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Demokratie im digitalen Zeitalter: Interaktion auf Social-Media-Plattformen

Ximena Villafaña Servín | Fachkraft für Internationale Beziehungen und Global Studies Eine persönliche Perspektive von Ximena Villafaña Servín, Absolventin in Internationalen Beziehungen und Global Studies über Debattenkultur auf den sozialen Medien, selbsternannte Expert*innen und über die Bedeutung von Einfühlungsvermögen, um einander wieder besser zuzuhören. Nachdem ich sechs Jahre lang meinen Bachelor in Internationalen Beziehungen und meinen Master in Global Studies absolviert habe, erstaunt es mich immer wieder, dass online so viele Menschen Expert*innen für globale Angelegenheiten zu sein scheinen. Einerseits ist es sehr inspirierend zu sehen, wie viele Menschen sich politisch engagieren und erkennen, wie sehr diese Themen tatsächlich unser aller Alltag beeinflussen. Dass Menschen so diskutierfreudig miteinander in Dialog treten und andere dazu ermutigen, ist erst einmal erfreulich. Wie Jürgen Habermas feststellte, bauen Gesellschaften Demokratie auf und bleiben durch einen offenen, rationalen Dialog demokratisch1. Andererseits ist das Ausmaß an Hass, Falschinformationen, Ignoranz und Gleichgültigkeit, das man auf Social-Media-Plattformen vorfindet, besorgniserregend und natürlich antidemokratisch. Die Leute schätzen den Zugang zu Plattformen, auf denen sie sich äußern können und gelesen und gehört werden, aber sie sind nicht immer bereit, einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Viele Menschen möchten sich am politischen Dialog beteiligen, ohne das Hintergrundwissen, um die Debatte lösungsorientiert voranzutreiben. Oft findet man schockierende Kommentarspalten, in denen Menschen Ideen verteidigen, die sie selbst nicht richtig verstehen – entweder mit Argumenten, die sie von anderen übernommen haben und ohne ihre Aussagen durch Quellen oder Beweisführung zu untermauern. Letzteres lässt zweifeln, inwiefern Nutzende sich mit den Themen, mit denen sie online konfrontiert sind, tatsächlich auseinandersetzen und darüber Bescheid wissen. Uns allen steht unbegrenzter Zugang zu Informationen offen, und doch reicht unsere Aufmerksamkeitsspanne nicht über drei Zeilen hinaus und wir sind bereit, Meinungen zu äußern, bevor diese richtig fundiert und abgewogen sind. Die sozialen Medien ermöglichen uns, hier und da ein bisschen von allem zu erfahren, aber sie haben uns auch ziemlich bequem und etwas apathisch gemacht. Manche lesen vielleicht Nachrichten und nehmen sich jeden Tag zumindest ein paar Minuten Zeit, um verschiedene Perspektiven kennenzulernen und das Gelesene sowie dessen Bedeutung zu hinterfragen. Aber ehrlich gesagt reicht das nicht wirklich aus, um sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen, aktive Teilnehmende und Akteure des Wandels in unseren Gesellschaften zu sein. Reine Provokation auf Facebook oder TikTok über Altersgruppen hinweg trägt nicht zur Stärkung der Demokratie bei. Wer hätte das gedacht? Auch wenn es einfacher und schneller ist, sich ein zweiminütiges TikTok-Video anzusehen, das versucht, komplexe philosophische Konzepte zu erklären, ist dies nicht vergleichbar damit, sich tatsächlich in die Literatur zur politischen Philosophie zu vertiefen und diese mit aktuellen Ereignissen weltweit in Verbindung zu bringen. Leider haben nicht alle Zugang zu dieser Literatur, was jedoch nicht bedeutet, dass diese Menschen unwürdig oder nicht in der Lage wären, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen. Dies sollte für alle zugänglich sein, da wir alle in Gesellschaften leben, in denen wir das Leben auf vielfältige Weise erleben – was uns unweigerlich mit Erfahrungen bereichert, durch die wir anderen etwas über Demokratie vermitteln können. Man braucht keinen Doktortitel in Sozialwissenschaften, um darüber nachzudenken, wie sich Demokratie – und deren Fehlen – auf unseren Alltag auswirkt. Es erfordert jedoch die Fähigkeit zum kritischen Denken und einen menschenwürdigen Umgang miteinander. Damit meine ich Empathie und Verständnis für die Sichtweisen anderer Menschen. Nur weil mein Leben und Erleben in bestimmten Bahnen verlaufen, macht das die Erfahrungen anderer nicht ungültig. Obwohl soziale Medien es uns ermöglichen, die Welt mehr denn je aus der Perspektive anderer Menschen zu betrachten, fällt es uns paradoxerweise immer noch schwer, das Leben jenseits unseres eigenen persönlichen Kontexts zu verstehen. Jemand kann versuchen, mit stichhaltigen Argumenten und Überlegungen einen Dialog zu führen, doch wenn eine andere Person nur daran interessiert ist, ihre eigene Denkweise durchzusetzen oder eine externe Agenda vertritt, unter deren Einfluss sie selbst geraten ist, sind die Chancen, etwas voneinander zu lernen und eine Situation aus einer breiteren Perspektive zu verstehen, eher gering. Für mich persönlich war es ziemlich entmutigend zu sehen, wie wenig Interesse viele Menschen daran haben, sich tatsächlich Wissen anzueignen. Stattdessen drängen sie anderen aggressiv ihre eigenen Vorstellungen auf – ganz gleich, wie tiefgreifend sie das, was sie äußern, (miss)verstehen –, was uns immer weiter von demokratischen Praktiken entfernt. Es ist mittlerweile unglaublich einfach geworden, andere Menschen und ihre Erfahrungen über Social-Media-Plattformen herabzuwürdigen und zu missachten. Trotz des Zugangs zu Ressourcen, Informationen und Wissen machen es soziale Medien auch viel leichter, einander misszuverstehen und zu entwerten. Wie Kurt Vonnegut einmal in seinem Roman „Die Sirenen von Titan“ schrieb: „[…] but the universe is an awfully big place. There is room enough for an awful lot of people to be right about things and still not agree“2. (z. Dt.: Aber das Universum ist ein furchtbar großer Ort. Es gibt genug Platz dafür, dass sehr viele Menschen in bestimmten Dingen Recht haben und sich dennoch nicht einig sind.) Universelle objektive Wahrheiten mögen sich dem menschlichen Verständnis entziehen, doch was nicht unerreichbar ist, ist grundlegendes menschliches Einfühlungsvermögen. Wir sind vielleicht nicht immer einer Meinung, aber wir können immer miteinander reden und begreifen, dass wir manchmal etwas nicht verstehen – und das ist in Ordnung. Man muss etwas nicht immer verstehen, um es zu respektieren. Wie der berühmte Satz sagt: „Die Freiheit des einen endet dort, wo die des anderen beginnt.“ Es geht nicht darum, dass alle einer Meinung sein müssen, sondern vielmehr darum, menschliche Perspektiven in ihrer Vielfalt gleich wertzuschätzen. Wenn die eigenen Meinungen die Rechte oder Freiheiten anderer verletzen, handelt es sich nicht mehr um eine Meinung. Soziale Medien ermöglichen es uns, uns frei zu äußern, aber inwieweit wird diese Freiheit als Freibrief missverstanden, über Themen zu sprechen, die wir nicht einmal zu verstehen versuchen? Dies untergräbt demokratische Praktiken, die uns eigentlich verbinden und die Demokratie weltweit stärken sollten.   EU Knowledge Hub on Prevention of Radicalisation. (2026). Remembering the words of Jürgen Habermas – and why dialogue still matters. Facebook. Vonnegut, K. (1959). The Sirens of Titan. Dial Press Trade Paperback. Finck, Liana. (2026). Liana Finck Official Website. weitere Stories Stories Die Bühne ist

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Die Bühne ist offen, aber wer traut sich hinauf?  – Fragerunden als Spiegel demokratischer Teilhabe

Jakob | Soziologe Eine persönliche Perspektive von Jakob aus der soziologischen Forschung über Podiumsdiskussionen, soziale Bühnen und den Unterschied zwischen formaler Offenheit und tatsächlicher Teilhabegerechtigkeit. Sowie die Frage, warum Demokratie mehr braucht als eine Einladung zum Mitreden. Die Moderation bedankt sich bei allen Teilnehmenden der Podiumsdiskussion, dann wird die Fragerunde für das Publikum geöffnet. Meistens herrscht erst für ein paar Sekunden Ruhe, in anderen Momenten überträgt sich eine angespannte, kontroverse Debatte auch in viele eifrige Meldungen. Jetzt sollen alle die Möglichkeit haben, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen und die Politiker*innen oder Expert*innen mit ihren eigenen Meinungen zu konfrontieren. Schon seit meiner frühen Jugend befand ich mich oft in der Situation, über eine mögliche Frage oder einen Beitrag nachzudenken. Je älter ich wurde, desto häufiger traute ich mich auch, in ein mir in die Hand gegebenes Mikrofon zu sprechen. Rückblickend kann die Situation der Fragerunde, die wahrscheinlich viele Menschen kennen, auch für etwas viel Größeres stehen: unsere Gesellschaft selbst. Der Soziologe Erving Goffman hat soziale Situationen einmal mit einem Theater verglichen. Dabei beschreibt er diese Situationen als Bühne, auf der Rollen verteilt sind, mit einem Publikum hier und Sprechenden dort, und mit Regeln, die selten ausgesprochen, aber von fast allen befolgt werden1. Was sich in diesen wenigen Minuten der Fragerunde abspielt, ist deshalb mehr als eine Randnotiz des Abends. Es ist ein kleines Abbild dessen, wie Teilhabe in unserer Gesellschaft insgesamt funktioniert. Formal ist die Bühne für alle offen. Jede*r darf das Mikrofon ergreifen, jede*r darf fragen. Und doch tun es meistens nur wenige. Die Philosophin Nancy Fraser hat für genau diese Kluft einen Begriff geprägt2: Sie unterscheidet zwischen einer formal offenen Öffentlichkeit und tatsächlicher Teilhabegerechtigkeit, also der Frage, ob Menschen nicht nur eingeladen werden, sondern auch wirklich in der Lage sind, gleichberechtigt mitzureden. Genau diese Lücke ist es, die mich an den Fragerunden interessiert. Woher kommt dieser Unterschied? Diese Frage begleitet mich nicht nur als jemanden, der selbst oft genug im Publikum gesessen hat, sondern auch als forschenden Soziologen. In meinem Studium habe ich gelernt, gerade an solchen Stellen genauer hinzusehen: Dort, wo etwas selbstverständlich erscheint, obwohl es das eigentlich nicht ist. Fragerunden wirken meistens offen, demokratisch und einladend. Aber wenn ich ehrlich bin, ertappe ich mich auch heute noch oft dabei, wie ich abwäge, ob sich mein Beitrag lohnt, ob meine Frage klug genug klingt oder ob ich in diesem Moment überhaupt das Recht habe, das Mikrofon zu nehmen. Genau hier trennt sich die formale von der tatsächlichen Teilhabe. Formal ist die Einladung an alle gleich: dasselbe Mikrofon, dieselbe Redezeit, dasselbe Recht auf eine Frage. Tatsächlich wird sie aber sehr ungleich genutzt, was selten mit fehlendem Interesse zu tun hat. Der Soziologe Pierre Bourdieu würde stattdessen vermutlich von kulturellem Kapital sprechen: von der Übung, den Vorbildern als junger Mensch, dem eingeübten Gefühl, dass man in einer solchen Situation sprechen darf und kann3. Aber auch von dem “richtigen” Vokabular und den passenden, an die Rolle angelehnten Verhaltensregeln. Wer in der Jugend selten erlebt hat, dass die eigene Meinung zählt, wer nie gesehen hat, dass Menschen mit den gleichen Hintergründen das Mikrofon in die Hand nehmen, für den ist der Schritt von der Zuschauer*innen- in die Sprecher*innenrolle ungleich größer als für jemanden, der genau das schon oft eingeübt hat. Es geht dabei aber nicht nur darum, ob man sich traut, sondern auch, wie man sprechen darf, wenn man es tut. Die Philosophin Iris Marion Young hat kritisiert, dass viele demokratische Formate stillschweigend eine bestimmte Art zu sprechen bevorzugen: sachlich, argumentativ, distanziert4. Wer eher erzählt statt argumentiert, wer emotional statt nüchtern spricht, läuft Gefahr, nicht als “legitimer” Redebeitrag wahrgenommen zu werden, selbst wenn das Mikrofon längst in der Hand liegt. Aus meiner eigenen Forschung kenne ich diese Kluft nur zu gut. Dort nennt man sie nur anders. Auch in der Wissenschaft gibt es die Frage, wer denn eigentlich antwortet, wenn gefragt wird. Wer nimmt an Umfragen teil, wer lässt sich auf ein Interview ein, in welche Milieus dringt man mit seiner Forschung überhaupt vor? Der Wissenschaftssoziologe Thomas Gieryn beschreibt zum Beispiel, wie ständig neu verhandelt wird, wer als legitime Stimme in der Wissensproduktion gilt und wer nicht, ein Prozess, den er “boundary work”, also “(Ab-)Grenzarbeit” nennt5. Citizen Science, also Formate, in denen Bürger*innen selbst an Forschung mitwirken, gilt als vielversprechende Idee, Wissenschaft und Gesellschaft näher zusammenzubringen. Doch auch hier zeigt sich oft dasselbe Muster wie bei der Fragerunde: Erreicht werden vor allem die, die ohnehin schon wissen, dass ihre Beteiligung erwünscht und ihre Stimme relevant ist. Wer sich für Wissenschaft ohnehin schon interessiert, findet den Weg in solche Projekte. Wer sich davon ausgeschlossen fühlt, bleibt eher fern. Diese Erkenntnis stellt auch mich selbst, beziehungsweise jegliche demokratische Arbeit, infrage. Wenn Teilhabe nicht allein durch offene Formate entsteht, sondern von Übung, Vorbildern und dem Gefühl abhängt, gemeint zu sein, dann reicht es nicht, eine Bühne zu öffnen und zu hoffen, dass sich alle gleichermaßen angesprochen fühlen. Auch ich merke immer wieder, wie leicht man selbst zu denen gehört, die eine solche Bühne mitgestalten, ohne zu bemerken, wie unzugänglich sie für andere wirken kann. Der Soziologe und Linguist Basil Bernstein hat schon in den 1970er-Jahren gezeigt, dass Bildungssprache, also der sogenannte elaborierte Code, vor allem denjenigen leicht fällt, die in einem entsprechenden Milieu aufgewachsen sind, während sie für andere eine echte Hürde bedeutet6. Bei öffentlichen Veranstaltungen erlebe ich das oft: Man spricht über Teilhabe, über Zugänglichkeit, über Demokratie und erreicht damit doch meist ein Publikum, das ohnehin schon gebildet, ohnehin schon bürgerlich, ohnehin schon überzeugt ist. Der Anspruch, für alle verständlich zu sein, und die tatsächliche Sprache, die man spricht, klaffen auseinander – bei mir genauso wie bei der Bühne, von der ich eingangs erzählt habe. Der soziologische Blick und meine Forschung helfen mir, solche Muster überhaupt erst zu erkennen. Sie schützen mich aber nicht davor, sie selbst mitzutragen. Was helfen kann, diese Kluft wenigstens ein Stück zu verkleinern, ist aktiv auf Menschen zuzugehen, statt zu warten, dass sie von selbst kommen. Es geht darum, beispielsweise Citizen-Science-Formate so zu gestalten, dass sie nicht nur

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Christian Krentel-Seremet | KulturLoge Dresden

Zwischen Verwaltung, Unternehmertum und Ehrenamt: Wie Engagement Demokratie stärkt Zwischen Verwaltung, Unternehmertum und Ehrenamt: Wie Engagement Demokratie stärkt Christian Krentel-Seremet erzählt, warum er gesellschaftliches Engagement nicht nur als Kampf gegen Probleme versteht, sondern als Aufbau positiver Alternativen. Das Gespräch führt von der KulturLoge Dresden über Medienkompetenz und Ehrenamt bis zu der Frage, wie junge Menschen Demokratie durch eigenes Handeln erfahren können.  Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Ich heiße Christian Krentel-Seremet, wohnhaft in Dresden und bin Jurist und Verwaltungsbeamter.   In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Nach meinem Ausscheiden aus dem aktiven Beamtendienst bin ich einerseits Pensionär, andererseits selbstständiger Unternehmer   Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Als Beamter wollte ich mit meinen Kompetenzen sinnvoll für die Gesellschaft arbeiten. Ich glaube an den Begriff ,good governance‘, wonach staatliches Handeln dem Wohl aller Bürger verpflichtet ist. Als Unternehmer wollte ich einerseits Geld verdienen, andererseits meine bis dahin erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen einbringen können und weiterhin aktiv sein. Darüber hinaus bin ich ehrenamtlich engagiert als Vorstandsvorsitzender der KulturLoge Dresden, als Vorstand des Kulturbüros Dresden und als Beisitzer im Vorstand des Bundesverbands Kulturelle Teilhabe (BVKT).   Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Als Unternehmer, der Partner im Unternehmen hat, kümmere ich mich gemeinsam mit den Partnern um die strategischen Fragen des Unternehmens, alle Rechtsangelegenheiten und die Repräsentation nach außen.   Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Ich bin an verschiedenen Unternehmen beteiligt. Eine Firma ist nicht in Sachsen ansässig, sondern in Thüringen. Eine weitere, kürzlich gegründete Firma kümmert sich um die Vermittlung von Fachkräften aus dem Ausland an deutsche Arbeitgeber. Auch in Sachsen herrscht Fachkräftemangel, der nur durch Zuzug aus dem Ausland gedeckt werden kann. Gelingt dies nicht, hat das negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand im Land, auch wenn das viele nicht erkennen wollen. Hier versuchen wir zu unterstützen und gleichzeitig ein weltoffenes Klima in Sachsen zu schaffen.   Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Das gesamtwirtschaftliche Umfeld, die Auswirkungen weltweiter politischer Entscheidungen, schlagen unmittelbar auf die konkrete wirtschaftliche Betätigung vor Ort durch. Corona-Maßnahmen, Energiepreisentwicklung, Lieferkettenprobleme, Ölpreissteigerungen, all diese Punkte haben unmittelbaren Einfluss auf ein Unternehmen. Man ist ständig dabei, Probleme zu lösen, die ohne diese Entscheidungen nicht da wären. Wobei ich die Corona-Maßnahmen doch davon ausnehmen möchte. Sie haben viel Geld gekostet, waren aber meines Erachtens notwendig.   Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?  Wir nutzen digitale Angebote im Wesentlichen für unsere eigenen Firmenauftritte. Das normale Programm, Website, Social Media, um Kunden und Geschäftspartner zu gewinnen. Medienkompetenz ist hier wichtig, vor allem, wenn man am Anfang viele Dinge selber machen muss. Meine Medienkompetenz ist nicht so ausgeprägt. Ich bin ein interessierter Nutzer. Unsere Auftritte werden von den Partnern in der Firma gestaltet. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Medien, in ihrer gesamten Breite von herkömmlichen Medien (Zeitungen, Magazine, Fernsehen und Rundfunk) über neuere Formate wie Podcasts oder Streaming bis hin zu allen weiteren Angeboten der digitalen Medien sind konstituierend für eine Demokratie. Freie und ungehinderte Wissensvermittlung an die Menschen, aber auch freie und das heißt auch unkontrollierte Kommunikation unter den Menschen sind wesentliche Voraussetzung einer funktionierenden Demokratie.   Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Medienkompetenz beim Erschaffen und Nutzen digitaler Medien ist natürlich zunächst entscheidend. Hier gibt es dauerhaften Schulungsbedarf, da sich auch die Medien im Gleichschritt mit der technologischen Entwicklung im IT-Bereich, gerade insbesondere bei der KI, sehr schnell weiterentwickeln. Hierin, und darin, die dafür notwendige Zeit aufzubringen – zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe finden ja ganz überwiegend ehrenamtlich statt – liegt sicher die größte Herausforderung. Die Chancen korrespondieren mit der oben beschriebenen Notwendigkeit dieser Themen für die Zivilgesellschaft und Demokratie.   Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Diese Frage zielt natürlich insbesondere auf meine ehrenamtliche Tätigkeit ab. Im Bereich der KulturLoge vermittelten wir im Jahr 2025 ca. 14500 freie Plätze kostenlos an Menschen, die sich den Eintritt sonst nicht leisten können. Wir haben damit nicht nur ebenso viele bereichernde Kulturerlebnisse, sondern auch einen gesellschaftlichen Mehrwert geschaffen, indem wir Wertschätzung und Zugehörigkeit vermittelt und damit zur Stabilität einer demokratisch organisierten Gesellschaft beigetragen haben. Im Bereich des Kulturbüros helfen wir vornehmlich jungen Menschen, Selbstwirksamkeitserfahrungen in einer Demokratie zu sammeln. Zur Akzeptanz von Demokratie gehört nicht nur, dass diese ihre (Wohlstand-)Versprechen an die Menschen erfüllt, sondern auch, dass sie ihr Versprechen erfüllt, dass aktive Teilhabe auch tatsächlich etwas bewirkt. Wer das nie erlebt hat, versteht auch Sinn und Nutzen von Demokratie nicht.   Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Mein Ziel, bei (fast) allen meinen Tätigkeiten, ist es, zum Gelingen einer demokratische organisierten Gesellschaft beizutragen. Dies gelingt durch wirtschaftlichen Erfolg einerseits, durch Solidarität im In- und Ausland andererseits. Hier versuche ich mit meinen begrenzten persönlichen Mitteln einen Beitrag zu leisten   Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Um es kurz zu sagen: Geld!  Ehrenamtliche Arbeit ist meines Erachtens für eine funktionierende demokratische Gesellschaft genauso wichtig wie freie Medien und eine gut funktionierende, am Wohl aller Bürger ausgerichtete Verwaltung (s.o. good governance). Ehrenamtliche Arbeit braucht aber professionelle Strukturen im Hintergrund und die müssen finanziert werden. Darüber hinaus würde ich mir weniger ideologisches Gezänk zwischen den demokratischen Parteien wünschen. Insbesondere der Vorwurf konservativer Parteien, die Demokratie fördernden Vereine seien zu links und würden nur linke Strukturen stärken, daher müsse man sie durch Geldentzug bis zur Selbstaufgabe schwächen, ist meines Erachtens absurd und für eine in Frage gestellte Demokratie existenzgefährdend.   Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Ich sehe tatsächlich großes Engagement bei vielen jungen Menschen. Durch aktives Tun, aber auch in der inneren Haltung zu den Themen und Werten, die eine liberale Demokratie braucht. Ich sehe, dass junge Menschen mitbestimmen und nicht fremdbestimmt werden wollen durch autoritäre Strukturen. Eine Empfehlung ist, begeistert Euch weiterhin für diese freie Gesellschaft, denn Begeisterung setzt Kräfte frei. Und richtet Euch darauf ein, dass

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Elli Martius | Stadträtin Dresden SPD-Fraktion

Engagement in der Kommunalpolitik – Als Stimme für junge Menschen Engagement in der Kommunalpolitik – Als Stimme für junge Menschen Ein Interview mit Elli Martius, Dresdner Stadträtin und Sprecherin der SPD-Fraktion für Energie, Umwelt und Kultur, über Erfolge und Herausforderungen kommunaler Gremienarbeit, Engagement als Stütze und Möglichkeit zum persönlichen Wachstum und die Frage, wie junge Stimmen ihren Platz in der Politik finden. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Elli Martius. Ich studiere Informationssystemtechnik an der TU Dresden und lebe in Dresden.   In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin ehrenamtlich Stadträtin in Dresden und bin Sprecherin der SPD-Fraktion für die Themen Energie, Umwelt und Kultur.   Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? In meinem Ehrenamt habe ich gelernt, wie wichtig es ist, politisch zu sein – und wie entscheidend es ist, dass die eigene Stimme in den Gremien vertreten wird, die über das eigene Leben mitentscheiden. Das hat mich dazu bewogen, mein Engagement zu nutzen, um jungen Menschen und insbesondere jungen Frauen im Dresdner Stadtrat eine Stimme zu geben.   Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Der wichtigste Teil meiner Arbeit ist der Austausch mit Institutionen, Vereinen und Interessenvertreter*innen. Dieser Austausch bildet die Grundlage für meine Gremienarbeit, in der ich mich mit Verwaltungsvorlagen und Anträgen anderer Fraktionen auseinandersetze.   Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Ich halte es für hochrelevant, dass die Gremien in Sachsen nicht veralten, damit die Politik zukunftsgerichtet bleibt. Es braucht in den Gremien ein gutes Abbild der Gesellschaft – nur so lassen sich die Interessen der Bürger*innen sinnvoll umsetzen.   Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Die größte Herausforderung sind die schwierigen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat, die es kompliziert machen, tragfähige Mehrheiten für wichtige Beschlüsse zu organisieren. Das führt mitunter dazu, dass wichtige Beschlüsse wegen fehlender Kompromissfindung verzögert werden, was zu Unsicherheiten bei den Betroffenen führt. Außerdem empfinde ich das Gesprächsklima im Rat als zunehmend populistisch und teils unkollegial, was den politischen Dialog vergiftet. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?  Digitale Angebote spielen für mich vor allem eine Rolle darin, Gremienarbeit zugänglicher zu machen – etwa durch digitale Sitzungsunterlagen oder Informationskanäle, über die Bürger*innen unkompliziert erfahren, was im Stadtrat verhandelt wird. Medienkompetenz brauche ich täglich, um Informationen einzuordnen, Falschdarstellungen zu erkennen und komplexe Sachverhalte verständlich zu kommunizieren.   Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Medienkompetenz ist eine Grundvoraussetzung für Engagement, weil sie Menschen befähigt, sich unabhängig zu informieren, Quellen zu bewerten und selbst Position zu beziehen. Ohne sie wird politische Teilhabe schnell zur bloßen Reaktion auf das, was andere vorgeben.   Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Digitale Medien senken die Hürde, sich zu informieren und einzumischen, erheblich – gerade für junge Menschen, die sonst keinen Zugang zu klassischen Gremienstrukturen hätten. Die Kehrseite ist die Verbreitung von Desinformation und die Vereinfachung komplexer politischer Fragen auf plakative Aussagen. Deshalb braucht es sowohl Angebote, die Beteiligung digital einfacher machen, als auch gezielte Bildung, die Menschen befähigt, digitale Informationen kritisch einzuordnen.   Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Ich habe das Gefühl, für Akteurinnen und Akteure in Dresden eine verlässliche Ansprechperson zu sein und sie dadurch in ihrer Arbeit unterstützen zu können. Gerade in der Kulturförderung konnten wir gemeinsam Kürzungen abwenden, die die Arbeit wichtiger Vereine gefährdet hätten. Gleichzeitig bekomme ich regelmäßig von jungen Menschen die Rückmeldung, dass sie sich freuen, ihre Perspektiven in diesem Rat vertreten zu sehen. Auch dieses Gefühl von Repräsentation ist für mich eine wichtige positive Wirkung meiner Arbeit.   Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Mein Hauptziel ist es, mit meiner Arbeit Menschen in Dresden zu unterstützen und jungen Menschen zu zeigen, dass sie die nötigen Kompetenzen haben, selbst Gremienarbeit zu machen. Solange ich das Gefühl habe, das leisten zu können, möchte ich diese Arbeit fortführen – wenn nicht in diesem Ehrenamt, dann auf anderem Weg.   Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Ich habe bereits ein breites Netzwerk an Menschen, die mich unterstützen. Die wichtigste Ressource in meinem Ehrenamt ist immer Zeit, die sich leider schwer ausweiten lässt. Besonders freue ich mich aber immer, wenn mir konkrete Ideen oder Ziele gespiegelt werden, die ich auch realistisch in den Rat einbringen kann. Das weitet meinen eigenen Blick, da ich selbst natürlich nicht alle Themen mitbekommen kann.   Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Mein größter Anker am Anfang war eine Jugendorganisation, in der ich mich mit anderen jungen Menschen austauschen, diskutieren und gegenseitig weiterbilden konnte. Ein gutes Netzwerk an Menschen, die mich unterstützt haben, hat mich stets ermutigt, meine Meinung zu sagen und weitere Aufgaben zu übernehmen.   Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten? In Zeiten der Unsicherheit ist Engagement eine gute Stütze – egal, wie dieses Engagement aussieht: bei der Feuerwehr, in einem Verein oder in einer Partei. Gerade junge Menschen sollten die Angst ablegen, nicht die nötigen Kompetenzen für ein solches Engagement zu haben. In alles kann man mit Interesse hineinwachsen, und Alter bringt nicht automatisch Kompetenz.   Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten? Ich freue mich immer über Feedback und Impulse zu meiner Arbeit. Wer sich darüber informieren oder mit mir in Kontakt treten möchte, findet mich auf Instagram (elli.martius), auf meiner Website (ellimartius.de) und über meine Fraktion (spd-fraktion/elli-martius). Dort gibt es auch weitere Kontaktmöglichkeiten.   Darüber hinaus möchte ich jedem ans Herz legen, sich selbst zu engagieren – sei es in einer Partei, einer Initiative oder einem Verein. Aus meiner Erfahrung sind es vor allem Menschen, die sich persönlich einbringen, die ehrenamtlichen Strukturen stärken und mit Leben füllen.   weitere Interviews Interviews Said Ramin Rahimi | JUSTICE & WÜRDE; Willkommen in Bautzen e. V. André Henning | Zentralwerk e. V. Annika & Lorenz | Projekt Kompass der Kindervereinigung Leipzig e. V. Max Haller & Steve Hanschur | Vorsitzende

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Said Ramin Rahimi | JUSTICE & WÜRDE; Willkommen in Bautzen e. V.

Veränderung durch Dialog: Wie zivilgesellschaftliches Engagement Sachsen prägt Veränderung durch Dialog: Wie zivilgesellschaftliches Engagement Sachsen prägt Ein Interview mit Said Ramin Rahimi – Jurist, Menschenrechtsaktivist und Gründer der Initiative JUSTICE & WÜRDE – über ein Sachsen, das ihm neben Herausforderungen mit Menschlichkeit und zivilgesellschaftlichem Engagement begegnet und darüber, wie Begegnung, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Teilhabe Brücken zwischen Menschen und Regionen baut. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Ich bin Said Ramin Rahimi – ein Mensch mit Migrationsgeschichte, der an Menschlichkeit, die Würde des Menschen und die Menschenrechte glaubt und sich gegen Rassismus und Extremismus in all seinen Formen einsetzt. Ich verwende bewusst den Begriff „Mensch mit Migrationsgeschichte“, weil ich davon überzeugt bin, dass kein Mensch illegal ist. Unabhängig von Titeln, Nationalitäten oder geografischen Grenzen sind wir zunächst alle Menschen und besitzen den gleichen Wert, die gleichen Rechte und die gleiche Würde. Deutschland ist zwar nicht das Land, in dem ich geboren wurde, aber nachdem ich Ende März 2022 gemeinsam mit meiner Mutter und meinem Bruder im Rahmen einer offiziellen Aufnahme durch die deutsche Bundesregierung nach Leipzig gebracht wurde, begann für mich ein neues Kapitel meines Lebens in diesem Land. Auf persönlicher Ebene habe ich das Gefühl, in Bautzen neu geboren worden zu sein, in Dresden gewachsen zu sein und heute in Sachsen ein Gefühl der Zugehörigkeit zu empfinden – nicht aus einer nationalistischen Perspektive, sondern aufgrund der Menschen, denen ich in dieser Region begegnet bin, der Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, und der menschlichen Beziehungen, die hier entstanden sind. Ich habe einen juristischen Hintergrund. In Afghanistan war ich als Strafverteidiger, Rechtsberater, Rechtsjournalist und Dozent für Verfassungsrecht tätig. Nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich meinen Weg in den Bereichen Recht, Menschenrechte,demokratische Bildung, bürgerschaftliche Teilhabe und gesellschaftlicher Dialog fortgesetzt.   In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Auf Grundlage meines juristischen Hintergrunds, der offiziellen Anerkennung meiner akademischen Qualifikationen in Deutschland, meiner beruflichen Erfahrungen sowie meiner nationalen und internationalen Tätigkeiten arbeite ich derzeit in verschiedenen Bereichen an der Schnittstelle von Recht, Menschenrechten, Demokratie und gesellschaftlich-politischer Teilhabe. Seit Ende 2022 arbeite ich als juristischer Mitarbeiter im Bereich Migrations- und Verwaltungsrecht beim Verein Willkommen in Bautzen e.V.. In dieser Funktion unterstütze ich Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte bei rechtlichen und administrativen Fragen, begleite sie in Verwaltungsverfahren, unterstütze die Kommunikation mit Behörden und trage dazu bei, dass Menschen Zugang zu Informationen und ihren gesetzlichen Rechten erhalten.   Gleichzeitig bin ich Gründer und Projektleiter von JUSTICE & WÜRDE, einer Initiative, die im August 2026 ihre praktische Arbeit in Sachsen aufnimmt. Das Projekt wird von der Stiftung EVZ unterstützt und in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Partnern umgesetzt. Im Mittelpunkt stehen Menschenrechtsbildung, demokratische Bildung, Erinnerungskultur, die Auseinandersetzung mit Diskriminierung, gesellschaftlicher Dialog und die Stärkung bürgerschaftlicher Teilhabe. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit historischen Themen und Erinnerungskultur, unter anderem durch Recherche, fotografische Dokumentation sowie die Arbeit mit persönlichen Geschichten, Texten und Gedichten. Dabei geht es mir darum, historische Erfahrungen sichtbar zu machen, ihre Bedeutung für die Gegenwart zu reflektieren und einen Raum für gesellschaftlichen Austausch zu schaffen. In den vergangenen Jahren habe ich außerdem an verschiedenen nationalen und internationalen Programmen und Netzwerken teilgenommen, darunter: European Forum Alpbach 2026 – Stipendiat World Bank Group Youth Summit 2026 – ausgewählter Delegierter CEELI Institute – Strategic Litigation Training Justice Leaders Alliance OFAJ/DFJW – Programme im Bereich Jugenddialog und europäische Zusammenarbeit Erasmus+ – Programme zu Bildung, Jugend und Demokratie Stiftung EVZ – Programme im Bereich Erinnerungskultur und Menschenrechte Betzavta – demokratische Bildungs- und Moderationsausbildung Diese Erfahrungen ermöglichen es mir, juristisches und politisches Wissen, politische Bildung, meine eigene Migrationserfahrung, historische Auseinandersetzung und gesellschaftliches Engagement miteinander zu verbinden.   Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Viele Erfahrungen haben mich zu diesem Engagement geführt: mein Leben in Bautzen, Dresden und Sachsen; das Zugehörigkeitsgefühl, das ich zu dieser Region entwickelt habe; persönliche Erfahrungen mit Diskriminierung und gesellschaftlichen Herausforderungen; die Geschichte dieser Region; und nicht zuletzt die Begegnung mit vielen engagierten und verantwortungsbewussten Menschen in Ostdeutschland. Eine besondere Rolle spielte dabei auch meine Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur. Besuche ehemaliger Orte von Zwangsarbeit und Haft haben mich tief geprägt. Dort Geschichte nicht nur aus Büchern zu kennen, sondern an historischen Orten zu stehen, Spuren der Vergangenheit zu sehen und sich mit den Erfahrungen und dem Leid der Menschen auseinanderzusetzen, hat mir erneut gezeigt, wie wichtig es ist, Erinnerung lebendig zu halten und aus der Geschichte Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen. Ich bin dabei sowohl mit den schwierigen Seiten dieser Gesellschaft als auch mit Menschen in Kontakt gekommen, die sich mit großer Überzeugung für Menschlichkeit, Demokratie und ein friedliches Zusammenleben einsetzen.   Diese Erfahrungen haben mich dazu bewegt, nicht nur über Veränderung zu sprechen, sondern selbst Teil dieser Veränderung zu sein. JUSTICE & WÜRDE ist genau aus diesem Punkt heraus entstanden: aus der Erfahrung eines Migranten, aus meinem juristischen Wissen, aus meinem Glauben an den Dialog und aus der Überzeugung, dass Demokratie nicht allein in geschriebenen Gesetzen existiert, sondern im alltäglichen Umgang der Menschen miteinander entsteht.   Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? JUSTICE & WÜRDE verbindet meine juristische Expertise mit demokratischer Bildung, gesellschaftlichem Engagement sowie der Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur und Geschichte. Im Mittelpunkt steht die Verbindung dieser Bereiche, um Menschenrechtsbildung und demokratische Teilhabe praktisch erfahrbar zu machen. Die Initiative umfasst Workshops und Aktivitäten zu Menschenrechten, Grundrechten, Antidiskriminierung, Erinnerungskultur, interkulturellem Dialog, bürgerschaftlicher Teilhabe und der Stärkung des Rechtsbewusstseins. Dabei verbinde ich mein juristisches Wissen und meine praktische Erfahrung mit Methoden der non-formalen Bildung, insbesondere mit Ansätzen wie Betzavta. Ziel ist es, dass Menschen Demokratie nicht nur als theoretisches Konzept kennenlernen, sondern sie durch Dialog, Reflexion und gemeinsames Handeln unmittelbar erfahren. Es geht mir darum, Menschen nicht nur über ihre Rechte zu informieren, sondern sie auch darin zu stärken, ihre eigene Rolle und Verantwortung bei der Gestaltung einer demokratischen, inklusiven und solidarischen Gesellschaft zu erkennen. Darüber hinaus engagiere ich mich bei Willkommen in Bautzen e.V. in der rechtlichen Begleitung von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, bei der Übersetzung und interkulturellen Kommunikation, bei administrativen Angelegenheiten sowie bei der Verbesserung des Zugangs zu Informationen und rechtlichen Ansprüchen.

Said Ramin Rahimi | JUSTICE & WÜRDE; Willkommen in Bautzen e. V. Read More »

André Henning | Zentralwerk e. V.

Kultur als Gegenentwurf: Das Zentralwerk als Möglichkeitsraum in Pieschen Kultur als Gegenentwurf: Das Zentralwerk als Möglichkeitsraum in Pieschen Ein Interview mit André Hennig, Mitglied der Zentralwerk Kultur- und Wohngenossenschaft Dresden und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit von Genossenschaft sowie Verein. Über ehrenamtliches Engagement zwischen Selbstverwaltung und Selbstausbeutung, die Rolle des Zentralwerks als Alternative zum gesellschaftlichen Backlash in Ostdeutschland und Medienkompetenz als “demokratische Basiskompetenz”. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist André Hennig und ich bin „Genosse“ in der Zentralwerk Kultur- und Wohngenossenschaft Dresden. Als solcher wohne ich auch im Zentralwerk. Beruflich beschäftige ich mich aktuell vor allem mit Öffentlichkeitsarbeit im Kulturbereich und als PR-Texter. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Im Zentralwerk gibt es neben der Genossenschaft noch den Zentralwerk e.V., das ist sozusagen der kulturelle Arm des Projektes. Ich koordiniere die Öffentlichkeitsarbeit für Genossenschaft und Verein, wobei der vom Verein getragene Veranstaltungsbetrieb dabei den wesentlichen Teil ausmacht.   Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Das Zentralwerk existiert als Ort, der Leben und Arbeiten verbindet, seit ca. 2016. Seit damals haben vor allem die Genossenschaftsmitglieder, die beruflich aus sehr verschiedenen Bereichen kommen, jede Menge ehrenamtliche Arbeit in das Projekt gesteckt und tun es weiterhin, um den kulturellen Betrieb zu gewährleisten und das gesamte Konstrukt strukturell stetig weiterzuentwickeln. Das funktioniert natürlich am besten, wenn jeder seine spezifischen Skills dort einbringt, wo sie gebraucht werden. Da ich seit langem im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig bin, ist es naheliegend, hier entsprechende Aufgaben zu übernehmen und das Zentralwerk als kulturellen Kristallisationspunkt in Pieschen und als Begegnungsort in diesem Stadtteil zu stärken.   Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Das Zentralwerk dient zum einen als Spielstätte von eigenen, vom Verein getragenen Veranstaltungen, vor allem aber als kultureller Hub, das von ganz verschiedenen Akteuren genutzt werden kann. Dafür stellen wir nicht nur die Infrastruktur zur Verfügung, sondern machen in wesentlichen Teilen auch die Öffentlichkeitsarbeit. Hier bin ich sozusagen der Koordinator, schreibe Pressemitteilungen und habe die Social-Media-Kanäle im Blick.   Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? In den ostdeutschen Bundesländern und also auch in Sachsen ist es besonders wichtig, Räume und Angebote zu schaffen, die Alternativen zum aktuellen gesellschaftlichen und politischen Backlash bieten. Orte, an denen nicht demokratie- und menschenfeindliche Einstellungen ventiliert werden, an denen nicht Eigennutz und wirtschaftliche Verwertbarkeit das Maß der Dinge sind. Wir versuchen, ein solcher Ort zu sein – zum einen mit unseren Veranstaltungen, zum anderen, indem wir Initiativen und Institutionen eine Plattform bieten, die das gleiche wollen. Im Zentralwerk betreiben Enthusiasten ein freies Radio, beschäftigen sich im Chaos Computer Club u.a. mit gesellschaftlichen Aspekten von Technologie und setzen sich für Informationsfreiheit sowie informationelle Selbstbestimmung ein, spielen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Theater, haben Künstler verschiedenster Richtung einen Platz zum Arbeiten und migrantische Vereine einen „Engagement-Stützpunkt“.   Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wohl dieselben wie fast allen ähnlich gestrickten Akteuren: eine prekäre wirtschaftliche Situation und die Endlichkeit ehrenamtlichen Engagements, wenn es in Selbstausbeutung umschlägt. Auch wenn sich ein wesentlicher Teil des Zentralwerks durch Mieten und viel unbezahlte Arbeit selbst trägt, so kann er doch den anderen, kulturellen Teil nicht mal eben querfinanzieren. Denn wir wollen Raum zum Leben und Arbeiten möglichst niederschwellig und kostengünstig anbieten. Der Kulturbetrieb ist von Fördergeldern abhängig. Die fließen in Dresden von jeher vornehmlich in Richtung „Hochkultur“, die Mittel für freie Szene, Popmusik, Kleinkunst etc. schmelzen durch Kürzungen und Inflation wie Schnee im Klimawandel. Zwar haben auch wir einen „Grünen Hügel“ – viel mehr sogar zwei -, von Zuschüssen wie in Bayreuth können wir aber nicht mal träumen, denn die Relationen liegen jenseits des Vorstellbaren. Bekämen wir nur eine einzige Wagnerfestspiel-Jahresförderung, könnten wir damit viele Jahrzehnte lang Programm machen und zusätzlich Leute vernünftig bezahlen.   Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?  Das Zentralwerk setzt vor allem auf physische Angebote, auf das gemeinschaftliche Erlebnis vor Ort. Nichtsdestotrotz haben wir Veranstaltungen, die sich mit entsprechenden Themen beschäftigen, gelegentlich auch im Programm. Zudem ist das Zentralwerk Heimat verschiedener Akteure, die auf diesen Gebieten mit Expertise aufwarten können. Beispielhaft genannt seien hier das freie Radio „Coloradio“, das auch mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, sowie der Chaos Computer Club, der mit den „Datenspuren“ auch seine Jahreskonferenz im Zentralwerk ausrichtet.   Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Eminent wichtig. Medienkompetenz ist keine „Zusatzqualifikation“, sondern eine demokratische Basiskompetenz: Ohne sie sind wir nicht in der Lage, uns evidenzbasiert zu informieren, sie ist die Grundlage für Urteilskraft und Handlungsfähigkeit in digitalen wie in gesellschaftlichen und politischen Räumen.    Welche Chancen und Herausforderungen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Digitale Medien und der souveräne, aber auch kritische Umgang mit ihnen sind ein Grundpfeiler für zivilgesellschaftliches Engagement, sie können uns helfen, wirksam, inklusiv und resilient zu sein. Fehlt die Kompetenz im Umgang mit ihnen, können sie aber auch absolut destruktiv wirken. Die Herausforderung dabei: Medienkompetenz ist über alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten hinweg enorm ausbaufähig.   Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit und welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Wir bieten mit dem Zentralwerk einen Möglichkeitsraum. Menschen können sich hier verwirklichen, eine Homebase für ihre Kunst und/oder ihr Business finden, sie können Kultur erleben, Theater spielen, singen, tanzen oder sich einfach nur niederschwellig und diskriminierungsfrei in einem toleranten und aufgeschlossenen Umfeld mit Gleichgesinnten treffen. Damit sind wir nicht die Keimzelle der Weltrevolution, machen die Welt aber vielleicht ein klein wenig besser.    Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Eine tragfähige wirtschaftliche Basis. Diese sollte auch, aber nicht zwingend ausschließlich, durch den Steuerzahler geschaffen werden. In Zeiten epochaler Ungleichverteilung von Vermögenswerten bieten wir die Chance, hier nivellierend zu wirken: Spenden Sie an den Zentralwerk e.V.! Wir sind wie gesagt ein Möglichkeitsraum: Mäzene sind bei uns ebenso willkommen wie Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und tatkräftig einbringen möchten.   Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Einfach machen. Dafür muss man manchmal

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Annika & Lorenz | Projekt Kompass der Kindervereinigung Leipzig e. V.

Ein Kompass für den kritischen Umgang mit Extremismus und Fake News online Ein Kompass für den kritischen Umgang mit Extremismus und Fake News online Ein Interview mit Annika und Lorenz vom Projekt Kompass der Kindervereinigung Leipzig e. V. über eine digitale Medienbildung, die sich an den Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen orientiert, über die Schnelllebigkeit von Trends und den sensiblen Umgang mit unterschiedlichen Zielgruppen. Könntet ihr euch bitte kurz vorstellen? Wir sind Lorenz und Annika vom Projekt Kompass in Leipzig. Lorenz hat Erziehungswissenschaft studiert und Annika Soziale Arbeit.   In welcher Funktion seid ihr aktuell tätig? Wir sind Projektmitarbeitende vom Projekt Kompass der Kindervereinigung Leipzig e.V.   Was hat euch dazu bewogen, euch in diesem Bereich zu engagieren? Wir beobachten gerade eine starke Zunahme versuchter Einflussnahme durch Ideologische Gefährdungen in Social Media. In dem Projekt sehen wir die Möglichkeit Kinder und Jugendliche darüber aufzuklären und durch Wissen zu schützen.   Welche konkreten Tätigkeiten umfasst eure Arbeit? Unsere Arbeit umfasst die Konzeption und Durchführung von Workshops an Schulen, in Jugendclubs sowie mit Multiplikator*innen. Dabei setzen wir uns mit Themen wie Rechtsextremismus, religiös begründetem Extremismus, Verschwörungserzählungen und Fake News auseinander. Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Tätigkeit ist die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen.    Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Für uns ist es wichtig, mit Kindern und Jugendlichen über ihre Lebenswelt ins Gespräch zu kommen. Wir möchten uns mit ihnen austauschen, was ihnen alltäglich auf Social Media begegnet und es gemeinsam einordnen. Dies finden wir, auch unabhängig von Sachsen, sehr wichtig. Dennoch kann festgehalten werden, dass sich in den letzten Jahren, besonders in Sachsen, die Diskurse radikalisiert haben und häufig mit menschenfeindlichen Haltungen verbunden sind. Es ist wichtig, sich dem entgegenzustellen und Jugendliche in einer kritischen Auseinandersetzung zu bestärken.   Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Zu einer der größten Herausforderungen unserer Arbeit gehören die unsichere Finanzierung sowie die begrenzten personellen Ressourcen eines kleinen Teams. Gleichzeitig verändern sich digitale Plattformen, Trends und Kommunikationsformen sehr schnell, sodass es schwierig ist, bei aktuellen Entwicklungen, neuen Phänomenen und digitalen Risiken auf dem neuesten Stand zu bleiben.  Auch die Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen stellt uns vor Herausforderungen. Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Schüler*innen bringen häufig verschiedene Perspektiven, Erwartungen und Meinungen zu den Themen mit. Dies erfordert einen sensiblen, wertschätzenden und fachlich fundierten Umgang mit kontroversen Diskussionen. Darüber hinaus beschäftigen wir uns täglich mit belastenden Inhalten, was eine stetige Reflexion erfordert.   Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Digitale Angebote und die Förderung von Medienkompetenz spielen in unserer Arbeit eine zentrale Rolle. Alle unsere Angebote beziehen sich auf den digitalen Raum, da sich viele Kinder und Jugendliche dort täglich aufhalten und soziale Medien ein großer Teil ihrer Freizeit ist. Gleichzeitig bieten digitale Plattformen einen leichten Zugang für Radikalisierungsangebote, Desinformation und Verschwörungserzählungen. Um darüber mit Jugendlichen gut ins Gespräch zu kommen, nutzen wir medienpädagogische Methoden und Tablets in unseren Workshops. Wir verfolgen aktuelle Entwicklungen auf Social Media und betreiben einen Instagram-Account, der sich gezielt an Jugendliche richtet.   Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Wir finden, dass es ein sehr essentieller Teil zivilgesellschaftlicher Arbeit ist, dem in den letzten Jahren zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass Social Media stark von demokratiefeindlichen Creator*innen bespielt wird und sie dabei auch enorme Reichweiten erlangen. Dem etwas entgegenzusetzen, ist wichtig!   Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Aus unserer Sicht ist eine der größten Herausforderungen, dass sich viele Akteur*innen noch zu wenig mit den aktuellen Entwicklungen in den sozialen Medien und der Lebenswelt junger Menschen beschäftigen. Plattformen und Trends verändern sich sehr schnell. Dadurch erreichen demokratiefeindliche Inhalte Jugendliche oft früher als präventive Angebote. Gleichzeitig sehen wir darin aber auch eine große Chance: Social Media ermöglicht es, Kinder und Jugendliche zu erreichen, die über klassische Bildungs- oder Präventionsangebote oft gar nicht angesprochen werden.   Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Wir erleben in unserer Arbeit häufig, dass sich Debattenräume eröffnen und Diskurse ermöglicht werden, die im klassischen Schulalltag keinen Platz finden. Außerdem wird natürlich eine Sensibilisierung für radikale Inhalte und Fake News erreicht. Wir erhalten oft positives Feedback von den Teilnehmer*innen, dass sie viel Neues gelernt haben und über Themen sprechen konnten, für die im Schulalltag sonst kein Raum ist.   Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Unser langfristiges Ziel ist es, präventiv zu wirken, indem wir Kinder und Jugendliche für die oben genannten Themen sensibilisieren und ihre Medienkompetenz fördern. Sie sollen sich selbstständig sicher im digitalen Raum bewegen können und potentielle Gefährdungen erkennen können.     Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Wir bräuchten eine stabile sichere Finanzierung und vor allem mehr Mitarbeiter*innen im Team.   Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Vernetzt euch, probiert euch aus und unterstützt Initiativen, die zu euch passen. Gerade in der heutigen Zeit braucht es viele Menschen, die sich zivilgesellschaftlich engagieren.   Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten? E-Mail: kompass@kv-leipzig.de instagram: projekt_kompass_leipzighttps Spendenkonto: kv-leipzig.de/wir/spendenkonto weitere Interviews Interviews Max Haller & Steve Hanschur | Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden Kevin Meinel | Medienpädagoge und Projektleiter der Initiative Medienbildung Vogtland Jan Hüfner | Berater und Vorstandsmitglied des Gaionauten e. V. Ulrike Cadot-Knorr | Lebenslanges Lernen Landeshauptstadt Dresden Ulrike Bertus | Haus der Demokratie Leipzig e.V. Jennifer Bernecker | metro polis e.V. Tobias Wallusch | Politischer Jugendring Dresden e.V. Thomas Bächer | IVF Leipzig Siri Pahnke | Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. Paul Groschinski | MediaEducators Vogtland Marcelo | CAMBIO e.V. Julien Deschamps | Fairfilms Janet Torres Lupp | Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen Felix Völkel | KURZFILMTAG C. Z. – Antirassismusberaterin Dresden Kátia Oliveira | Bürgertreff Volkmarsdorf Valentin Lippmann | Landtagsabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Oliver Gibtner-Weidlich | LKJ Sachsen Georg Salditt | Internationales Bildungszentrums St. Marienthal Sophia Philipp | Social Web macht Schule

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Max Haller & Steve Hanschur | Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden

Mitreden, mitentscheiden: Schülervertretung als Schule der Demokratie Mitreden, mitentscheiden: Schülervertretung als Schule der Demokratie Ein Interview mit Max Haller und Steve Hanschur, Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden. Über ihren Weg ins schulpolitische Engagement, die Arbeit der Schülervertretung, begrenzte Mittel sowie die zentrale Rolle von Medienkompetenz für zivilgesellschaftliche Teilhabe und demokratisches Engagement.  Könntet Ihr euch bitte kurz vorstellen?Wir sind Max Haller und Steve Hanschur aus Dresden und haben vor Kurzem erfolgreich unser Abitur abgeschlossen. In welcher Funktion seid Ihr aktuell tätig?Derzeit engagieren wir uns als Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden. In dieser Funktion vertreten wir die Interessen der Dresdner Schüler*innen gegenüber Politik, Verwaltung, Medien und zahlreichen weiteren Institutionen. Unser Ziel ist es, die Perspektiven junger Menschen sichtbar zu machen und ihre Anliegen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubringen. Was hat Euch dazu bewogen, euch in diesem Bereich zu engagieren?Für viele beginnt dieses Engagement aus Interesse oder Freude an der Mitgestaltung. Mit der Zeit merkt man aber, wie wichtig eine starke Stimme für Schüler*innen ist. Genau das motiviert uns jeden Tag aufs Neue, Verantwortung zu übernehmen und uns aktiv für bessere Bildungsbedingungen einzusetzen. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Eure Arbeit?Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit ist die Außenvertretung. Ob im Austausch mit Politikerinnen, Journalistinnen, Organisationen oder bei Reden auf Demonstrationen und öffentlichen Veranstaltungen – überall dort, wo die Interessen von Schüler*innen vertreten werden müssen, sind wir im Einsatz. Darüber hinaus organisieren wir eigene Projekte und Veranstaltungen. Ein Beispiel dafür ist der Schülergipfel, den wir gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchführen. Dieser setzt sich jedes Jahr mit einem Thema der Erinnerungs- und Gedenkkultur auseinander und ermöglicht jungen Menschen eine intensive Auseinandersetzung mit Geschichte und Demokratie. Warum ist Eure Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?Das Besondere an der Schülervertretung ist ihre Struktur: Im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen im Bereich Bildung oder Jugendhilfe wird sie vollständig von Jugendlichen getragen. Planung, Organisation und Interessenvertretung liegen in den Händen junger Menschen. Dadurch entstehen authentische Perspektiven und praxisnahe Lösungsansätze, die Erwachsene häufig nicht in gleicher Weise einbringen können. Diese unmittelbare Nähe zum Schulalltag macht die Schülervertretung zu einer einzigartigen Möglichkeit. Welche Herausforderungen begegnen Euch in eurem Tätigkeitsbereich?Unsere Arbeit bringt vor allem Herausforderungen mit sich, da wir selbst Jugendliche sind. Unsere Positionen werden von manchen politischen Entscheidungsträger*innen nicht immer mit der notwendigen Ernsthaftigkeit wahrgenommen. Hinzu kommt, dass uns finanzielle Möglichkeiten häufig fehlen, da wir beispielsweise keine Spenden annehmen dürfen. Dennoch gelingt es uns immer wieder, Projekte erfolgreich umzusetzen – vor allem dank der Unterstützung engagierter Partner wie des Kinder- und Jugendbüros Dresden und weiterer Kooperationspartner. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Eurer Arbeit?Medienkompetenz spielt in unserer täglichen Arbeit eine zentrale Rolle. Wir stehen kontinuierlich über E-Mail, Instagram und andere digitale Kommunikationswege mit Schulen, Kooperationspartnern und politischen Akteur*innen im Austausch. Gleichzeitig betreuen wir unsere Social-Media-Kanäle auf verschiedenen Plattformen und informieren dort über unsere Arbeit. All das erfordert einen verantwortungsvollen, professionellen und reflektierten Umgang mit digitalen Medien. Dazu gehört heute auch der bewusste und nachhaltige Einsatz von Künstlicher Intelligenz als unterstützendes Werkzeug. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?Medienkompetenz ist heute eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches zivilgesellschaftliches Engagement. Ein großer Teil der öffentlichen Debatte findet inzwischen im digitalen Raum statt. Wer Menschen erreichen, informieren und für gesellschaftliche Themen begeistern möchte, muss digitale Medien verantwortungsvoll und zielgerichtet einsetzen können. Gleichzeitig ist Medienkompetenz unverzichtbar, um Informationen kritisch zu hinterfragen, Desinformation zu erkennen und sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden. Gerade für eine lebendige Demokratie ist das von zentraler Bedeutung. Welche Herausforderungen und Chancen beobachtet Ihr im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?Wir beobachten sowohl große Chancen als auch Herausforderungen. Digitale Medien ermöglichen es, junge Menschen schnell zu erreichen, Beteiligung niedrigschwellig zu gestalten und politische Themen für viele überhaupt erst zugänglich zu machen. Gleichzeitig verbreiten sich Falschinformationen, Hasskommentare und extremistische Inhalte oft besonders schnell. Deshalb braucht es neben technischen Fähigkeiten vor allem die Kompetenz, Quellen kritisch zu bewerten, respektvoll zu kommunizieren und Verantwortung für die eigenen Inhalte zu übernehmen. Welche positiven Veränderungen könnt Ihr durch Eure Arbeit bewirken oder beobachten?Durch unsere Arbeit konnten wir bereits zahlreiche positive Veränderungen anstoßen. Wir haben viele Schüler*innen dazu motiviert, sich selbst in ihren Schulen oder darüber hinaus zu engagieren und ihre Interessen aktiv zu vertreten. Gleichzeitig ist es uns gelungen, die Anliegen von Schüler*innen stärker in die öffentliche und politische Diskussion einzubringen und den Austausch zwischen jungen Menschen, Politik und Gesellschaft zu fördern. Diese Erfahrungen zeigen uns immer wieder, dass zivilgesellschaftliches Engagement konkrete Veränderungen bewirken kann – vor allem, wenn junge Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre Stimme einzubringen und ernst genommen werden. Welche langfristigen Ziele verfolgt Ihr mit Eurer Tätigkeit?Langfristig möchten wir die Dresdner Schulen zu einem besseren Ort des Lernens und des Miteinanders machen. Schule ist nicht nur Aufgabe der Politik, der Lehrer*innen oder der Eltern. Schule ist ein Ort aller und braucht daher auch ein gemeinsames Miteinander. Wir möchten eine Verbindung zwischen all diesen Gliedern herstellen und dabei helfen, Bildung neu zu denken. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Eure Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?Eine große Rolle spielt die Öffentlichkeit. Unser Team ist mittlerweile relativ groß geworden und umfasst 20 Personen. Dennoch kennen nicht alle Schüler*innen in Dresden den Stadtschülerrat oder wissen, was wir tun. Das finden wir sehr schade, denn jeder hat ein Recht auf Mitwirkung. Daher ist es eines unserer Anliegen, durch die Unterstützung aus Medien und Politik für mehr Öffentlichkeit zu sorgen. Zudem ist für ein Team unserer Größe auch Geld entscheidend, damit wir Projekte und Veranstaltungen umsetzen können. Welche Empfehlung würdet Ihr jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?Engagement muss nicht für jeden eine lebensfüllende Aufgabe sein, die keine Zeit für andere Dinge lässt. Es würde reichen, wenn jeder einen kleinen Teil zu einem großen Ganzen beiträgt, um unseren Alltag lebenswerter zu machen und anderen zu helfen. Gibt es noch etwas, das Ihr gerne mitteilen möchtet?Bildung ist keine Frage der Politik, sondern der Beteiligung, denn sie verändert sich nicht von selbst – wir müssen es tun. Wie können Interessierte Euer Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?Bei Fragen oder Problemen sind wir unter

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Kevin Meinel | Medienpädagoge und Projektleiter der Initiative Medienbildung Vogtland

Medienkompetenz im ländlichen Raum: Warum der zweite Blick auf Nachrichten immer wichtiger wird Medienkompetenz im ländlichen Raum: Warum der zweite Blick auf Nachrichten immer wichtiger wird Kevin Meinel spricht über seine Arbeit an der Schnittstelle von Journalismus, Medienpädagogik und Erwachsenenbildung. Das Gespräch zeigt, warum Medienkompetenz nicht nur vor Betrug und Desinformation schützt, sondern auch zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe stärken kann. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?Mein Name ist Kevin Meinel, ich lebe im vogtländischen Ellefeld und bin Medienpädagoge und freischaffender Videoproduzent. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?Ich bin Projektleiter der Initiative Medienbildung Vogtland, einem Förderprojekt zur Förderung der Nachrichten- und Informationskompetenz von Erwachsenen. Zu meinem Team gehören eine feste Mitarbeiterin sowie eine Volontärin. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?Ich bin über den Journalismus zur Medienpädagogik gekommen. Durch meine jahrelange Arbeit bei einem regionalen Fernsehsender musste ich mich regelmäßig mit Themen wie Fake News, Glaubwürdigkeit von Informationen und Verschwörungserzählungen auseinandersetzen. Dieses Wissen, gepaart mit vielen weiteren Medienkompetenz-Themen, an andere Menschen weiterzugeben, halte ich für eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, der ich mich jeden Tag sehr gerne stelle. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?Wir fördern Erwachsenenbildung im gesamten Vogtlandkreis, also im ländlichen Sachsen. Das reicht, bezogen auf das Alter, von jungen Erwachsenen über Eltern und Multiplikatorinnen bis zu Seniorinnen. Inhaltlich beschäftigen wir uns mit den Themen Fake News, Medienerziehung, den Sozialen Medien inklusive Phänomenen wie Cybermobbing und Cybergrooming sowie Künstlicher Intelligenz. Die Wissensvermittlung erfolgt über verschiedene Formate – von Elternabenden über Workshops bis hin zu Kinoveranstaltungen. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?Neben uns gibt es im ländlichen Raum wenige andere Angebote, die sich mit diesen Themen beschäftigen, obwohl sie zweifellos wichtig sind: Ohne Smartphone kann man teilweise am öffentlichen Leben nicht mehr teilnehmen. Immer neue Betrugsmeldungen und Desinformationen zeigen den Bedarf an Aufklärung. Sowohl Eltern als auch Pädagog*innen stehen vor der Frage, was Jugendliche im Internet machen und wie man damit umgehen sollte. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?Wir begegnen vielen verschiedenen Menschen mit ihren jeweils eigenen Herausforderungen und Problemen. Gemeinsam ist ihnen vielleicht, dass der Wandel, den wir alle bemerken, insbesondere auch bei den Medien zu beobachten ist. Es fällt schwer, verlässliche Informationen zu finden oder über die Generationen hinweg ins Gespräch zu kommen. Eltern wissen teilweise gar nicht, was ihre Kinder den ganzen Tag am Handy machen. Die Lebensrealitäten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen driften immer weiter auseinander. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?Aufgrund unserer Ausrichtung spielen digitale Angebote und Medienkompetenz die Hauptrolle in unserer Arbeit. Zum einen bei der thematischen Schwerpunktsetzung der einzelnen Formate, zum anderen bei der Auswahl der verschiedenen Methoden zur Umsetzung der Angebote. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?Fake News von verlässlichen Informationen unterscheiden zu können und so eine solide Basis für das eigene Engagement zu haben, gehört zweifellos zu einer demokratischen Gesellschaft. Zudem ist es heute wichtig, sich selbst in sozialen Medien präsentieren zu können, beispielsweise um Mitstreiter*innen zu finden und Reichweite für zivilgesellschaftliches Engagement zu generieren. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?Je jünger die Zielgruppe von Vereinen oder Initiativen ist, desto notwendiger ist es, dass sie sich auch in digitalen Medien engagieren. Das ermöglicht natürlich auch Vernetzung, insbesondere im ländlichen Raum. Statt sich alleine im Dorf zu engagieren, findet man möglicherweise in den Nachbarorten Gleichgesinnte und kann sich zusammentun, um so mehr zu erreichen. Gleichzeitig spaltet die Flut an Desinformationen gesellschaftliche Gruppen und führt dazu, dass ein konstruktiver Diskurs mit unterschiedlichen Meinungen immer schwieriger zu führen ist. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?Wir hoffen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass Menschen einen zweiten Blick auf Nachrichten oder Meldungen werfen und sich fragen, ob das so stimmen kann – oder ob sie es mit Fake News oder Betrug zu tun haben. Außerdem ermöglichen wir Teilhabe, gerade von älteren Menschen, an der digitalen Gesellschaft und dem dort stattfindenden Austausch. Wir versuchen Eltern in die Verantwortung zu nehmen, ihnen die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen näherzubringen und dafür zu sorgen, dass Kinder so früh wie möglich medienkompetent aufwachsen. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?Wir wollen uns weiter als Ansprechpartner für Medienkompetenz in der Region etablieren und so viele Menschen wie möglich erreichen. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?Der Bedarf in der Region ist riesig. Um noch mehr Menschen mit unseren Angeboten erreichen zu können, bedarf es mehr Personal und noch mehr gezielter Werbung. Der Knackpunkt ist hier wie so oft die finanziellen Mittel. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?Zunächst kleinere Ziele setzen und nicht gleich die Welt verändern wollen. Man stößt in dem System schnell an Grenzen und muss Hürden nehmen, an die man vorher nie gedacht hätte. Das kann schnell zu Frustration und gegebenenfalls Resignation führen und das Engagement beenden, bevor es richtig angefangen hat. Ehrenamtliches Engagement ist so vielfältig und für unsere Gesellschaft von immenser Bedeutung. Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?Auf unserer Website medienbildung-vogtland.de finden Interessierte alle unsere Veranstaltungen und weitere Infos zu unserem Projekt. Daneben können sie uns gerne per Mail (initiative@medienbildung-vogtland.de) oder telefonisch (03741 / 281 44 55) kontaktieren. Die beste Unterstützung ist die „Mund-zu-Mund-Propaganda“ – wer zufrieden und mit einem Mehrwert aus unseren Veranstaltungen rausgeht, der darf das gerne seinen Freund*innen und Bekannten erzählen. weitere Interviews Interviews Jan Hüfner | Berater und Vorstandsmitglied des Gaionauten e. V. Ulrike Cadot-Knorr | Lebenslanges Lernen Landeshauptstadt Dresden Ulrike Bertus | Haus der Demokratie Leipzig e.V. Jennifer Bernecker | metro polis e.V. Tobias Wallusch | Politischer Jugendring Dresden e.V. Thomas Bächer | IVF Leipzig Siri Pahnke | Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. Paul Groschinski | MediaEducators Vogtland Marcelo | CAMBIO e.V. Julien Deschamps | Fairfilms Janet Torres Lupp | Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen Felix Völkel | KURZFILMTAG C. Z. – Antirassismusberaterin Dresden Kátia Oliveira | Bürgertreff Volkmarsdorf Valentin Lippmann | Landtagsabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Oliver Gibtner-Weidlich | LKJ Sachsen Georg

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Jan Hüfner | Berater und Vorstandsmitglied des Gaionauten e. V.

Bildung mit allen Sinnen: Wie aktuelle Fragen und Zukunftsvisionen erfahrbar werden. Bildung mit allen Sinnen: Wie aktuelle Fragen und Zukunftsvisionen erfahrbar werden. Ein Interview mit Jan Hüfner, systemischer Berater und Vorstandsmitglied des Gaionauten e. V., über die Bedeutung von Gefühl und gemeinsamen Momenten, über die Widersprüche digitaler Technik und darüber, warum die Natur ein Mitbestimmungsrecht braucht. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Ich heiße Jan Hüfner, bin in Jena aufgewachsen. Ich habe Volkswirtschaft und Philosophie studiert, mit der Frage im Kopf: Was hat wirtschaftliches Denken eigentlich mit dem zu tun, was uns wirklich am Herzen liegt? Heute arbeite ich als systemischer Berater und Mediator im Familienrecht, sitze also oft mit kleinen und großen Menschen in ihrem größten Schmerz und versuche, wieder eine Brücke zu bauen. Und dann bin ich noch Gaionaut, ehrenamtlich, mit ganzem Herzen. Zwei Leben, könnte man meinen. Für mich ist es dieselbe Sehnsucht: Menschen wieder miteinander in Verbindung bringen. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin Mitglied im Vorstand beim Gaionauten e.V., mit dem wir unser Resonanz-Labor betreiben. Der Name Gaionaut trägt die ganze Haltung schon in sich, das Gegenteil von Kosmonaut. Die einen fliehen in die Ferne des Kosmos. Wir bleiben hier, auf dieser einen verletzlichen Erde, und spüren den Verbindungen nach, die längst da sind, zwischen einem Fluss und seinen Anwohnern, zwischen einem Kind und seiner Angst vor der Zukunft. Ein fälliger Perspektivwechsel gegenüber einem überzogenen Fortschrittsglauben, der die Erde und uns alle irgendwann zerstören könnte. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Ich komme aus der Smart-City-Welt, aus Zahlen, Dashboards, Kennziffern und technischen Visionen. Und habe irgendwann gespürt, fast körperlich, dass mich noch eine weitere Grafik zur Klimakrise nicht mehr erreicht. Aus meiner Arbeit mit Familien in Krisen kenne ich das: Menschen ändern sich nicht, weil man ihnen die Fakten noch einmal erklärt, sondern weil in einem Moment etwas bei ihnen ankommt, sie etwas erfühlen. Ich habe gemerkt, ich sehne mich selbst danach, den Fluss vor meiner Haustür wieder zu spüren, nicht nur seine Pegelstände zu kennen. Genau da wollten wir ansetzen. Unsere Mitgliedschaft im bundesdeutschen Netzwerk Rechte der Natur hat uns dabei weiter vorangebracht. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Unsere Vision ist der Resonanz-Dome, eine Kuppel, in die man hineingeht wie in einen großen, atmenden Raum. Klimadaten, Wasser, Verkehr werden dort nicht mehr abgelesen, sondern gehört und gefühlt, als Klang, als Licht, das sich mit dem eigenen Atem bewegt. Dazu Bildung, die unter die Haut geht statt nur in den Kopf, gehämmert werden soll und Biokratie, der Versuch, Flüssen und Wäldern endlich eine Stimme zu geben, die man hört, statt sie zu übergehen. Ich sage ehrlich: Vieles davon ist zerbrechlich und im Werden. Wir sind ein Labor, in dem wir uns auch mal die Finger verbrennen. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? 1926 wurde in Leipzig eines der ersten Großraum-Planetarien der Welt eröffnet, ein Ort des Staunens. 2026 wäre es hundert Jahre alt geworden, wenn es nicht schon im Krieg von eben jenem Himmel zerstört worden wäre, den es zu erklären suchte. Daran hängt für mich mehr als Geschichte, es ist ein Gefühl. Ich denke an 1989, an Menschen, die aneinander gedrängt auf der Straße standen, mit Herzklopfen, und in diesem gemeinsamen Moment plötzlich handlungsfähig wurden. Genau dieses Kribbeln, gemeinsam etwas zu spüren und daraus etwas zu machen, ist der Kern unseres Dome. Ich denke dabei auch ganz konkret an unseren Auwald vor der Tür, der von Sommer zu Sommer trockener wird, während im Stadtrat über seine Zukunft verhandelt wird, ohne dass er selbst am Tisch sitzt und man ihm zuhört. Genau so eine Stimme wollen wir mit dem Dome hörbar machen. Leipzig ist für mich kein Standort auf der Landkarte, es ist ein Ort, an dem dieses Gefühl schon einmal in der Luft gelegen hat. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Am schwersten wiegt für mich nicht das Geld, so knapp es ist. Es ist die Müdigkeit der Menschen. Alle sind erschöpft von Krisen und doch alle zu sehr mit sich selbst oder dem beschäftigt, was sie vermeintlich am Leben hält. Und dann kommen wir und sagen: Lass uns gemeinsam fühlen, was mit unserer Welt passiert. Das ist ein zartes Angebot in einer lauten Zeit, und manchmal frage ich mich abends, ob wir überhaupt jemals damit durchdringen. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Hier steckt für mich ein Widerspruch, den ich bewusst mag: Wir nutzen Technik, um Menschen aus ihren Bildschirmen zu holen statt tiefer hineinzuziehen. Der Resonanz-Dome ist konzipiert als das genaue Gegenteil eines VR-Brillen-Metaversums, in dem jeder für sich allein und unsichtbar für die anderen durch seine eigene Welt schwebt. Bei uns stehen viele Menschen im selben Bild, sie hören sich gegenseitig atmen. Ich habe erlebt, wie eine ganze Gruppe für einen Moment still wurde, weil sie gemeinsam die Atmung eines Ökosystems gehört hat, und in dieser Stille lag mehr Verbundenheit als in hundert Erklärungen. Genau darin liegt für mich die eigentliche Kraft von Immersion: Sie öffnet Herz und Hirn gleichzeitig, für eine Idee, die man vorher nicht an sich herangelassen hätte, für eine Sichtweise, die einem bis dahin fremd oder gar zuwider war. Einer Erfahrung, die man am eigenen Leib spürt, verschließt man sich schwerer als einem Argument. Eine Stimmgabel, kein Bildschirm. Unsere KI im Hintergrund darf dabei nie mehr sein als ein leiser Übersetzer, mit einer öffentlichen Verfassung, was sie darf und was nicht. Sie soll uns helfen zu fühlen, nicht uns das Fühlen oder Entscheidungen abnehmen. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Ich glaube, Medienkompetenz beginnt nicht am Bildschirm, sondern im Bauch. Wer einmal am eigenen Leib gespürt hat, was eine Entscheidung für den Fluss vor der eigenen Tür bedeutet, dem kann man nicht mehr so leicht etwas einreden. Dieses Gefühl von “das betrifft mich wirklich” ist für mich die eigentliche Grundlage dafür, dass sich Menschen überhaupt trauen, mitzureden, etwas verändern zu wollen. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz, insbesondere im Hinblick auf

Jan Hüfner | Berater und Vorstandsmitglied des Gaionauten e. V. Read More »