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Kevin Meinel | Medienpädagoge und Projektleiter der Initiative Medienbildung Vogtland

Medienkompetenz im ländlichen Raum: Warum der zweite Blick auf Nachrichten immer wichtiger wird

Medienkompetenz im ländlichen Raum: Warum der zweite Blick auf Nachrichten immer wichtiger wird

Kevin Meinel spricht über seine Arbeit an der Schnittstelle von Journalismus, Medienpädagogik und Erwachsenenbildung. Das Gespräch zeigt, warum Medienkompetenz nicht nur vor Betrug und Desinformation schützt, sondern auch zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe stärken kann.

Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?
Mein Name ist Kevin Meinel, ich lebe im vogtländischen Ellefeld und bin Medienpädagoge und freischaffender Videoproduzent.

In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?
Ich bin Projektleiter der Initiative Medienbildung Vogtland, einem Förderprojekt zur Förderung der Nachrichten- und Informationskompetenz von Erwachsenen. Zu meinem Team gehören eine feste Mitarbeiterin sowie eine Volontärin.

Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?
Ich bin über den Journalismus zur Medienpädagogik gekommen. Durch meine jahrelange Arbeit bei einem regionalen Fernsehsender musste ich mich regelmäßig mit Themen wie Fake News, Glaubwürdigkeit von Informationen und Verschwörungserzählungen auseinandersetzen. Dieses Wissen, gepaart mit vielen weiteren Medienkompetenz-Themen, an andere Menschen weiterzugeben, halte ich für eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, der ich mich jeden Tag sehr gerne stelle.

Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?
Wir fördern Erwachsenenbildung im gesamten Vogtlandkreis, also im ländlichen Sachsen. Das reicht, bezogen auf das Alter, von jungen Erwachsenen über Eltern und Multiplikatorinnen bis zu Seniorinnen.

Inhaltlich beschäftigen wir uns mit den Themen Fake News, Medienerziehung, den Sozialen Medien inklusive Phänomenen wie Cybermobbing und Cybergrooming sowie Künstlicher Intelligenz. Die Wissensvermittlung erfolgt über verschiedene Formate – von Elternabenden über Workshops bis hin zu Kinoveranstaltungen.

Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?
Neben uns gibt es im ländlichen Raum wenige andere Angebote, die sich mit diesen Themen beschäftigen, obwohl sie zweifellos wichtig sind: Ohne Smartphone kann man teilweise am öffentlichen Leben nicht mehr teilnehmen. Immer neue Betrugsmeldungen und Desinformationen zeigen den Bedarf an Aufklärung. Sowohl Eltern als auch Pädagog*innen stehen vor der Frage, was Jugendliche im Internet machen und wie man damit umgehen sollte.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?
Wir begegnen vielen verschiedenen Menschen mit ihren jeweils eigenen Herausforderungen und Problemen. Gemeinsam ist ihnen vielleicht, dass der Wandel, den wir alle bemerken, insbesondere auch bei den Medien zu beobachten ist.

Es fällt schwer, verlässliche Informationen zu finden oder über die Generationen hinweg ins Gespräch zu kommen. Eltern wissen teilweise gar nicht, was ihre Kinder den ganzen Tag am Handy machen. Die Lebensrealitäten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen driften immer weiter auseinander.

Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?
Aufgrund unserer Ausrichtung spielen digitale Angebote und Medienkompetenz die Hauptrolle in unserer Arbeit. Zum einen bei der thematischen Schwerpunktsetzung der einzelnen Formate, zum anderen bei der Auswahl der verschiedenen Methoden zur Umsetzung der Angebote.

Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?
Fake News von verlässlichen Informationen unterscheiden zu können und so eine solide Basis für das eigene Engagement zu haben, gehört zweifellos zu einer demokratischen Gesellschaft.

Zudem ist es heute wichtig, sich selbst in sozialen Medien präsentieren zu können, beispielsweise um Mitstreiter*innen zu finden und Reichweite für zivilgesellschaftliches Engagement zu generieren.

Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?
Je jünger die Zielgruppe von Vereinen oder Initiativen ist, desto notwendiger ist es, dass sie sich auch in digitalen Medien engagieren. Das ermöglicht natürlich auch Vernetzung, insbesondere im ländlichen Raum.

Statt sich alleine im Dorf zu engagieren, findet man möglicherweise in den Nachbarorten Gleichgesinnte und kann sich zusammentun, um so mehr zu erreichen. Gleichzeitig spaltet die Flut an Desinformationen gesellschaftliche Gruppen und führt dazu, dass ein konstruktiver Diskurs mit unterschiedlichen Meinungen immer schwieriger zu führen ist.

Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?
Wir hoffen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass Menschen einen zweiten Blick auf Nachrichten oder Meldungen werfen und sich fragen, ob das so stimmen kann – oder ob sie es mit Fake News oder Betrug zu tun haben.

Außerdem ermöglichen wir Teilhabe, gerade von älteren Menschen, an der digitalen Gesellschaft und dem dort stattfindenden Austausch. Wir versuchen Eltern in die Verantwortung zu nehmen, ihnen die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen näherzubringen und dafür zu sorgen, dass Kinder so früh wie möglich medienkompetent aufwachsen.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?
Wir wollen uns weiter als Ansprechpartner für Medienkompetenz in der Region etablieren und so viele Menschen wie möglich erreichen.

Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?
Der Bedarf in der Region ist riesig. Um noch mehr Menschen mit unseren Angeboten erreichen zu können, bedarf es mehr Personal und noch mehr gezielter Werbung. Der Knackpunkt ist hier wie so oft die finanziellen Mittel.

Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?
Zunächst kleinere Ziele setzen und nicht gleich die Welt verändern wollen. Man stößt in dem System schnell an Grenzen und muss Hürden nehmen, an die man vorher nie gedacht hätte.

Das kann schnell zu Frustration und gegebenenfalls Resignation führen und das Engagement beenden, bevor es richtig angefangen hat. Ehrenamtliches Engagement ist so vielfältig und für unsere Gesellschaft von immenser Bedeutung.

Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?
Auf unserer Website medienbildung-vogtland.de finden Interessierte alle unsere Veranstaltungen und weitere Infos zu unserem Projekt. Daneben können sie uns gerne per Mail (initiative@medienbildung-vogtland.de) oder telefonisch (03741 / 281 44 55) kontaktieren.

Die beste Unterstützung ist die „Mund-zu-Mund-Propaganda“ – wer zufrieden und mit einem Mehrwert aus unseren Veranstaltungen rausgeht, der darf das gerne seinen Freund*innen und Bekannten erzählen.