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Janet Torres Lupp | Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen

Netzwerkarbeit in Sachsen: Wie Medienbildung Menschen verbindet Netzwerkarbeit in Sachsen: Wie Medienbildung Menschen verbindet Ein Interview mit Janet Torres Lupp – Projektleiterin der Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen – über die Bedeutung von Medienbildung für digitale Teilhabe und Demokratie, die Vernetzung medienpädagogischer Akteur*innen im ländlichen Raum sowie die Chancen und Herausforderungen, Menschen zu souveränem und engagiertem Handeln in digitalen Lebenswelten zu befähigen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Janet Torres Lupp, ich lebe und arbeite in Leipzig und Dresden. Ich bin Kultur- und Medienwissenschaftlerin (M. A.) und arbeite seit über zwanzig Jahren in der Medienpädagogik. Anfangs war ich freiberuflich bundesweit tätig, ab 2012 war ich viele Jahre im ländlichen Raum (Nordsachsen) unterwegs und habe vor allem handlungsorientierte und auch kritisch-rezeptive Medienprojekte für sehr viele verschiedene Zielgruppen durchgeführt. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich arbeite als Projektleiterin in der Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen (KSM), zusammen mit meinen Kolleginnen Kirsten Mascher und Hannah Kern. Die KSM befindet sich in der Trägerschaft der AWO SPI GmbH. Unser Haupttätigkeitsfeld ist die Vernetzung der medienpädagogischen Landschaft. Wir bieten unter anderem Verweisberatung an: Wenn eine Lehrkraft eine medienpädagogische Fachkraft für einen Elternabend oder einen Projekttag sucht, vermitteln wir gerne. Darüber hinaus informieren und beraten wir allgemein über Medienbildung sowie über Projekte und Angebote im gesamten Bundesland Sachsen. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Nach vielen Jahren handlungsorientierter praktischer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Seniorinnen und Senioren sowie dem Aufbau eines Netzwerkes in Nordsachsen wollte ich diese Arbeit gerne erweitern. Der Aufbau der KSM im Jahr 2019 bot mir genau die passende Herausforderung, auf der ich optimal aufbauen konnte.  Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ich habe sehr viele administrative Aufgaben, aber glücklicherweise kann man in diesem Bereich auch sehr kreativ und handlungsaktiv sein. So überlegen wir uns im Team beispielsweise immer wieder neue Formen der Netzwerkarbeit: Wie können wir den Austausch vorantreiben? Welche Themen beschäftigen die Medienpädagoginnen und -pädagogen derzeit? Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Öffentlichkeitsarbeit: Wie können wir die Menschen erreichen, die uns noch nicht kennen? Welche Angebote sind stark nachgefragt? Die Beratungsarbeit ist ein großes Thema, bei dem immer wieder Kreativität und Einfallsreichtum gefragt sind. Mit unseren zahlreichen Partnerinnen und Partnern an unserer Seite funktioniert es viel besser. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Sachsen hat viel ländlichen Raum und lebt in der Medienbildung von Netzwerken und Kooperationen. Somit ist eine Orientierungsstelle wichtig, an die sich die Bevölkerung wenden kann. Ein Beispiel: Eine Schulsozialarbeiterin sucht eine Person, die einen Elternabend zum Thema Cybermobbing halten kann. Oder ein Senior aus Nordsachsen möchte sich gerne in einer Smartphone-Sprechstunde weiterbilden. Für diese und viele weitere Personen sind wir genau die richtige Beratungsstelle. Die Anbahnung von Kooperationen ist sehr wichtig, damit Schulen und medienpädagogische Fachkräfte zueinander finden. Ein aktuelles Highlight ist, dass wir seit 2024 gemeinsam mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern aus Sachsen Qualitätskriterien für die medienpädagogische Arbeit entwickeln. Seit 2025 sind auch die Koordinierungsstellen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen dabei. Die Kriterien werden wir bald veröffentlichen. Sie sollen allen Menschen, die medienpädagogisch tätig sind, als Orientierung für die praktische Arbeit dienen. Damit bringen wir neue Ideen und Inspirationen nach Sachsen und entwickeln die medienpädagogische Landschaft weiter. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Es sind tatsächlich viele, weil wir für ganz Sachsen da sind und sein wollen und uns nicht alle kennen. Das ist das eine. Die Öffentlichkeitsarbeit ist eine bestehende Herausforderung. Eine weitere große Herausforderung ist, dass Medienbildung von diversen Vereinen, Institutionen und auch freiberuflichen Personen usw. ausgeübt wird – mit wiederum sehr unterschiedlichen Fördermitteln, Hintergründen, Erwartungen und Zielen. Zudem ist Medienbildung für viele kein klarer und eindeutiger Begriff, da sich jede Person etwas anderes darunter vorstellt. Dadurch bleibt die Netzwerkarbeit äußerst vielfältig, was natürlich auch Potenziale hat. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?  Digitale Angebote spielen eine große Rolle und sind ein Hauptaufgabenfeld. Wir haben beispielsweise gerade einen Blended-Learning-Kurs zum Thema Hatespeech (https://www.slpb.de/veranstaltungen/details/3951) zusammen mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und der Aktion Zivilcourage erstellt. Ein weiteres Projekt ist der „Kompass Medienbildung und Nachhaltigkeit“ (https://medienbildung-nachhaltig.de), welches im Netzwerk „BNE und Medienbildung“ entstanden ist. Außerdem erstellen wir selbst Handreichungen, beispielsweise interaktive digitale Quizze für Eltern und Kinder (https://www.medienbildung.sachsen.de/materialien-7170.html). Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Medienkompetenz ist im Leben miteinander und untereinander sehr wichtig. Wir alle leben mittlerweile im digitalen Raum und die Kommunikation in den sozialen Netzwerken beeinflusst auch das analoge Leben. Diese beiden Bereiche sind kaum voneinander zu trennen. Wer sich aus dem Internet zurückziehen möchte, wird es schwer haben. Es braucht die medienpädagogische Begleitung, egal ob bei Jung oder Alt, Klein oder Groß usw. Daher ist unsere Arbeit auch so wichtig.  Zudem wird es immer wichtiger, einen Weg zur Datensouveränität zu finden: Ich möchte meine Selbstwirksamkeit als handelnde Akteurin mit meinen persönlichen Daten „spüren“. Um es noch stärker zu formulieren: Ich sollte die Hoheit über meine Daten haben und unter anderem um die Faszination von „Likes“, „Infinite Scrolling“ und den Algorithmuskampf der großen Techunternehmen wissen. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Es ist herausfordernd, sich mit medienpädagogischen Projekten im ganzen Bundesland zu verorten und zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken. Oft fehlen hierfür Zeit und Ressourcen. Es gibt jedoch auch Chancen, die sich durch die Verstärkung digitaler Teilhabe und somit auch durch demokratische Partizipation ergeben. Das beginnt bei Kindern und Jugendlichen, die im Internet nach Orientierung und Identifikation suchen (und hoffentlich auch finden), sich dort mit politischen Themen auseinandersetzen und sich in Gruppen wie „Fridays for Future“ organisieren. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Wir beobachten eine zunehmende Akzeptanz für den Bereich der Medienbildung. Politisch wird zwar viel diskutiert, allerdings empfinde ich die aktuelle Diskussion als zu bewahrpädagogisch. Ich plädiere für eine offene Diskussion, aber bitte nicht unter dem Begriff „Verbot“. Wir müssen die Menschen – Kinder wie Erwachsene – begleiten.  Wir agieren zu dritt im Team für ganz Sachsen. Das heißt, uns kennen noch nicht

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Felix Völkel | KURZFILMTAG

Kurzfilm, Gemeinschaft und kultureller Zusammenhalt: Wie der KURZFILMTAG Kultur in Sachsen stärkt Kurzfilm, Gemeinschaft und kultureller Zusammenhalt: Wie der KURZFILMTAG Kultur in Sachsen stärkt Ein Interview mit Felix Völkel – Projektkoordinator des bundesweiten KURZFILMTAGs – über die Bedeutung gemeinschaftlicher Kulturerlebnisse, den gesellschaftlichen Wert des Kurzfilms und wie lokale Akteur*innen durch kreative Filmveranstaltungen neue Begegnungsräume schaffen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Felix Völkel und ich wohne in Dresden. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin als Projektkoordinator für den bundesweiten KURZFILMTAG, einem Projekt der AG Kurzfilm – Bundesverband Deutscher Kurzfilm, tätig. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Bereits als Student habe ich mich bei einem Kurzfilmfestival in unterschiedlichen Arbeitsbereichen ehrenamtlich engagiert. Das Projekt KURZFILMTAG kannte ich deshalb auch schon aus Sicht eines Veranstalters und ich fand, dass es eine tolle Idee ist, Menschen in der dunklen Jahreszeit (nämlich am oder vor dem kürzesten Tag des Jahres) zu versammeln, um in Gemeinschaft Kurzfilme zu schauen und zu erleben. Der Kurzfilm ist eine leider unterschätzte Kunstform, die unglaublich viel transportieren kann und auch wunderbar zum Diskutieren einlädt und dazu, die eigene Perspektive zu erweitern. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Zum einen geht es darum, ein vielfältiges Angebot zu schaffen, denn mit dem KURZFILMTAG wenden wir uns an ‚alle‘: Jedes Jahr rufen wir Veranstalter*innen aus allen möglichen Bereichen dazu auf, selbst eine Kurzfilmveranstaltung auf die Beine zu stellen – oder auch Menschen, die noch gar nicht viel Erfahrung in der Veranstaltungsorganisation haben. Dazu gehören unter anderem die Koordination des Filmprogrammangebots, die Festlegung von Schwerpunktsetzungen und die Strategieentwicklung für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zum anderen geht es um die Verbreitung unseres Mitmachaufrufs: Wir recherchieren Kontakte und sprechen die unterschiedlichsten Akteure an, um sie zu motivieren, selbst aktiv zu werden. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Da der Sitz der AG Kurzfilm von Anbeginn an in Dresden ist und es auch sachsenweite Verbindungen gibt, hat sich der KURZFILMTAG in der Stadt, aber auch im ganzen Bundesland gut etabliert und ist mit fast 100 Veranstaltungen im letzten Jahr (2024) das Bundesland mit den meisten Events gewesen. Viele Initiativen sind im städtischen und im ländlichen Bereich aktiv und sorgen für ein breites kulturelles Erleben. Wir hoffen natürlich, dass unsere Arbeit zu einem breiteren kulturellen Angebot im ganzen Freistaat beiträgt sowie dazu sich zu vernetzen – auf der Website des KURZFILMTAGs können alle Teilnehmenden gefunden werden und man kann sehen, wer in anderen Bundesländern, Orten, Gemeinden mitmacht – und bei den Veranstaltungen in den zwischenmenschlichen Austausch zu gehen. Die Polarisierung nimmt zu und vor allem auch in Sachsen gibt es starke rechte, auch antidemokratische Tendenzen und auch Themen wie Einsamkeit sind und bleiben virulent. Mit dem KURZFILMTAG soll ein kleiner Beitrag dazu geleistet werden, gegen diese Entwicklungen anzuarbeiten. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Der KURZFILMTAG wird durch Projektförderungen finanziert. Die derzeitigen Entwicklungen in der Förderung von Projekten im kulturellen und sozialen Bereich machen uns Sorge. Wir können nicht all die Dinge umsetzen, die wir in der Vergangenheit umsetzen konnten, und wenn beispielsweise weniger in die Öffentlichkeitsarbeit investiert werden kann, wird die Bekanntheit des KURZFILMTAGs – und die Information, dass man sich selbst beteiligen kann – natürlich stärker gefährdet. Damit zusammen hängt auch, dass diejenigen, die wir erreichen möchten, also die Veranstalter*innen, selbst oft mit finanziellen und personellen Engpässen zu kämpfen haben, im schlimmsten Fall ihre Arbeit einstellen müssen und weder KURZFILMTAG- noch sonstige Veranstaltungen umsetzen können. Perspektivisch möchten wir den diskursiven Aspekt von Veranstaltungen, den Fokus auf begleitete Filmgespräche mit dem Publikum, stärker in den Blick nehmen, aber auch hier sind die Kürzungen im Kultursektor ein Hindernis. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Der KURZFILMTAG setzt vor allem auf physische Angebote, gemeinschaftliche Veranstaltungen vor Ort stehen im Fokus. Es gibt aber auch einige Veranstalter*innen, die Online-Angebote zum KURZFILMTAG bereitstellen, so dass Kurzfilme in den eigenen vier Wänden erlebt werden können. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? In unserer digital geprägten Welt ist die Entwicklung von Medienkompetenz sehr wichtig. Der Zugang zu Angeboten und zu Informationen, Inhalten und Themen ist medial vermittelt, dementsprechend ist es notwendig, einen kompetenten und auch kritischen Umgang mit Medien zu fördern. Auch der rapide Aufstieg von KI-Technologien zwingt uns aufgrund der damit zusammenhängenden Manipulationsmöglichkeiten – auch was die Verbreitung von Falschinformationen betrifft, was wiederum Auswirkungen auf gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Prozesse haben kann – dazu, eine noch wachsamere Position einzunehmen. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Menschen, die vorher nicht mit Kurzfilmen in Berührung gekommen waren – zumindest nicht bewusst – sind durch den KURZFILMTAG darauf aufmerksam geworden, haben eigene Veranstaltungen organisiert und diese in vielen Fällen verstetigt. Damit konnten wir eben auch Gruppen erreichen, die nicht der „klassischen“ Zielgruppe von Kurzfilmen entsprechen. Dahinter steht ein breites Angebot, inhaltlich wie auch formell und was die Barrierefreiheit angeht, und intensive Akquisearbeit. Im Rahmen des Projekts sind einige Veranstaltungsideen entstanden, die fortan regelmäßig durchgeführt wurden, und es wurden Kooperationen angestoßen, die ebenfalls nachhaltig fortgeführt wurden. Das gemeinsame Filmeschauen und der Austausch darüber verbindet. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Das Ziel des KURZFILMTAGs ist es, den Kurzfilm sichtbar zu machen und dass Menschen bewusst mit ihm in den Kontakt kommen: im Kino, im Kulturzentrum, im Nachbarschaftshaus, in der Schule, in der Kita – überall. Außerdem hoffen wir, dass wir mit dem Projekt Impulse für kreative und gemeinschaftliche Aktionen setzen können. In der Vergangenheit konnten wir beobachten, wie Ideen, die zum KURZFILMTAG realisiert wurden, von Veranstalter*innen verstetigt wurden oder sich auch neue Kooperationen zwischen Akteuren in den jeweiligen Regionen entwickelt haben. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Planungssicherheit durch eine verstetigte und angestiegene Förderung. Zurzeit hat das Projekt zehn Fördergeber als Projektförderung, die auch einen entsprechenden Verwaltungsaufwand mit sich ziehen. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Aktiv werden und ausprobieren! Sinnvoll ist es auch oft, sich Unterstützung und Kooperationspartner mit an Bord zu holen. Wie können

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C. Z. – Antirassismusberaterin Dresden

Empowerment, Antirassismus und gesellschaftliche Teilhabe: Warum Beratung & Community-Arbeit in Sachsen so wichtig sind Empowerment, Antirassismus und gesellschaftliche Teilhabe: Warum Beratung & Community-Arbeit in Sachsen so wichtig sind Ein Interview mit C. Z. – Antirassismusberaterin aus Dresden – über Empowerment von Betroffenen, Herausforderungen demokratischer Antirassismusarbeit im ländlichen Raum und den gezielten Einsatz digitaler Medien zur Sichtbarkeit, Vernetzung und Stärkung von Betroffenen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Chiara und ich arbeite in Dresden. Mein beruflicher Hintergrund liegt in der  Linguistik und in den Europastudien, mit Schwerpunkt auf der Sprache der Politik, der  Migrationspolitik der Europäischen Union und auf Rechtsextremismus. Heute arbeite ich in der Antidiskriminierungsberatung, mit einem besonderen Fokus auf Antirassismus. Darüber  hinaus bin ich seit mehreren Jahren als Trainerin tätig und biete Workshops zu Kritischem  Weißsein, Rassismus und Migration für Kinder und Erwachsene an. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Aktuell bin ich im Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst) e.V. als Antirassismus-Beraterin tätig. Meine Tätigkeit umfasst den Kontakt zu migrantischen Communities sowie deren Begleitung und Unterstützung. Meine Zuständigkeitsregionen sind Dresden sowie die Landkreise Sächsische Schweiz Osterzgebirge, Meißen, Bautzen und Görlitz. Der Fokus meiner Tätigkeit liegt auf ländlichen  und kleinstädtischen Räumen, in denen es keine oder nur sehr wenige Anlaufstellen gibt. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Mein Engagement ist stark von meiner eigenen Biografie und meinen Werten geprägt. Alle  Menschen sollen die gleichen Rechte haben und sich frei bewegen können, unabhängig  davon, wo sie geboren wurden, wie sie aufgewachsen sind oder wo sie leben. Zudem ist es  mir wichtig, dass Menschen als Individuen wahrgenommen und nicht auf eine vermeintliche  Kultur oder Gruppe reduziert werden, denn solche Kategorisierungen fördern Vorurteile und  Ausgrenzung. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Im Projekt „AntiRaktiv – Aktiv gegen (Alltags-)Rassismus! Empowerment, Beratung und  Bildung“ unterstützen wir Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Dazu gehören  mehrsprachige, anonyme, kostenlose, parteiische und niedrigschwellige Beratungen sowie  Empowerment-Workshops, die Betroffene stärken und Räume für Austausch schaffen. Ein weiterer Teil unseres Auftrags ist die Unterstützung und die Stärkung von  Migrant*innenorganisationen (MOs), damit Anlauf- und Beratungsstellen nachhaltig etabliert  werden können und Antirassismusarbeit lokal verankert werden kann. Im vergangenen Jahr  fand beispielsweise eine Qualifizierungsreihe für MOs zu den Themen „Community-basierte  Beratung“, „Empowerment in der Beratung“ und „Erweiterte Methoden in der Beratung“ statt. Darüber hinaus nehmen wir an Austausch- und Netzwerktreffen mit Communities sowie  Akteur*innen der Mehrheitsgesellschaft teil, um Erfahrungen zu teilen, Netzwerke aufzubauen und uns gegenseitig kollegial zu beraten. Zu unseren Tätigkeiten gehört auch die Dokumentation und Auswertung von rassistischen  Vorfällen, die politische Bedeutung tragen. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist der Community-basierte Ansatz. Er bedeutet, dass wir  eng mit den betroffenen Communities zusammenarbeiten und ihre Perspektiven,  Erfahrungen und Bedarfe in den Mittelpunkt stellen. Statt für sie zu sprechen, arbeiten wir  mit ihnen. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Unsere Arbeit ist für Sachsen besonders wichtig, weil Rassismus hier, vor allem im  ländlichen Raum (aber nicht nur dort), weit verbreitet ist, während Unterstützungsangebote  oft fehlen. Es mangelt an niedrigschwelligen, mehrsprachigen und intersektionalen Beratungsstellen sowie Empowerment-Angeboten. Das Projekt AntiRaktiv ist genau als Antwort auf diese Lücke entstanden und schafft eine  nachhaltige Infrastruktur gegen Rassismus, die von Communities selbst gestaltet und  getragen wird. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wie bereits erwähnt, gibt es in Sachsen bislang nur wenige Angebote. Hinzu kommt, dass  unsere Arbeit häufig mit knappen Ressourcen auskommen muss. Eine der größten Herausforderungen in unserer Arbeit ist jedoch der strukturelle und  institutionelle Rassismus, der sich in allen Lebensbereichen zeigt: Wir stoßen oft bei  Behörden, in Schulen, aber auch auf dem Arbeitsmarkt an unsere Grenzen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 war ein wichtiger Schritt, um  Diskriminierung rechtlich zu bekämpfen. Dennoch zeigt sich in der Praxis, dass das Gesetz  die Betroffenen nicht wirksam schützt, insbesondere, weil institutionelle Diskriminierung darin kaum berücksichtigt wird und die Beweislast häufig bei den Betroffenen selbst liegt. Dies erschwert nicht nur den Alltag der Betroffenen, sondern auch die Möglichkeiten, sie  wirkungsvoll zu unterstützen. Eine Weiterentwicklung des AGG ist daher dringend notwendig, um strukturellen Rassismus  auch rechtlich konsequent zu bekämpfen. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Das Projekt „AntiRaktiv“ stärkt die Selbstwirksamkeit von Menschen mit  Rassismuserfahrungen. Medienkompetenz kann Menschen dabei unterstützen, rassistische  Inhalte im Netz besser zu erkennen, die eigene Stimme wirksamer zu erheben und Diskriminierung sichtbarer zu machen. Sie ließe sich in unserer Arbeit beispielsweise in Form von Workshops zur digitalen  Selbstverteidigung gegen Online-Hass, zur kritischen Analyse von rassistischen Narrativen  oder zur Nutzung digitaler Tools für Empowerment integrieren. Außerdem ermöglicht  Medienkompetenz den Aufbau von Netzwerken und den Austausch von Erfahrungen,  sodass Betroffene sich gegenseitig stärken und solidarisch unterstützen können. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Ich finde, dass Medienkompetenz zentral für zivilgesellschaftliches Engagement ist, da sie  kritisches Denken sowie die reflektierte Beobachtung von Machtgefällen und strukturellen  Dynamiken in der Gesellschaft fördert. Sie hilft dabei, Informationen einzuordnen,  Desinformation zu erkennen und Strategien zu entwickeln, um gesellschaftliche Prozesse  aktiv mitzugestalten. Zusammenfassend ermöglicht sie die wirksame Nutzung digitaler Plattformen für Aufklärung, Vernetzung und Empowerment. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen  Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz sehe ich folgende  Herausforderungen: starker Einfluss von Desinformation, Überforderung durch  Informationsüberlastung sowie mangelnde Reflexion im Umgang mit digitalen Inhalten. Rassistische Inhalte, Hassrede und Desinformation im Netz wirken entmutigend und können  Betroffene zusätzlich belasten. In unserer Arbeit beobachten wir außerdem ungleichen Zugang zu Technologien,  insbesondere im ländlichen Raum, sowie Unterschiede in den Medienkompetenzen. Für  Menschen mit Rassismuserfahrungen kann dies den Zugang zu Unterstützung oder  Empowerment-Angeboten erschweren. Ohne ausreichende Medienkompetenz besteht zudem die Gefahr, dass strukturelle  Machtungleichheiten im digitalen Raum weiter reproduziert werden. Chancen für zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe durch  Medienkompetenz sehe ich vor allem in der Möglichkeit der Vernetzung, des Austausches und der Sichtbarkeit von Stimmen, die sonst oft übersehen werden. Für Menschen mit  Rassismuserfahrungen können digitale Tools hilfreich sein, um Diskriminierung sichtbar zu  machen, sich lokal, überregional und transnational zu vernetzen und Empowerment Angebote zu nutzen oder selbst

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Kátia Oliveira | Bürgertreff Volkmarsdorf

Empowerment vor Ort: Wie Bürgertreffs Integration und Demokratie fördern Empowerment vor Ort: Wie Bürgertreffs Integration und Demokratie fördern Ein Interview mit Kátia Oliveira – Projektleiterin im Bürgertreff Volkmarsdorf – über die Förderung von Integration und Teilhabe, die Bedeutung direkter Unterstützung für Migrantinnen und Geflüchtete sowie die Chancen und Herausforderungen zivilgesellschaftlichen Engagements. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Kátia Oliveira und ich lebe in Leipzig. Ich habe einen B.A. in Sozialwissenschaften und M.A. in Friedens-und Konfliktforschung. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich bin Projektleiterin des Interkulturellen Begegnungs- und Beratungszentrums Bürgertreff Volkmarsdorf und Kommunale Integrationskoordinatorin. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Zunächst war es meine eigene Sehnsucht nach Zugehörigkeit und nach einem Raum, in  dem ich mich ausdrücken konnte. Gleichzeitig entstand der Wunsch, einen kleinen Beitrag  für andere Migrant*innen und Geflüchtete zu leisten und sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Meine Arbeit umfasst die Planung, Leitung und Evaluation von Projekten zur Förderung von Frauenrechten, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei auf der Konzeption und Durchführung interkultureller Workshops sowie Empowerment-Formate für Frauen mit Migrationsbiografie. Darüber hinaus koordiniere ich die internen Vereinsstrukturen und arbeite eng mit der Geschäftsführung zusammen. Dazu gehören unter anderem die Planung von Mitarbeitendeneinsätzen sowie die Verwaltung von Urlaubs- und Anwesenheitszeiten. Ich bin außerdem für die Organisation der Nutzung unseres Bürgertreffs durch externe Gruppen verantwortlich und unterstütze Antragstellungen sowie die Budgetplanung. Ein weiterer Bestandteil meiner Tätigkeit ist die Mitwirkung in der Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Weiterentwicklung von Strategien zur besseren Integration von Migrantinnen innerhalb des Vereins. Zudem übernehme ich selbstständige Projektorganisation, digitale Verwaltung und Dokumentation. Ergänzend dazu gehören auch Kundenbetreuung, Verweisberatung und Begleitung als Sprachmittler zu meinen Aufgaben. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Unser Verein ist für viele Menschen im Leipziger Osten ein vertrauter Ort, an den sie sich wenden können, wenn sie Unterstützung brauchen – sei es als Migrantinnen, Geflüchtete oder Frauen in Not. Oft erfahren Menschen durch Mundpropaganda von uns: Eine, die schon einmal bei uns war, erzählt anderen von unseren Angeboten. So erreichen uns regelmäßig Anfragen nicht nur aus Leipzig, sondern auch aus umliegenden Städten wie Oschatz oder aus dem Landkreis Leipzig – manchmal sogar aus weiter entfernten Städten wie München, Berlin, Bochum oder Halle. Im Alltag heißt das für uns: Wir hören genau zu, beraten telefonisch oder online und helfen dabei, passende Ansprechpartnerinnen und Hilfsangebote vor Ort zu finden. So wird unser Verein zu einem wichtigen Knotenpunkt, der Menschen Orientierung, Unterstützung und Vertrauen bietet – oft in Momenten, in denen sie dringend Hilfe brauchen. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Unser Verein ist oft der erste Anlaufpunkt für Menschen, die Hilfe brauchen – besonders  Migrantinnen, Geflüchtete und Frauen in Not. Durch finanzielle Kürzungen haben wir  weniger Integrationsmittlerinnen, und das spüren wir jeden Tag: Die Anzahl der Menschen,  die zu uns kommen, ist groß, und oft sind es zwar „kleine“ Anliegen, die aber dennoch viel  Aufmerksamkeit erfordern. Im Alltag heißt das: Es gibt manche Tage, an denen wir gleichzeitig den Empfang betreuen, Workshops organisieren, Protokolle schreiben, an Netzwerktreffen teilnehmen und unsere Angebote bekannt machen müssen. Und dann passieren auch plötzlich Notsituationen – zum Beispiel, wenn eine Frau von zu Hause flieht. In diesen Momenten müssen wir alles andere kurz beiseitelegen, Ruhe bewahren und versuchen, die Person sofort aufzunehmen und in das spezialisierte Schutznetz für Frauen zu bringen bzw. weiterzuleiten. Also es kann einen herausfordernden Alltag geben, aber auch das ist ein sehr wichtiger – weil wir Menschen direkt unterstützen und eine hoffentlich hilfreiche Orientierung geben können. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?  Digitale Angebote und Medienkompetenz sind für unsere Arbeit sehr wichtig, weil viele Frauen Informationen direkt über ihr Handy oder über Social Media erhalten – das ist praktisch, schnell und effizient. Wir versuchen, unsere Flyer so zu gestalten, dass sie unser Zielpublikum bestmöglich ansprechen. Ob dabei ein professionelles Layout oder bestimmte Vorgaben einzuhalten sind, wissen wir oft nicht genau. Dennoch denken wir nebenbei darüber nach, wie wir die Informationen am besten vermitteln können. Bei Bedarf übersetzen wir Inhalte auch in mehrere Sprachen, um unser Zielpublikum bestmöglich zu erreichen. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Medienkompetenz ist für unsere Arbeit sehr wichtig. Sie hilft uns, sichtbar zu machen, was wir tun, und gibt gleichzeitig den Menschen Mut, die ähnliche Initiativen starten oder unterstützen möchten. Besonders in der aktuellen politischen Lage ist es wichtig,  Informationen schnell zu teilen und zu erfahren, dass man mit seinem Engagement nicht allein ist. Im Alltag bedeutet das: Wir nutzen digitale Medien, um unsere Projekte bekannt zu machen, Menschen zu informieren und Netzwerke aufzubauen. So können wir zeigen, welche Arbeit geleistet wird, und gleichzeitig andere Initiativen unterstützen und vernetzen. Aber leider schaffen wir es lediglich, es nebenbei zu machen und nicht so, wie es sein sollte. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien  und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?   Im Alltag bedeutet das, dass wir oft versuchen, neben all den anderen Aufgaben die Informationen digital weiterzugeben und uns selbst in neue Tools oder Plattformen einzuarbeiten. Ohne die Nutzung sozialer Medien läuft vieles nur schwer – daher integrieren wir die digitalen Angebote so gut es geht, auch wenn es manchmal ein Balanceakt und für mich persönlich herausfordernd ist. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? In dem Bereich, in dem ich tätig bin, beziehen sich die beobachteten Veränderungen vor allem auf kleine, aber wichtige Erfolge, die wir durch Rückmeldungen und direkte Erfahrungen feststellen. Frauen schaffen es, schwierige Situationen zu überwinden oder  finden durch unsere erste Unterstützung die notwendigen Informationen, um eigenständig  neue Möglichkeiten zu erschließen – sei es die Fortsetzung ihrer Qualifikationen, der  Einstieg in einen Beruf oder sogar die Teilnahme an freiwilligem Engagement. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Eigentlich würde ich gerne irgendwann all meine Erfahrungen hier schriftlich festhalten – in Form einer dichten Beschreibung, vielleicht ethnografisch – oder auf eine andere materielle Weise sichtbar

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Stephanie Meichsner-Eschborn | SINN-Sachsen

Stories Elisabetta | Studentin Rosalie | Studentin Lea | Studentin Brit | Studentin Stephanie Meichsner-Eschborn | SINN-Sachsen Eine persönliche Perspektive von Stephanie Meichsner-Eschborn Eine persönliche Perspektive von Stephanie Meichsner-Eschborn Stephanie Meichsner-Eschborn – Projektleitung von SINN – Zukunftsplattform für soziale Innovationen Sachsen – über die Herausforderungen und Hoffnungen des Engagements im ländlichen Sachsen.   Einmischen im Gegenwind – Lokales Engagement als Antwort auf gesellschaftliche Brüche Es gibt Tage, an denen ich denke: Man kann kaum noch das Steuer halten und die eigene Kraft wird nie genug sein. Zu viele Konflikte, zu viel Polarisierung, zu viele Stimmen, die sich gegenseitig übertönen, anstatt zuzuhören. Aber dann begegne ich wieder einem dieser Menschen – einem Menschen, der mit Energie, Wärme und Kreativität einen Ort des Zusammenhalts schafft. Vielleicht ist es ein Dorftreff, ein Veranstaltungsraum im ehemaligen Bahnhofsgebäude, ein Jugendprojekt in einer sächsischen Kleinstadt. Dann weiß ich wieder, warum ich mich engagiere. Und warum Aufgeben keine Option ist. Die Realität vor Ort – zwischen Polarisierung und Hoffnung Ich lebe seit einiger Zeit im ländlichen Raum Sachsens. Hier wird vieles sichtbarer, was auf gesellschaftlicher Ebene oft abstrakt bleibt: Politikverdrossenheit, Rückzug ins Persönliche,  Frust und die Angst, abgehängt zu werden. Zugleich sehe ich, wie stark gerade hier das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist – aber auch, wie schwer es geworden ist, Menschen zu erreichen. Die Wege zu analogen Begegnungsorten sind oft weit, die ländliche Infrastruktur lückenhaft und es braucht Motivation, das eigene Heim zu verlassen. Und im digitalen Raum? Dort dominieren oft Lautstärke, Vereinfachung und Empörung. Wer sucht, findet im Netz fast immer eine Bestätigung der eigenen Sicht – nicht unbedingt einen Dialog. Demokratiefeindliche Kräfte wissen das längst: Sie nutzen Social Media gezielt, plakativ und leider sehr erfolgreich. Sie sprechen die Sprache der Vereinfachung in einer komplexen Welt – und das wirkt. Das Problem: Die einfachen Lösungen sind ungeeignet, nicht umsetzbar und oft menschen- und demokratiefeindlich. Für differenzierte Stimmen, für Dialog, für Grautöne ist kaum Platz. Es ist schwer, in diesem Umfeld Menschen zu erreichen, Desinformation zu begegnen und für den zwingenden Erhalt demokratischer Werte zu sensibilisieren.  Und doch erlebe ich nahezu täglich auch andere Bilder. Ich habe das große Glück, in meiner Arbeit als Projektleiterin für SINN Sachsen, unzählige Menschen kennenzulernen, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen. Menschen, die mutig analoge und digitale Räume schaffen, wo andere sich zurückziehen. Die zuhören, vernetzen und Verantwortung übernehmen. Die an der Demokratie festhalten – auch wenn sie es gerade schwer hat. Lokale Initiativen als demokratische Lernorte Neben wichtigen digitalen Initiativen sind es besonders die lokalen analogen Initiativen, die Hoffnung machen. Hier entstehen echte Begegnungen, jenseits von Algorithmen und Filterblasen. Ich denke an den Kulturbahnhof Leisnig, wo aus einem leerstehenden Gebäude ein lebendiger Ort für Austausch, Kultur und Teilhabe wurde. Oder an das Haus der Sozialen Vielfalt in Leipzig, das als Vermittler zwischen Migrant:innen und der Mehrheitsbevölkerung Bildungsangebote entwickelt, Begegnungsräume schafft und Demokratieförderung vorantreibt. Oder das Treibhaus in Döbeln, das seit Jahren mit Veranstaltungen, Bildungsarbeit und Jugendprojekten zeigt, wie demokratisches Engagement aussehen und gelingen kann. Diese Orte sind mehr als Projekte. Sie sind Gegenentwürfe zur Entfremdung und zeigen, wie Beteiligung funktioniert: gemeinsam etwas gestalten, zuhören, Konflikte aushalten, Verantwortung übernehmen. Sie sind „Lernorte der Demokratie“, weil sie erfahrbar machen, was unsere Gesellschaft langfristig trägt: Zusammenhalt, Teilhabe und Mitgestaltung. Dort kann man Menschen treffen, die uns möglicherweise aus unserer gedanklichen Komfortzone locken. Dort kann man Toleranz kennen- und Diversität schätzen lernen. Andere Sichtweisen und Meinungen aushalten. Andere Kulturen treffen. Gemeinsam schaffen und erleben. Aber sie sind auch verletzlich. Sie hängen oft an einem kleinen Kreis aus Engagierten, an unsicheren Förderstrukturen, an politischem Rückhalt, der nicht immer gegeben ist. Es braucht Mut, solche Räume zu halten. Und es braucht Unterstützung. Das können verschiedenste Dinge sein: Räume, finanzielle Mittel, handwerkliche Leistungen, kreative Ideen für Angebote, Kuchen für einen Kuchenbasar, der Spenden generiert. Unsere Demokratie braucht Engagement. Denn unsere Demokratie ist nichts, das wir einfach „haben“ und das ganz selbstverständlich für immer bleibt – sie ist etwas, das man immer wieder herstellen muss, kein Zustand, sondern ein andauernder Prozess. Sie lebt davon, dass wir miteinander im Gespräch bleiben – auch wenn es unbequem ist. Dass wir Differenzen aushalten, ohne einander abzuwerten. Und dass wir uns einmischen, auch wenn es leichter wäre, sich zurückzuziehen.  In vielen Gesprächen, Workshops und Projekten erlebe ich, wie schwer das geworden ist – und wie wertvoll. Ich habe gelernt, dass Zuhören ein politischer Akt ist und dass Konflikte nicht das Ende von Dialog sind, sondern oft dessen Anfang. Unsere Gesellschaft ist im Wandel. Das ist anstrengend und ungemütlich, aber eben auch notwendig. Wir können sie gemeinsam demokratisch, tolerant und weltoffen gestalten. Es sind nicht nur „die großen Debatten“, die unsere Demokratie tragen. Es sind die vielen kleinen, konkreten Begegnungen und die Menschen, die sie möglich machen. Sie sind mein Grund, engagiert zu bleiben. Ich sehe, wie Ideen entstehen und wie Menschen sich einbringen – oft leise, aber mit großer Wirkung. Es muss nicht perfekt sein, kein riesiges Vorhaben, keine große Kampagne. Viel wichtiger sind der Mut und die Bereitschaft, sich einzubringen. Wir brauchen mehr Menschen, die sich mit Herz und guter Laune engagieren. Wer sich umsieht, findet sie: die vielen Initiativen, Gruppen und Orte, die gute Beispiele sind, an denen man sich orientieren oder bei denen man sich beteiligen kann.   Stephanie Meichsner-Eschborn | Projektleitung SINN – Zukunftsplattform für soziale Innovationen Sachsen weitere Stories

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Georg Salditt | Internationales Bildungszentrums St. Marienthal

Demokratie stärken und Natur bewahren: Warum Engagement auf allen Ebenen gebraucht wird Demokratie stärken und Natur bewahren: Warum Engagement auf allen Ebenen gebraucht wird Ein Interview mit Georg Salditt – Bereichsleiter Bildung und Abteilungsleiter für Natur und Umwelt des Internationalen Bildungszentrums St. Marienthal – über die Bedeutung von Demokratie- und Umweltbildung, die Chancen und Herausforderungen digitaler Medien sowie die Motivation, Menschen für aktives zivilgesellschaftliches Engagement zu gewinnen. Könnten Sie sich einmal kurz vorstellen? Mein Name ist Georg Salditt, ich wohne in Ostritz. Beruflich bin ich ausgebildeter Diplom-Forstwirt und Diplom-Sozialpädagoge. In welcher Funktion sind Sie tätig? Ich bin derzeit Bereichsleiter für Bildung sowie Abteilungsleiter für Natur und Umwelt in der Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Mein Engagement gründet auf der Überzeugung, dass Demokratie und die Bewahrung der Schöpfung (Umweltschutz) vom aktiven Mittun leben. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ich bin vor allem in den Bereichen Demokratiebildung und Umweltbildung aktiv. In diesem Rahmen organisieren wir insbesondere mehrtägige Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Die Arbeit wäre weltweit relevant, aber ich kann mich schwerpunktmäßig auf Sachsen konzentrieren, da dies unser unmittelbares Umfeld ist. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass die Themen „Demokratiesicherung“ und „Umweltschutz“ oft von anderen gesellschaftlichen Themen überlagert werden und dadurch weniger Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhalten. Außerdem sind diese Themen durch Angriffe von Rechts bedroht. Welche Angebote spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Als Begegnungszentrum setzen wir in erster Linie auf persönliche Begegnungen, in denen auch Medienkompetenz vermittelt wird. Digitale Angebote sind dabei eher begleitend. Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Medienkompetenz wird zunehmend wichtiger, insbesondere vor dem Hintergrund von Fake News und der Mobilisierung von Massen über das Internet. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Digitale Medien bieten die Chance zu schneller Kommunikation und einem guten Überblick über relevante Themen. Gleichzeitig stellt die Informationsflut eine Herausforderung dar – hier sollte man sich klar abgrenzen und positionieren. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Wir konnten bereits viele Menschen motivieren und unterstützen, zivilgesellschaftlich aktiv zu werden und so das Engagement für Demokratie und Umweltschutz stärken. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit? Mein langfristiges Ziel ist der Erhalt der Demokratie und die Bewahrung der Schöpfung. Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten? Wie bei vielen Projekten sind zusätzliche Ressourcen essentiell – dazu zählen vor allem Zeit, finanzielle Mittel und engagierte Unterstützer*innen. Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten? Freiwilliges Engagement zahlt sich aus und bereichert das eigene Leben! Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten? Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website: www.ibz-marienthal.deWir sind auch auf Social Media aktiv: Facebook & Instagram.   weitere Interviews Interviews Interview mit Paul Groschinski Interview mit Marcelo – CAMBIO e.V. Interview mit Julien Deschamps Interview mit Janet Torres Lupp Interview mit Felix Völkel Interview mit C. Z. – Antirassismusberaterin aus Dresden Interview mit Kátia Oliveira Interview mir Valentin Lippmann Interview mit Oliver Gibtner-Weidlich Interview mit Georg Salditt Interview mit Sophia Philipp Interview mit Nilsson Samuelsson

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