Janet Torres Lupp | Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen
Netzwerkarbeit in Sachsen: Wie Medienbildung Menschen verbindet Netzwerkarbeit in Sachsen: Wie Medienbildung Menschen verbindet Ein Interview mit Janet Torres Lupp – Projektleiterin der Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen – über die Bedeutung von Medienbildung für digitale Teilhabe und Demokratie, die Vernetzung medienpädagogischer Akteur*innen im ländlichen Raum sowie die Chancen und Herausforderungen, Menschen zu souveränem und engagiertem Handeln in digitalen Lebenswelten zu befähigen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen? Mein Name ist Janet Torres Lupp, ich lebe und arbeite in Leipzig und Dresden. Ich bin Kultur- und Medienwissenschaftlerin (M. A.) und arbeite seit über zwanzig Jahren in der Medienpädagogik. Anfangs war ich freiberuflich bundesweit tätig, ab 2012 war ich viele Jahre im ländlichen Raum (Nordsachsen) unterwegs und habe vor allem handlungsorientierte und auch kritisch-rezeptive Medienprojekte für sehr viele verschiedene Zielgruppen durchgeführt. In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig? Ich arbeite als Projektleiterin in der Koordinierungsstelle Medienbildung Sachsen (KSM), zusammen mit meinen Kolleginnen Kirsten Mascher und Hannah Kern. Die KSM befindet sich in der Trägerschaft der AWO SPI GmbH. Unser Haupttätigkeitsfeld ist die Vernetzung der medienpädagogischen Landschaft. Wir bieten unter anderem Verweisberatung an: Wenn eine Lehrkraft eine medienpädagogische Fachkraft für einen Elternabend oder einen Projekttag sucht, vermitteln wir gerne. Darüber hinaus informieren und beraten wir allgemein über Medienbildung sowie über Projekte und Angebote im gesamten Bundesland Sachsen. Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren? Nach vielen Jahren handlungsorientierter praktischer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Seniorinnen und Senioren sowie dem Aufbau eines Netzwerkes in Nordsachsen wollte ich diese Arbeit gerne erweitern. Der Aufbau der KSM im Jahr 2019 bot mir genau die passende Herausforderung, auf der ich optimal aufbauen konnte. Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit? Ich habe sehr viele administrative Aufgaben, aber glücklicherweise kann man in diesem Bereich auch sehr kreativ und handlungsaktiv sein. So überlegen wir uns im Team beispielsweise immer wieder neue Formen der Netzwerkarbeit: Wie können wir den Austausch vorantreiben? Welche Themen beschäftigen die Medienpädagoginnen und -pädagogen derzeit? Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Öffentlichkeitsarbeit: Wie können wir die Menschen erreichen, die uns noch nicht kennen? Welche Angebote sind stark nachgefragt? Die Beratungsarbeit ist ein großes Thema, bei dem immer wieder Kreativität und Einfallsreichtum gefragt sind. Mit unseren zahlreichen Partnerinnen und Partnern an unserer Seite funktioniert es viel besser. Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung? Sachsen hat viel ländlichen Raum und lebt in der Medienbildung von Netzwerken und Kooperationen. Somit ist eine Orientierungsstelle wichtig, an die sich die Bevölkerung wenden kann. Ein Beispiel: Eine Schulsozialarbeiterin sucht eine Person, die einen Elternabend zum Thema Cybermobbing halten kann. Oder ein Senior aus Nordsachsen möchte sich gerne in einer Smartphone-Sprechstunde weiterbilden. Für diese und viele weitere Personen sind wir genau die richtige Beratungsstelle. Die Anbahnung von Kooperationen ist sehr wichtig, damit Schulen und medienpädagogische Fachkräfte zueinander finden. Ein aktuelles Highlight ist, dass wir seit 2024 gemeinsam mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern aus Sachsen Qualitätskriterien für die medienpädagogische Arbeit entwickeln. Seit 2025 sind auch die Koordinierungsstellen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen dabei. Die Kriterien werden wir bald veröffentlichen. Sie sollen allen Menschen, die medienpädagogisch tätig sind, als Orientierung für die praktische Arbeit dienen. Damit bringen wir neue Ideen und Inspirationen nach Sachsen und entwickeln die medienpädagogische Landschaft weiter. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich? Es sind tatsächlich viele, weil wir für ganz Sachsen da sind und sein wollen und uns nicht alle kennen. Das ist das eine. Die Öffentlichkeitsarbeit ist eine bestehende Herausforderung. Eine weitere große Herausforderung ist, dass Medienbildung von diversen Vereinen, Institutionen und auch freiberuflichen Personen usw. ausgeübt wird – mit wiederum sehr unterschiedlichen Fördermitteln, Hintergründen, Erwartungen und Zielen. Zudem ist Medienbildung für viele kein klarer und eindeutiger Begriff, da sich jede Person etwas anderes darunter vorstellt. Dadurch bleibt die Netzwerkarbeit äußerst vielfältig, was natürlich auch Potenziale hat. Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? Digitale Angebote spielen eine große Rolle und sind ein Hauptaufgabenfeld. Wir haben beispielsweise gerade einen Blended-Learning-Kurs zum Thema Hatespeech (https://www.slpb.de/veranstaltungen/details/3951) zusammen mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und der Aktion Zivilcourage erstellt. Ein weiteres Projekt ist der „Kompass Medienbildung und Nachhaltigkeit“ (https://medienbildung-nachhaltig.de), welches im Netzwerk „BNE und Medienbildung“ entstanden ist. Außerdem erstellen wir selbst Handreichungen, beispielsweise interaktive digitale Quizze für Eltern und Kinder (https://www.medienbildung.sachsen.de/materialien-7170.html). Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement? Medienkompetenz ist im Leben miteinander und untereinander sehr wichtig. Wir alle leben mittlerweile im digitalen Raum und die Kommunikation in den sozialen Netzwerken beeinflusst auch das analoge Leben. Diese beiden Bereiche sind kaum voneinander zu trennen. Wer sich aus dem Internet zurückziehen möchte, wird es schwer haben. Es braucht die medienpädagogische Begleitung, egal ob bei Jung oder Alt, Klein oder Groß usw. Daher ist unsere Arbeit auch so wichtig. Zudem wird es immer wichtiger, einen Weg zur Datensouveränität zu finden: Ich möchte meine Selbstwirksamkeit als handelnde Akteurin mit meinen persönlichen Daten „spüren“. Um es noch stärker zu formulieren: Ich sollte die Hoheit über meine Daten haben und unter anderem um die Faszination von „Likes“, „Infinite Scrolling“ und den Algorithmuskampf der großen Techunternehmen wissen. Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe? Es ist herausfordernd, sich mit medienpädagogischen Projekten im ganzen Bundesland zu verorten und zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken. Oft fehlen hierfür Zeit und Ressourcen. Es gibt jedoch auch Chancen, die sich durch die Verstärkung digitaler Teilhabe und somit auch durch demokratische Partizipation ergeben. Das beginnt bei Kindern und Jugendlichen, die im Internet nach Orientierung und Identifikation suchen (und hoffentlich auch finden), sich dort mit politischen Themen auseinandersetzen und sich in Gruppen wie „Fridays for Future“ organisieren. Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten? Wir beobachten eine zunehmende Akzeptanz für den Bereich der Medienbildung. Politisch wird zwar viel diskutiert, allerdings empfinde ich die aktuelle Diskussion als zu bewahrpädagogisch. Ich plädiere für eine offene Diskussion, aber bitte nicht unter dem Begriff „Verbot“. Wir müssen die Menschen – Kinder wie Erwachsene – begleiten. Wir agieren zu dritt im Team für ganz Sachsen. Das heißt, uns kennen noch nicht
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