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Interview mit Kátia Oliveira

Empowerment vor Ort: Wie Bürgertreffs Integration und Demokratie fördern

Empowerment vor Ort: Wie Bürgertreffs Integration und Demokratie fördern

Ein Interview mit Kátia Oliveira – Projektleiterin im Bürgertreff Volkmarsdorf – über die Förderung von Integration und Teilhabe, die Bedeutung direkter Unterstützung für Migrantinnen und Geflüchtete sowie die Chancen und Herausforderungen zivilgesellschaftlichen Engagements.

Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Kátia Oliveira und ich lebe in Leipzig. Ich habe einen B.A. in Sozialwissenschaften und M.A. in Friedens-und Konfliktforschung.

In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?

Ich bin Projektleiterin des Interkulturellen Begegnungs- und Beratungszentrums Bürgertreff Volkmarsdorf und Kommunale Integrationskoordinatorin.

Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?

Zunächst war es meine eigene Sehnsucht nach Zugehörigkeit und nach einem Raum, in  dem ich mich ausdrücken konnte. Gleichzeitig entstand der Wunsch, einen kleinen Beitrag  für andere Migrant*innen und Geflüchtete zu leisten und sie auf ihrem Weg zu unterstützen.

Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?

Meine Arbeit umfasst die Planung, Leitung und Evaluation von Projekten zur Förderung von Frauenrechten, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei auf der Konzeption und Durchführung interkultureller Workshops sowie Empowerment-Formate für Frauen mit Migrationsbiografie.

Darüber hinaus koordiniere ich die internen Vereinsstrukturen und arbeite eng mit der Geschäftsführung zusammen. Dazu gehören unter anderem die Planung von Mitarbeitendeneinsätzen sowie die Verwaltung von Urlaubs- und Anwesenheitszeiten.

Ich bin außerdem für die Organisation der Nutzung unseres Bürgertreffs durch externe Gruppen verantwortlich und unterstütze Antragstellungen sowie die Budgetplanung.

Ein weiterer Bestandteil meiner Tätigkeit ist die Mitwirkung in der Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Weiterentwicklung von Strategien zur besseren Integration von Migrantinnen innerhalb des Vereins. Zudem übernehme ich selbstständige Projektorganisation, digitale Verwaltung und Dokumentation. Ergänzend dazu gehören auch Kundenbetreuung, Verweisberatung und Begleitung als Sprachmittler zu meinen Aufgaben.

Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?

Unser Verein ist für viele Menschen im Leipziger Osten ein vertrauter Ort, an den sie sich wenden können, wenn sie Unterstützung brauchen – sei es als Migrantinnen, Geflüchtete oder Frauen in Not. Oft erfahren Menschen durch Mundpropaganda von uns: Eine, die schon einmal bei uns war, erzählt anderen von unseren Angeboten. So erreichen uns regelmäßig Anfragen nicht nur aus Leipzig, sondern auch aus umliegenden Städten wie Oschatz oder aus dem Landkreis Leipzig – manchmal sogar aus weiter entfernten Städten wie München, Berlin, Bochum oder Halle.

Im Alltag heißt das für uns: Wir hören genau zu, beraten telefonisch oder online und helfen dabei, passende Ansprechpartnerinnen und Hilfsangebote vor Ort zu finden. So wird unser Verein zu einem wichtigen Knotenpunkt, der Menschen Orientierung, Unterstützung und Vertrauen bietet – oft in Momenten, in denen sie dringend Hilfe brauchen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?

Unser Verein ist oft der erste Anlaufpunkt für Menschen, die Hilfe brauchen – besonders  Migrantinnen, Geflüchtete und Frauen in Not. Durch finanzielle Kürzungen haben wir  weniger Integrationsmittlerinnen, und das spüren wir jeden Tag: Die Anzahl der Menschen,  die zu uns kommen, ist groß, und oft sind es zwar „kleine“ Anliegen, die aber dennoch viel  Aufmerksamkeit erfordern.

Im Alltag heißt das: Es gibt manche Tage, an denen wir gleichzeitig den Empfang betreuen, Workshops organisieren, Protokolle schreiben, an Netzwerktreffen teilnehmen und unsere Angebote bekannt machen müssen. Und dann passieren auch plötzlich Notsituationen – zum Beispiel, wenn eine Frau von zu Hause flieht. In diesen Momenten müssen wir alles andere kurz beiseitelegen, Ruhe bewahren und versuchen, die Person sofort aufzunehmen und in das spezialisierte Schutznetz für Frauen zu bringen bzw. weiterzuleiten.

Also es kann einen herausfordernden Alltag geben, aber auch das ist ein sehr wichtiger – weil wir Menschen direkt unterstützen und eine hoffentlich hilfreiche Orientierung geben können.

Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? 

Digitale Angebote und Medienkompetenz sind für unsere Arbeit sehr wichtig, weil viele Frauen Informationen direkt über ihr Handy oder über Social Media erhalten – das ist praktisch, schnell und effizient. Wir versuchen, unsere Flyer so zu gestalten, dass sie unser Zielpublikum bestmöglich ansprechen.

Ob dabei ein professionelles Layout oder bestimmte Vorgaben einzuhalten sind, wissen wir oft nicht genau. Dennoch denken wir nebenbei darüber nach, wie wir die Informationen am besten vermitteln können. Bei Bedarf übersetzen wir Inhalte auch in mehrere Sprachen, um unser Zielpublikum bestmöglich zu erreichen.

Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?

Medienkompetenz ist für unsere Arbeit sehr wichtig. Sie hilft uns, sichtbar zu machen, was wir tun, und gibt gleichzeitig den Menschen Mut, die ähnliche Initiativen starten oder unterstützen möchten. Besonders in der aktuellen politischen Lage ist es wichtig,  Informationen schnell zu teilen und zu erfahren, dass man mit seinem Engagement nicht allein ist.

Im Alltag bedeutet das: Wir nutzen digitale Medien, um unsere Projekte bekannt zu machen, Menschen zu informieren und Netzwerke aufzubauen. So können wir zeigen, welche Arbeit geleistet wird, und gleichzeitig andere Initiativen unterstützen und vernetzen. Aber leider schaffen wir es lediglich, es nebenbei zu machen und nicht so, wie es sein sollte.

Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien  und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?

 

Im Alltag bedeutet das, dass wir oft versuchen, neben all den anderen Aufgaben die Informationen digital weiterzugeben und uns selbst in neue Tools oder Plattformen einzuarbeiten. Ohne die Nutzung sozialer Medien läuft vieles nur schwer – daher integrieren wir die digitalen Angebote so gut es geht, auch wenn es manchmal ein Balanceakt und für mich persönlich herausfordernd ist.

Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?

In dem Bereich, in dem ich tätig bin, beziehen sich die beobachteten Veränderungen vor allem auf kleine, aber wichtige Erfolge, die wir durch Rückmeldungen und direkte Erfahrungen feststellen. Frauen schaffen es, schwierige Situationen zu überwinden oder  finden durch unsere erste Unterstützung die notwendigen Informationen, um eigenständig  neue Möglichkeiten zu erschließen – sei es die Fortsetzung ihrer Qualifikationen, der  Einstieg in einen Beruf oder sogar die Teilnahme an freiwilligem Engagement.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?

Eigentlich würde ich gerne irgendwann all meine Erfahrungen hier schriftlich festhalten – in Form einer dichten Beschreibung, vielleicht ethnografisch – oder auf eine andere materielle Weise sichtbar machen.

Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?

 

Wir würden uns über mehr finanzielle Mittel freuen, damit wir wieder mindestens eine Integrationsmittlerin und eine Person mit Medienkompetenz einstellen können. Das würde es uns ermöglichen, mehr Frauen gezielt zu begleiten, digitale Angebote besser zu nutzen und unsere Projekte noch effektiver umzusetzen. So könnten wir noch mehr Menschen  erreichen und unser Engagement nachhaltig ausweiten.

 

Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich  engagieren möchten?

 

Wer sich freiwillig in der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten engagieren möchte, sollte offen sein und die Vielschichtigkeit des Themas verstehen. Es hilft, sich ein Grundwissen über Migration und die Herausforderungen von Zugewanderten anzueignen und ein Bewusstsein für Antirassismus zu entwickeln. So kann man Menschen respektvoll unterstützen und wirklich etwas bewegen.

Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten?

 

Ja, ich möchte betonen, wie wichtig es ist, dass Menschen, die sich engagieren oder Unterstützung brauchen, Gehör finden und dass ihre Erfahrungen sichtbar gemacht werden. Unsere Arbeit zeigt immer wieder, dass schon kleine Unterstützungen große Veränderungen bewirken können – sei es durch Beratung, Begleitung oder einfach durch das Schaffen eines sicheren Raums.

Ich hoffe, dass durch Projekte wie „MedienDemokratieHub“ mehr Menschen die Möglichkeit bekommen, sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und gemeinsam an einer inklusiven und solidarischen Gesellschaft mitzuwirken. Jede Initiative, egal wie klein sie scheint, trägt

dazu bei, dass wir gemeinsam stärker werden und dass Vielfalt als Chance und nicht als Problem gesehen wird.

 

Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?

Sie können unser Projekt sehr gerne durch Spenden unterstützen. Auch Menschen mit ausgeprägter Medienkompetenz, die uns mit fachlichem Rat oder praktischen Tipps weiterhelfen möchten, sind jederzeit herzlich willkommen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website und in unseren Social-Media-Kanälen.