Max Haller & Steve Hanschur | Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden

Mitreden, mitentscheiden: Schülervertretung als Schule der Demokratie
Mitreden, mitentscheiden: Schülervertretung als Schule der Demokratie
Ein Interview mit Max Haller und Steve Hanschur, Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden. Über ihren Weg ins schulpolitische Engagement, die Arbeit der Schülervertretung, begrenzte Mittel sowie die zentrale Rolle von Medienkompetenz für zivilgesellschaftliche Teilhabe und demokratisches Engagement.
Könntet Ihr euch bitte kurz vorstellen?
Wir sind Max Haller und Steve Hanschur aus Dresden und haben vor Kurzem erfolgreich unser Abitur abgeschlossen.
In welcher Funktion seid Ihr aktuell tätig?
Derzeit engagieren wir uns als Vorsitzende des Stadtschülerrats Dresden. In dieser Funktion vertreten wir die Interessen der Dresdner Schüler*innen gegenüber Politik, Verwaltung, Medien und zahlreichen weiteren Institutionen.
Unser Ziel ist es, die Perspektiven junger Menschen sichtbar zu machen und ihre Anliegen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubringen.
Was hat Euch dazu bewogen, euch in diesem Bereich zu engagieren?
Für viele beginnt dieses Engagement aus Interesse oder Freude an der Mitgestaltung. Mit der Zeit merkt man aber, wie wichtig eine starke Stimme für Schüler*innen ist.
Genau das motiviert uns jeden Tag aufs Neue, Verantwortung zu übernehmen und uns aktiv für bessere Bildungsbedingungen einzusetzen.
Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Eure Arbeit?
Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit ist die Außenvertretung. Ob im Austausch mit Politikerinnen, Journalistinnen, Organisationen oder bei Reden auf Demonstrationen und öffentlichen Veranstaltungen – überall dort, wo die Interessen von Schüler*innen vertreten werden müssen, sind wir im Einsatz.
Darüber hinaus organisieren wir eigene Projekte und Veranstaltungen. Ein Beispiel dafür ist der Schülergipfel, den wir gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchführen. Dieser setzt sich jedes Jahr mit einem Thema der Erinnerungs- und Gedenkkultur auseinander und ermöglicht jungen Menschen eine intensive Auseinandersetzung mit Geschichte und Demokratie.
Warum ist Eure Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?
Das Besondere an der Schülervertretung ist ihre Struktur: Im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen im Bereich Bildung oder Jugendhilfe wird sie vollständig von Jugendlichen getragen.
Planung, Organisation und Interessenvertretung liegen in den Händen junger Menschen. Dadurch entstehen authentische Perspektiven und praxisnahe Lösungsansätze, die Erwachsene häufig nicht in gleicher Weise einbringen können.
Diese unmittelbare Nähe zum Schulalltag macht die Schülervertretung zu einer einzigartigen Möglichkeit.
Welche Herausforderungen begegnen Euch in eurem Tätigkeitsbereich?
Unsere Arbeit bringt vor allem Herausforderungen mit sich, da wir selbst Jugendliche sind. Unsere Positionen werden von manchen politischen Entscheidungsträger*innen nicht immer mit der notwendigen Ernsthaftigkeit wahrgenommen.
Hinzu kommt, dass uns finanzielle Möglichkeiten häufig fehlen, da wir beispielsweise keine Spenden annehmen dürfen.
Dennoch gelingt es uns immer wieder, Projekte erfolgreich umzusetzen – vor allem dank der Unterstützung engagierter Partner wie des Kinder- und Jugendbüros Dresden und weiterer Kooperationspartner.
Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Eurer Arbeit?
Medienkompetenz spielt in unserer täglichen Arbeit eine zentrale Rolle. Wir stehen kontinuierlich über E-Mail, Instagram und andere digitale Kommunikationswege mit Schulen, Kooperationspartnern und politischen Akteur*innen im Austausch.
Gleichzeitig betreuen wir unsere Social-Media-Kanäle auf verschiedenen Plattformen und informieren dort über unsere Arbeit. All das erfordert einen verantwortungsvollen, professionellen und reflektierten Umgang mit digitalen Medien.
Dazu gehört heute auch der bewusste und nachhaltige Einsatz von Künstlicher Intelligenz als unterstützendes Werkzeug.
Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?
Medienkompetenz ist heute eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches zivilgesellschaftliches Engagement.
Ein großer Teil der öffentlichen Debatte findet inzwischen im digitalen Raum statt. Wer Menschen erreichen, informieren und für gesellschaftliche Themen begeistern möchte, muss digitale Medien verantwortungsvoll und zielgerichtet einsetzen können.
Gleichzeitig ist Medienkompetenz unverzichtbar, um Informationen kritisch zu hinterfragen, Desinformation zu erkennen und sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden. Gerade für eine lebendige Demokratie ist das von zentraler Bedeutung.
Welche Herausforderungen und Chancen beobachtet Ihr im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?
Wir beobachten sowohl große Chancen als auch Herausforderungen.
Digitale Medien ermöglichen es, junge Menschen schnell zu erreichen, Beteiligung niedrigschwellig zu gestalten und politische Themen für viele überhaupt erst zugänglich zu machen.
Gleichzeitig verbreiten sich Falschinformationen, Hasskommentare und extremistische Inhalte oft besonders schnell. Deshalb braucht es neben technischen Fähigkeiten vor allem die Kompetenz, Quellen kritisch zu bewerten, respektvoll zu kommunizieren und Verantwortung für die eigenen Inhalte zu übernehmen.
Welche positiven Veränderungen könnt Ihr durch Eure Arbeit bewirken oder beobachten?
Durch unsere Arbeit konnten wir bereits zahlreiche positive Veränderungen anstoßen.
Wir haben viele Schüler*innen dazu motiviert, sich selbst in ihren Schulen oder darüber hinaus zu engagieren und ihre Interessen aktiv zu vertreten.
Gleichzeitig ist es uns gelungen, die Anliegen von Schüler*innen stärker in die öffentliche und politische Diskussion einzubringen und den Austausch zwischen jungen Menschen, Politik und Gesellschaft zu fördern.
Diese Erfahrungen zeigen uns immer wieder, dass zivilgesellschaftliches Engagement konkrete Veränderungen bewirken kann – vor allem, wenn junge Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre Stimme einzubringen und ernst genommen werden.
Welche langfristigen Ziele verfolgt Ihr mit Eurer Tätigkeit?
Langfristig möchten wir die Dresdner Schulen zu einem besseren Ort des Lernens und des Miteinanders machen.
Schule ist nicht nur Aufgabe der Politik, der Lehrer*innen oder der Eltern. Schule ist ein Ort aller und braucht daher auch ein gemeinsames Miteinander.
Wir möchten eine Verbindung zwischen all diesen Gliedern herstellen und dabei helfen, Bildung neu zu denken.
Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Eure Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?
Eine große Rolle spielt die Öffentlichkeit. Unser Team ist mittlerweile relativ groß geworden und umfasst 20 Personen.
Dennoch kennen nicht alle Schüler*innen in Dresden den Stadtschülerrat oder wissen, was wir tun. Das finden wir sehr schade, denn jeder hat ein Recht auf Mitwirkung.
Daher ist es eines unserer Anliegen, durch die Unterstützung aus Medien und Politik für mehr Öffentlichkeit zu sorgen. Zudem ist für ein Team unserer Größe auch Geld entscheidend, damit wir Projekte und Veranstaltungen umsetzen können.
Welche Empfehlung würdet Ihr jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?
Engagement muss nicht für jeden eine lebensfüllende Aufgabe sein, die keine Zeit für andere Dinge lässt.
Es würde reichen, wenn jeder einen kleinen Teil zu einem großen Ganzen beiträgt, um unseren Alltag lebenswerter zu machen und anderen zu helfen.
Gibt es noch etwas, das Ihr gerne mitteilen möchtet?
Bildung ist keine Frage der Politik, sondern der Beteiligung, denn sie verändert sich nicht von selbst – wir müssen es tun.
Wie können Interessierte Euer Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?
Bei Fragen oder Problemen sind wir unter unserer Mail stadtschuelerrat.dresden@gmail.com immer zu erreichen.
Außerdem freuen wir uns riesig, wenn ihr unseren Social-Media-Accounts auf Instagram und TikTok unter @ssrdresden folgt.