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Interview mit Tobias Wallusch

Politik, Medien und digitale Bildung: Junge Menschen für Demokratie stärken

Politik, Medien und digitale Bildung: Junge Menschen für Demokratie stärken

Ein Interview mit Tobias Wallusch – politischer Bildungsreferent beim Politischen Jugendring Dresden e.V. – über politische Bildungsangebote in Sachsen und demokratische Werte junger Menschen, warum Engagement besonders in Sachsen wichtig ist und welche Methoden helfen, Jugendliche zu motivieren, kritisch, informiert und aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. 

Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Tobias Wallusch, ich wohne und arbeite in Dresden. Hier habe ich auch Politikwissenschaft studiert. Über Praktika und ehrenamtliche Arbeit bin ich in meinem jetzigen Arbeitsfeld der politischen Bildung gelandet.

In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?

Ich bin politischer Bildungsreferent beim Politischen Jugendring Dresden e.V.

Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?

Mir war es immer ein großes Anliegen, politische Themen zu diskutieren und dabei auch kontroversen Positionen Gehör zu verschaffen. Gerade junge Menschen treibt das Interesse an unkonventionellen Aktivitäten und Standpunkten um, für welche eine pädagogische Begleitung hilfreich sein kann.

Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?

Bei meiner alltäglichen Arbeit muss man Allrounder sein: Sei es die Recherche oder das methodische Design für Bildungsprojekte, welche selbst durchgeführt werden, grafische Gestaltung für die Öffentlichkeitsarbeit, Antrag, Finanzen und Anträge für Drittmittel oder die Betreuung unserer Ehrenamtlichen und Freiwilligen, es bieten sich viele verschiedene Felder.

Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?

Gerade in Sachsen ist das Misstrauen und die Unzufriedenheit mit der etablierten Politik sehr groß, demokratieferne Angebote erfreuen sich dagegen großem Zuspruch. Das ist etwas, was sich auch von der Eltern- auf die Kindergeneration überträgt und strukturelle, mit den Ereignissen in Folge der Wiedervereinigung zusammenhängende Gründe haben mag. Bildungsarbeit ist hier wichtig, um Offenheit für den Dialog und Unterstützung für demokratische Werte zu schaffen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?

Es ist nicht leicht, unsere Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit für politische Bildungsangebote zu begeistern, hier sind wir meist auf Kooperationspartner wie Schulen oder Jugendhäuser angewiesen. Außerdem ist es oft eine Herausforderung, komplexe gesellschaftliche Themen so zu vermitteln, dass sie für junge Leute spannend bleiben, an ihre Lebenswelt anknüpfen und zum Mitmachen einladen. Gleichzeitig fehlen im Arbeitsalltag in unserem kleinen zweiköpfigen Team oft die Zeit und personelle Kapazität, um neue Ansätze zu erproben, Projekte langfristig zu sichern oder innovative Formate weiterzuentwickeln

Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?

Schon vor der Corona-Pandemie haben wir begonnen, Inhalte und Methoden digital aufzubereiten – etwa durch den Einsatz von Videos oder Apps wie Kahoot und Actionbound. Digitale Formate eröffnen neue Wege der Wissensvermittlung und können das Interesse der Teilnehmenden deutlich steigern. Wichtig ist uns dabei, dass der Einsatz digitaler Medien kein Selbstzweck wird, sondern pädagogisch sinnvoll bleibt.

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt außerdem auf der Förderung von kritischer Medienkompetenz: In einem eigenen Workshop thematisieren wir die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und regen zur Reflexion über Chancen und Risiken an. Auch in unseren anderen Bildungsformaten spielt das Internet immer wieder eine Rolle – schließlich beeinflusst es heute nahezu alle Lebensbereiche.

Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?

Ich denke, dass Medienkompetenz heute eine zentrale Voraussetzung für zivilgesellschaftliches Engagement ist. In der Vielzahl von Stimmen und Informationen im digitalen Raum gilt es, verlässliche und demokratische Positionen von Fehlinformation und Hassrede zu unterscheiden. Medienkompetenz bedeutet, Inhalte kritisch zu prüfen, verantwortungsvoll zu kommunizieren und zu einer sachlichen, respektvollen Diskussionskultur im Netz beizutragen. Die Förderung solcher digitalen Demokratiefähigkeiten ist eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre.

Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?

Digitale Medien bieten wunderbare Möglichkeiten für eine breitere und tieferen Partizipation der Bürger*innen in modernen Demokratien. Leider lassen sich aber auch die negativen Aspekte wie Desinformation, manipulative Inhalte wie Deepfakes oder Hassrede nicht ausblenden. Deshalb ist es entscheidend, dass jede und jeder den kompetenten Umgang mit digitalen Medien erlernt, um deren Potenziale für gesellschaftliches Engagement verantwortungsvoll und wirkungsvoll nutzen zu können.

Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?

Ich denke, dass wir vor allem individuelle Lebenswege mitgestalten. Durch unsere Arbeit motivieren wir junge Menschen, sich demokratisch zu engagieren und ihre Stimme in gesellschaftliche Prozesse einzubringen. Gleichzeitig unterstützen wir sie dabei, ihre eigenen Interessen und Stärken zu entdecken – etwa bei der Studien- oder Berufswahl – und eröffnen ihnen durch internationale Begegnungen und Auslandsaufenthalte neue Perspektiven auf Europa und die Welt. Besonders schön ist es zu sehen, wenn aus diesen Erfahrungen nachhaltiges Engagement oder sogar langfristige Freundschaften entstehen.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?

Unser Ziel ist es, das Interesse junger Menschen an Politik zu wecken und demokratische Haltungen sowie Handlungskompetenzen zu stärken. Langfristig möchten wir dazu beitragen, dass mehr Menschen informiert, kritisch und engagiert am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und sich aktiv für eine demokratische und gerechte Gesellschaft einsetzen.

Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?

Mit einem größeren Team ließen sich Aufgaben und Herausforderungen besser aufteilen und dadurch inhaltlich vertiefen – das ist mit unseren derzeit begrenzten personellen Ressourcen nur eingeschränkt möglich. Auch zusätzliche ehrenamtliche Unterstützung und starke Kooperationspartner wären wichtig, um unsere Arbeit langfristig auszuweiten und neue Projekte umsetzen zu können.

Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?

Schaut euch um, vergleicht und sprecht mit Menschen, die sich bereits engagieren. Online-Aktivismus kann wichtig sein, aber echte Beteiligung entsteht vor allem im persönlichen Austausch und im gemeinsamen Handeln. Wer einmal erlebt hat, wie bereichernd politisches Engagement und gemeinsames Gestalten sein können, merkt schnell, dass Mitmachen nicht nur Verantwortung bedeutet, sondern auch Gemeinschaft und Sinn stiftet.

Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten?

Ich freue mich, dass durch Projekte wie den MedienDemokratieHub zivilgesellschaftliches Engagement sichtbar gemacht und vernetzt wird. Politische Bildung braucht genau solche Plattformen, um voneinander zu lernen und gemeinsam demokratische Kultur zu stärken.

Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?

Auf unserer Homepage wwww.pjr-dresden.de finden sich alle generellen Informationen zu unserem Verein, aktuellere Informationen gibt es auf unserer Instagramseite https://www.instagram.com/pjrdresden/ .

Direkt in Kontakt treten kann man über mail@pjr-dresden.de oder Telefon 0351 / 4706476.