Interview mit Felix Völkel

Kurzfilm, Gemeinschaft und kultureller Zusammenhalt: Wie der KURZFILMTAG Kultur in Sachsen stärkt
Kurzfilm, Gemeinschaft und kultureller Zusammenhalt: Wie der KURZFILMTAG Kultur in Sachsen stärkt
Ein Interview mit Felix Völkel – Projektkoordinator des bundesweiten KURZFILMTAGs – über die Bedeutung gemeinschaftlicher Kulturerlebnisse, den gesellschaftlichen Wert des Kurzfilms und wie lokale Akteur*innen durch kreative Filmveranstaltungen neue Begegnungsräume schaffen.
Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?
Mein Name ist Felix Völkel und ich wohne in Dresden.
In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?
Ich bin als Projektkoordinator für den bundesweiten KURZFILMTAG, einem Projekt der AG Kurzfilm – Bundesverband Deutscher Kurzfilm, tätig.
Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?
Bereits als Student habe ich mich bei einem Kurzfilmfestival in unterschiedlichen Arbeitsbereichen ehrenamtlich engagiert. Das Projekt KURZFILMTAG kannte ich deshalb auch schon aus Sicht eines Veranstalters und ich fand, dass es eine tolle Idee ist, Menschen in der dunklen Jahreszeit (nämlich am oder vor dem kürzesten Tag des Jahres) zu versammeln, um in Gemeinschaft Kurzfilme zu schauen und zu erleben. Der Kurzfilm ist eine leider unterschätzte Kunstform, die unglaublich viel transportieren kann und auch wunderbar zum Diskutieren einlädt und dazu, die eigene Perspektive zu erweitern.
Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?
Zum einen geht es darum, ein vielfältiges Angebot zu schaffen, denn mit dem KURZFILMTAG wenden wir uns an ‚alle‘: Jedes Jahr rufen wir Veranstalter*innen aus allen möglichen Bereichen dazu auf, selbst eine Kurzfilmveranstaltung auf die Beine zu stellen – oder auch Menschen, die noch gar nicht viel Erfahrung in der Veranstaltungsorganisation haben. Dazu gehören unter anderem die Koordination des Filmprogrammangebots, die Festlegung von Schwerpunktsetzungen und die Strategieentwicklung für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Zum anderen geht es um die Verbreitung unseres Mitmachaufrufs: Wir recherchieren Kontakte und sprechen die unterschiedlichsten Akteure an, um sie zu motivieren, selbst aktiv zu werden.
Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?
Da der Sitz der AG Kurzfilm von Anbeginn an in Dresden ist und es auch sachsenweite Verbindungen gibt, hat sich der KURZFILMTAG in der Stadt, aber auch im ganzen Bundesland gut etabliert und ist mit fast 100 Veranstaltungen im letzten Jahr (2024) das Bundesland mit den meisten Events gewesen. Viele Initiativen sind im städtischen und im ländlichen Bereich aktiv und sorgen für ein breites kulturelles Erleben.
Wir hoffen natürlich, dass unsere Arbeit zu einem breiteren kulturellen Angebot im ganzen Freistaat beiträgt sowie dazu sich zu vernetzen – auf der Website des KURZFILMTAGs können alle Teilnehmenden gefunden werden und man kann sehen, wer in anderen Bundesländern, Orten, Gemeinden mitmacht – und bei den Veranstaltungen in den zwischenmenschlichen Austausch zu gehen. Die Polarisierung nimmt zu und vor allem auch in Sachsen gibt es starke rechte, auch antidemokratische Tendenzen und auch Themen wie Einsamkeit sind und bleiben virulent. Mit dem KURZFILMTAG soll ein kleiner Beitrag dazu geleistet werden, gegen diese Entwicklungen anzuarbeiten.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?
Der KURZFILMTAG wird durch Projektförderungen finanziert. Die derzeitigen Entwicklungen in der Förderung von Projekten im kulturellen und sozialen Bereich machen uns Sorge. Wir können nicht all die Dinge umsetzen, die wir in der Vergangenheit umsetzen konnten, und wenn beispielsweise weniger in die Öffentlichkeitsarbeit investiert werden kann, wird die Bekanntheit des KURZFILMTAGs – und die Information, dass man sich selbst beteiligen kann – natürlich stärker gefährdet.
Damit zusammen hängt auch, dass diejenigen, die wir erreichen möchten, also die Veranstalter*innen, selbst oft mit finanziellen und personellen Engpässen zu kämpfen haben, im schlimmsten Fall ihre Arbeit einstellen müssen und weder KURZFILMTAG- noch sonstige Veranstaltungen umsetzen können.
Perspektivisch möchten wir den diskursiven Aspekt von Veranstaltungen, den Fokus auf begleitete Filmgespräche mit dem Publikum, stärker in den Blick nehmen, aber auch hier sind die Kürzungen im Kultursektor ein Hindernis.
Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?
Der KURZFILMTAG setzt vor allem auf physische Angebote, gemeinschaftliche Veranstaltungen vor Ort stehen im Fokus. Es gibt aber auch einige Veranstalter*innen, die Online-Angebote zum KURZFILMTAG bereitstellen, so dass Kurzfilme in den eigenen vier Wänden erlebt werden können.
Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?
In unserer digital geprägten Welt ist die Entwicklung von Medienkompetenz sehr wichtig. Der Zugang zu Angeboten und zu Informationen, Inhalten und Themen ist medial vermittelt, dementsprechend ist es notwendig, einen kompetenten und auch kritischen Umgang mit Medien zu fördern. Auch der rapide Aufstieg von KI-Technologien zwingt uns aufgrund der damit zusammenhängenden Manipulationsmöglichkeiten – auch was die Verbreitung von Falschinformationen betrifft, was wiederum Auswirkungen auf gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Prozesse haben kann – dazu, eine noch wachsamere Position einzunehmen.
Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?
Menschen, die vorher nicht mit Kurzfilmen in Berührung gekommen waren – zumindest nicht bewusst – sind durch den KURZFILMTAG darauf aufmerksam geworden, haben eigene Veranstaltungen organisiert und diese in vielen Fällen verstetigt. Damit konnten wir eben auch Gruppen erreichen, die nicht der „klassischen“ Zielgruppe von Kurzfilmen entsprechen. Dahinter steht ein breites Angebot, inhaltlich wie auch formell und was die Barrierefreiheit angeht, und intensive Akquisearbeit.
Im Rahmen des Projekts sind einige Veranstaltungsideen entstanden, die fortan regelmäßig durchgeführt wurden, und es wurden Kooperationen angestoßen, die ebenfalls nachhaltig fortgeführt wurden. Das gemeinsame Filmeschauen und der Austausch darüber verbindet.
Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?
Das Ziel des KURZFILMTAGs ist es, den Kurzfilm sichtbar zu machen und dass Menschen bewusst mit ihm in den Kontakt kommen: im Kino, im Kulturzentrum, im Nachbarschaftshaus, in der Schule, in der Kita – überall. Außerdem hoffen wir, dass wir mit dem Projekt Impulse für kreative und gemeinschaftliche Aktionen setzen können. In der Vergangenheit konnten wir beobachten, wie Ideen, die zum KURZFILMTAG realisiert wurden, von Veranstalter*innen verstetigt wurden oder sich auch neue Kooperationen zwischen Akteuren in den jeweiligen Regionen entwickelt haben.
Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?
Planungssicherheit durch eine verstetigte und angestiegene Förderung. Zurzeit hat das Projekt zehn Fördergeber als Projektförderung, die auch einen entsprechenden Verwaltungsaufwand mit sich ziehen.
Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?
Aktiv werden und ausprobieren! Sinnvoll ist es auch oft, sich Unterstützung und Kooperationspartner mit an Bord zu holen.
Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?
Auf der Website www.kurzfilmtag.com sind viele Informationen verfügbar, allgemein zum KURZFILMTAG sowie zur jeweils aktuellen Jahresedition. Auch auf Facebook sowie auf Instagram (unter @derkurzfilmtag) sind wir präsent. Wir freuen uns immer über Teilnahmen, also Interessierte, die selbst Veranstaltungen generationsübergreifend oder innerhalb ihrer Community umsetzen, und mit anderen ins Gespräch zu kommen, über die Kurzfilme, die sie gemeinsam gesehen haben. Aber wir freuen uns auch über sonstige Ideen, wie wir das Projekt weiterentwickeln können oder wie wir auf bestimmte Bedarfe eingehen können.