht messbar ist. Aber dass es da ist, das wissen und sehen wir. Ich selbst habe natürlich auch Menschen in diesem Prozess kennengelernt. 

Welche langfristigen Ziele verfolgst du sonst noch mit deiner Tätigkeit und den Projekten?

Wir haben absolut kontinuierliche Ziele. Wir haben das übergeordnete Ziel, kontinuierlich Menschen zu helfen, dass sie hier gut Fuß fassen können. Weil diese Menschen teilweise Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt sind, kommt das Ziel hinzu, eine bessere Stadtgesellschaft zu entwickeln. In der sich der Umgang miteinander ändert. In der sich das Gefühl entwickelt: „So was macht man nicht. Manche Sachen sagt man einfach nicht zu anderen Menschen.“ 

Man kann nicht das machen, was wir machen, ohne dass ein Haufen guter Leute da ist. Aber nach wie vor erleben Menschen im öffentlichen Raum rassistische oder fremdenfeindliche Äußerungen und Angriffe verschiedener Art. Das ist auf jeden Fall unser langfristiges Ziel, das auf ein Minimum zu begrenzen. Das gehört nicht zu einer Stadtgesellschaft dazu. Jedes Mal, wenn ich solche Geschichten höre, frage ich mich, wie man so etwas zu einem anderen Menschen sagen kann. Wo kommt denn sowas her? Was fällt euch da ein? Das ist das absolute Ziel, dass das deutlich weniger wird. Aber für dieses Ziel gibt es auch keinen Endpunkt. Eine Gesellschaft wird sich immer weiterentwickeln.

Was ebenfalls eine Rolle spielt: Wir wissen, dass Menschen, die aus anderen Ländern hierher kommen, seltener wählen gehen. Es ist unser Ziel, dass diese Statistik sich in naher Zukunft ändert. Dass Menschen, die Teil der Gesellschaft werden, sich der Gesellschaft auch so zugehörig fühlen, dass sie sich engagieren, sich dafür entscheiden, wählen zu gehen, und auch wissen, was sie wählen. 

Welche Unterstützung ist für eure Arbeit besonders wichtig und was wäre erforderlich, um deine Arbeit noch weiter zu intensivieren?

Wir übernehmen Aufgaben mit Zielen, die auf Aussagen im Grundgesetz basieren: Alle sind gleich und sollen auch gleiche Chancen haben. Das wird in unseren verschiedenen Projekten angestrebt und das muss bleiben. Es ist wichtig, an so einer starken Gesellschaft, wie wir sie haben, zu arbeiten. Man ist nie fertig, es ist nie perfekt, das ist klar. Aber wir müssen immer bemüht bleiben und im jetzigen Augenblick deutlich besser werden. Das heißt, man muss die Menschen dafür gewinnen, dass sie sich politisch dafür entscheiden, eine starke Gesellschaft am Leben zu halten. Das bedeutet nicht, ihnen vorzuschreiben, welche Partei sie wählen sollen. Aber man muss versuchen, den Menschen klarzumachen, welche Wege es gibt, eine starke, stabile Gesellschaft zu behalten, die sich auch um alle kümmert und niemanden zurücklässt. 

Was super wichtig ist, um das zu unterstützen, sind die Aktivist*innen. Auch die Umwelt ist dahingehend ein Thema, die auch mit der Arbeit im Ausländerrat verbunden ist. Denn Klimawandel ist auch eine Fluchtursache. Wenn Menschen feststellen, dass sie ihren Ort verlassen müssen, dann muss die Ursache nicht immer Krieg, Terror oder Ungerechtigkeit sein, die Ursache dafür können auch die Umweltbedingungen sein. Und da gibt es verschiedene Organisationen, die lange aktiv sind und Ausdauer haben, die wirklich beeindruckend ist – wie zum Beispiel Greenpeace, der BUND, Fridays for Future, Amnesty International – Das sind ein Haufen Organisationen, die nun mal keine Parteien sind, aber sehr wichtig, um Meinungen zu fokussieren. Weil ein Mensch das alleine nicht schafft. Da sind diese Organisationen, die Aktivist*innen mobilisieren, total wichtig. Sie beeinflussen Politik und stärken auch uns häufig den Rücken. Wenn man selbst denkt, dass man nichts machen könne und alles so hoffnungslos wirke, dann muss man irgendwo einfach starten. Sei es für die Umwelt, gegen Rassismus oder was auch immer. Diese Aktivist*innen sind total wichtig für uns – und sie sind auch bereit, sich ehrenamtlich einzubringen. 

Was würdest du jungen Menschen oder Interessierten empfehlen, die sich zivilgesellschaftlich engagieren möchten?

Aus meiner Sicht gibt es da zwei große Themen. Das eine ist soziale Stabilität. Das heißt nicht, dass alle gleich sind, sondern dass Vielfalt und Pluralismus gelebt werden, ohne dass die Gesellschaft auseinanderfällt. Da gibt es viele Organisationen, die sich auf verschiedene Arten stark machen und wo man sich einbringen kann.

Das andere Thema ist unsere Umwelt. Da ist die junge Generation wirklich engagiert. Bis heute gilt: Weitermachen! Es kommen ja zum Glück immer neue Menschen dazu. Dank Bewegungen wie Fridays for Future oder Greenpeace kommt, trotz allem, was man so hört, etwas Zuversicht auf. Weil dort eine Menge schlauer Menschen sind, die ein bisschen anders darüber nachdenken und das ist gut und richtig. Meine Erfahrung mit Aktivismus ist außerdem: Wenn man sich engagiert, dann geht man zwar erst einmal zu einer Organisation oder zu einem Treffen, aber sehr schnell findet man dort Menschen, mit denen man etwas gemeinsam macht. Es ist also nicht alles nur traurig, anstrengend und furchtbar, sondern man hat dort auch eine Familie, mit der man zusammenhält. Das trägt dann auch dazu bei, dass man sich regelmäßig engagiert. 

Wie können Interessierte den Ausländerrat Dresden unterstützen oder sich weiter über deine Arbeit informieren?

Tatsächlich kann man uns einfach in einer Suchmaschine unter „Ausländerrat Dresden e.V.“ suchen, da kommt man auf unsere Website. Wir sind auch auf Instagram. 

Dahinter sitzen aber auch Menschen und Projekte, Wir haben auch E-Mail-Adressen und Telefonnummern und man kann tatsächlich einfach anrufen. 

Außerdem kann man auch gern gemeinsam mit uns Projekte stricken. Das passiert auch, dass Menschen mit einem Thema oder einer spezifischen Gruppe ankommen. Zum Beispiel „Migrationsgeschichten“ ist ein Projekt, in dem Menschen, die nach Dresden gekommen sind, ihre Stadtgeschichte erzählen. Sie machen Stadtrundgänge und flechten ihre Biografie ein. Das ist ein Beispiel dafür, dass jemand von außen eine Idee hat, mit uns Kontakt aufnimmt und sagt, wie sie es gerne umsetzen würden. So kommen manche Projekte zustande. Dafür kann man natürlich auch als Privatperson spenden, Förderanträge stellen oder wir haben auch schon Crowdfunding-Projekte umgesetzt. Das hat natürlich auch mit den Medien zu tun, wie man die Menschen erreicht: Suchen, finden, ansprechen.

Foto: Ulrike Samuelsson